Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.523
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

GmbH Haftung Geschäftsführer


29.01.2017 22:45 |
Preis: 68,00 € |

Gesellschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Busch



Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich habe 2011 eine GmbH & Co.KG gegründet. Dort war ich alleinige Gesellschafterin sowie Geschäftsführerin.
Wir waren im Baugewerbe tätig.

Anfang Juni 2016 habe ich die Firma verkauft.
Der Notar hat einen Vorvertrag erhalten, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass ich als Gesellschafterin und Geschäftsführerin aus der Firma austrete.
Der Käufer an sich war bei dem Verkaufstermin nicht persönlich anwesend. Dieser ist Engländer. Sein Bevollmächtigter, der den Vertrag für ihn unterschreiben durfte, ist Kroate.

Im September erhielt ich einen überraschenden Anruf von einem Rechtsanwalt. Dieser vertritt einen Geschädigten, der von der Firma nicht bezahlt wurde.
Er machte mich darauf aufmerksam, dass ich im HR bei der GmbH noch immer als GF eingetragen bin.
Daraufhin suchte ich den Notar auf um den Sachverhalt zu klären.
Mit dessen Hilfe und dem Handelsregister konnte ich endlich Anfang Dezember ausgetragen werden.

Der Käufer und Gesellschafter in England ist unter der angegebenen Adresse nicht zu erreichen. Er nimmt keine Post entgegen.

Der Käufer erteilte sofort nach Verkauf (Beginn Juni 2016) eine Postweiterleitung. Ich hatte bis September keine Ahnung was die Gesellschaft überhaupt für einen Geschäftszweig hat, da ich ja davon ausging, dass die Sache nach dem Verkauf für mich erledigt ist.

Nach umfangreicher Recherche habe ich heraus gefunden, dass der neue Gesellschafter im Transportbereich tätig ist, seinen Auftragnehmern aber keine einzige Rechnung gezahlt hat.
Website ist nicht mehr im Internet zu erreichen. Alle Telefonanschlüsse sind abgemeldet. Die Firma ist eine Briefkastenfirma. Das Büro, welches übernommen werden sollte steht leer -
daher auch die Postweiterleitung an ein Postfach in Österreich. Von wo die Firma aus agiert hatte, ist mir unbekannt. Die Geschäfte leitete ebenfalls ein Engländer, der sich nach außen hin als GF ausgab. Dies ist auch schriftlich belegbar.


Dem Finanzamt wurde über einen Rechtsanwalt mitgeteilt, dass ich keine Informationen über die Geschäfte der Firma in der Zeit vom 06/2016 bis zu meinem Austritt als Geschäftsführerin hatte.
Ich habe weder für die Firma gearbeitet, Bezüge erhalten, noch hatte ich irgendeine Information über die Firma (wie Bankverbindungen etc.)

Nun meine Fragen:

1.) A.) Kann ich dem Käufer (Engländer) oder dem Kroaten (Bevollmächtigter) die Notarkosten, die beim Verkauf (Vertrag) entstanden sind weiterverrechnen? Der Notar erreicht den Käufer nicht, daher muss ich als Verkäufer die Kosten tragen, obwohl dies im Vertrag anders festgehalten wurde.
B.) Im Vertrag wurde festgehalten, dass der Käufer die Jahresabschlüsse übernehmen muss. Er hat alle Unterlagen von mir dazu erhalten. Getan hat er es nicht. Nun muss ich, da ich ja zu der Zeit noch GF war, diese erbringen. Kann ich die anfallenden Kosten wie Steuerberater, Finanzamtkosten etc. an den Gesellschafter weiterverrechnen.

2.) Kann man den Notar für seinen Fehler haftbar machen? Er hätte mich beim Verkaufstermin explizit belehren müssen, dass ich weiterhin GF bin.

3.) A.) Muss ich Post, die jetzt von Gläubigern (Amtsgerichte, etc) an die Firma gerichtet ist, aber an mich und meine private Adresse gesandt wird annehmen, da ich ja seit Anfang Dezember nicht mehr als GF eingetragen bin?

B.) Sollte ich verpflichtet sein, die Post anzunehmen, wie soll ich mich diesbezüglich gegenüber den Gerichten, Gläubigern verhalten?
C.) Kann ein Gläubiger mich privat haftbar machen, obwohl ich mit der Firma nichts im geringsten zu tun hatte?
D.) Kann der Gesellschafter (der im Moment untergetaucht ist) eine Durchgriffshaftung an einen Gläubiger gegen mich erwirken, obwohl wir nichts miteinander zu tun hatten?

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. A und B, dem Grunde nach ja, allerdings möchte ich Ihnen hier keine allzu großen Hoffnungen machen. Eine Rechtsdurchsetzung im Ausland ist schwierig und die Bonität der Betroffenen ungewiss. Möglicherweise werfen Sie hier viel gutes Geld ergebnislos aus dem Fenster.

2. Dies kann so nicht beurteilt werden. Wenn Sie in dem Termin als Geschäftsführer abberufen worden sind oder zurückgetreten sind und dies nicht adäquat umgesetzt wurde (fehlende Anmeldung HR) so mag eine Haftung des Notars in Betracht kommen. Andernfalls ist es an Ihnen, sich in so einem Geschäft adäquat von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Der Notar beurkundet üblicherweise unparteilich und scheidet daher mit weitergehenden Beratungspflichten aus.

3.A) Ob Sie die Post annehmen oder nicht, ist rechtlich unerheblich, als Geschäftsführerin befinden Sie sich in erheblichen Haftungsgefahren (daher sollten Sie die Post unbedingt annehmen und jeweils prüfen, ob aus Haftungsgründen Ihrerseits Handlungsbedarf besteht).
B) Siehe A, Sie sollten sich dringend beraten lassen und rechtlich alle Verteidigungsoptionen nutzen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Man wird Ihnen ggf Verantwortlichkeit für die abgeschlossenen Verträge unterstellen, dies müssen Sie erschüttern.
C) Ja, dies ist möglich. Siehe zuvor.
D) Die Frage ist falsch gestellt. Als Geschäftsführer trifft Sie eine erhebliche Handlungs- und Organisationshaftung. Wenn die Gesellschaft in eine Insolvenz verfällt, wird man die Geschäftsführer in Anspruch zu nehmen versuchen. Gegen Sie spricht, dass Sie im HR als Geschäftsführer verzeichnet waren, damit gelten Sie von Rechts wegen als verantwortlich. Möglicherweise wurde Ihr Name in Emails mißbraucht um Aufträge zu erteilen, dies gilt es zu eruieren und sich bestmöglich zu verteidigen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER