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Gewerbsmäßiger Betrug, 200 Gläubiger, 90.000€


26.12.2015 23:30 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Hallo,

ich habe in den Jahren 2005 - 2015 viele Schulden verursacht. 70 - 80% davon im Jahr 2008/2009. Ich habe über das Internet immer wieder Waren oder Dienstleistungen auf eigenem Namen bestellt und diese nicht bezahlt. Kauf auf Rechnung oder fehlgeschlagener Lastschrifteinzug. Keine Auktionbetrüge oder ähnlichem. Ich wurde in der Vergangenheit mehrfach (4-5 Mal) wegen Warenkreditbetrugs oder erschleichen von Leistungen verurteilt. Seit dem Jahr 2003 habe ich alle Jahre die EV abgeben müssen (Vorsatz).

Jetzt ist es so, das ich bei ca. 200 Firmen Schulden habe. Die Forderungen belaufen sich auf ca. 90.000€. Wobei über die Hälfte wahrscheinlich schon verjährt sein müsste. 2009 wurde ich zu einer Ersatzfreiheitsstrafe verurteilt, weil ich eine Ratenzahlung mit einem Gericht nicht eingehalten habe. Nach der Haft habe ich 2 Jahre lang eine Verhaltenstherapie wegen Kaufsucht gemacht. Zurzeit bin ich wegen psychischer Probleme wieder in einer Verhaltenstherapie.

Ich habe im Jahr 2010 ein Gewerbe eröffnet. Allerdings aus dem Grund, meine Schulden bzw. die Vielzahl an Gläubiger auf das Gewerbe schieben zu können. Ich hatte weder Ein- noch Ausgaben mit dem Gewerbe. Ich habe es bis heute nicht abgemeldet.

Jetzt ist es so, das ich mich auf eine Regelinsolvenz vorbereite. Der Vorteil der Regelinsolvenz liegt darin, das man private Schulden mit den Schulden aus dem Gewerbe "kombinieren" kann. Die Gefahr bei der Verbraucherinsolvenz liegt darin, das jeder Gläubiger eine Liste mit Aufstellung sämtlicher Schulden bekommt. Der ein oder andere könnte sicherlich vor Wut eine Strafanzeige stellen. Bei der Regelinsolvenz bekommen die Gläubiger keine Liste. Deswegen habe ich damals das Gewerbe angemeldet.

Jetzt stehe ich kurz vor der Einreichung der Insolvenz. Ich habe Angst davor, da ich befürchte, das man mir seitens des Gerichts oder des Insolvenzverwalters eine Anzeige wegen "gewerbsmäßigen Betruges/Handeln" vorwerfen könnte. Es könnte sogar Untersuchungshaft veranlasst werden, wegen der "Wiederholungsgefahr".

1.) Fällt mein Fall unter Gewärbsmäßigem Betrug/Handel?

2.) Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das ich eine Anzeige bekomme bzw. Untersuchungshaft veranlasst wird?

3.) Kann ich überhaupt noch eine Strafanzeige kriegen (Verjährung im Strafrecht)?

4.) Wie sieht es mit der Sozialprognose aus bez. Strafmilderung?

Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen.
26.12.2015 | 23:59

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Frage, unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhaltes und Ihres Einsatzes wie folgt.

1.
Gewerbsmäßigkeit im strafrechtlichen Sinne liegt vor, wenn durch die Taten eine Einnahmequelle von gewisser Erheblichkeit und Dauer geschaffen werden soll. Dies lässt sich in Ihrem Fall, sowohl aufgrund des langen Zeitraums, als auch aufgrund der Schadenshöhe wohl kaum verneinen.

2.
Ob eine Anzeige erstattet wird, lässt sich seriös nicht beurteilen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber durchaus nicht zu gering einzuschätzen. Die Verhängung von Untersuchungshaft indes erscheint weniger wahrscheinlich, ist jedoch auch nicht absolut auszuschließen, wenn weiter entsprechende Taten begangen werden.

3.
Die Verjährung beträgt in Ihrem Fall 5 Jahre. Insoweit stehen wohl noch ausreichend relevante Sachverhalte im Raum. Hier ist zu berücksichtigen, dass auch verjährte Sachverhalte bei der Strafzumessung Berücksichtigung finden dürfen.

4.
Aus Ihrer Schilderung ist, abgesehen von der Therapie, nicht viel positives zu entnehmen. Auch sondern Ihre Vorbelastungen erheblich und sie haben bereits eingesessen, ohne dass dies etwas an Ihrem Verhalten geändert hätte. Eine Bewährung erscheint mithin wenig wahrscheinlich, zumal auch die Therapie Sie nicht von bedenklichen, gar planmäßigen Handlungen abgehalten haben.

Insgesamt gehen Sie derzeit ein erhebliches Risiko einer strafrechtlicheneuen Verfolgung ein. Es spricht ferner einiges dafür, dass Sie schlussendlich ohnehin keine Restschuldbefreiung erlangen werden.

Sie sollten, dies wäre wirklich strafmildernd ziemlich berücksichtigen, wenn auch in geringem Umfang Schadenswiedergutmachung betreiben. Alles andere scheint wenig aussichtsreich.

Ich bedauere, Ihnen keine bessere Nachricht geben zu können und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Marc N. Wandt
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht


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