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Gewerbe als Fotograf - Illustrationen/Print verkaufen ohne evtl. nötige Ausbildung?

13.09.2016 13:26 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Zusammenfassung: Fotografen müssen sich bei der Handwerkskammer an- und abmelden. Es besteht eine Pflichtmitgliedschaft in einer BG. Es muss unterschieden werden, ob es sich um eine freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit handelt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ein Nebengewerbe als Fotograf angemeldet. Hauptberuflich bin ich gelernter Einzelhandelskaufmann.

Da ich mich nach circa 10 Jahren selbststudium in Fotografie und Bildbearbeitung dazu entschieden habe meine Dienste der Gesellschaft anzubieten habe ich dieses Kleinunternehmen gegründet.


Nun zu meiner Frage:

Darf ich als ungelernter Fotograf ohne weitergehende Abschlüsse in diese Fachrichtungen meine Dienste auch zum Verkauf von selbst erstellten Illustrationen anbieten (Adobe Photoshop)? Ich denke, ohne mich selbst loben zu wollen, kann ich von mir behaupten, dass ich dies qualitativ auf dem Niveau eines Mediengestalters beherrsche.

Es handelt sich dabei um Grafiken für Internetpräsenzen wie Homepages oder Facebook, Printmedien wie Briefpapier oder Visitenkarten und Ähnliches.

Falls ja, welcher weiteren Schritte bedarf es gewerblich? Ich würde natürlich nicht unter einer geschützten Berufsbezeichnung auftreten.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Zeit!


Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. a)Wenn sie fotografische oder Bildgestalterische Tätigkeiten ausüben, dürfen sie sich theoretisch auch so nennen. Sie können sich also problemfrei ungelernter Fotograf, Bildgestalter u.ä. nennen. Allerdings müssen sie dringend darauf achten, nicht den Eindruck zu erwecken, als hätten sie einen Abschluss oder einen Meister, denn die Qualifikationen können (müssen aber nicht) bis heute erworben werden. Sie dürfen hier also keine falschen Eindrücke vermitteln, da sie sich sonst dem Vorwurf des unlauteren Wettbewerbes (Irreführende Werbung) aussetzen und Abmahnungen riskieren. Der Vorsatz "Ungelernt" scheint mir allerdings aus Sicht des Wettbewerbes allerdings eine unglückliche Wahl.

b) Beim Fotografen handelt es sich nach Anlage B Abschnitt 1 Nr. 38 zur Handwerksordnung um ein zulassungsfreies Handwerk.

Sie können ihre Selbständigkeit also problemfrei auch ohne entsprechende (akademische) Qualifikation bzw. Ausbildung ausüben. Ein Meister ist hierzu nicht erforderlich.

2. a)So dann müssen sie die von ihnen angestrebte Tätigkeit planen. Es spielt hier eine Rolle , ob sie sie handwerklich ( z.B. Herstellung von Portrait- oder Passfotos, Architektur- oder Hochzeitsfotos oder Produktfotografie), gewerblich ( z.B. Mode-, Industrie- und Werbefotografie) oder freiberuflich (hier liegt der Schwerpunkt auf dem künstlerischen Schaffen, also Z.B. Fotos , als Kunstwerke, Fotojounalist, Bildgestalter) wollen.

Bei der freiberuflichen ( §18 EstG) Fotografie, liegt der Schwerpunkt in der Bildkomposition ( Motivwahl, Schatten- und Lichtgestaltung, Perspektive, Ausdruck, Verfremdung, etc- also alles was man interpretieren kann, vgl. BSG, Urteil vom 24.06.1998 – B 3 KR 11/97 R) auf ästhetischen Gesichtspunkten liegt.

b) Sowohl die handwerkliche als aus die gewerbliche Fotografie stellen ein Gewerbe dar. Ihre selbständige Tätigkeit muss also dem Gewerbeamt angezeigt werden. Hier fällt in Abhängigkeit von der Gewinnhöhe Gewerbesteuer an.

Bei der freiberuflichen Fotografie müssen sie bei den Künstlersozialkassen ( § 1 KSVG) angemeldet sein, die dann ebenfalls Beiträge fordern. Hier werden sie Kranken- und Pflegeversichert. Nicht Versicherungspflichtig als Künstler ist lediglich derjenige der weniger als 3.900 € imKalenderjahr verdient ( (§ 3 Abs 1 Satz 1 KSVG), allerdings können sie sich hier als "Berufsanfänger" dennoch versichern lassen. Dafür zahlen sie, wenn das Finanzamt sie als Freiberufler anerkennt, keine Gewerbesteuer.

Bitte beachten sie, dass es auch sein kann , dass sie sowohl eine freiberufliche als eine gewerbliche Tätigkeit ausüben, dann haben sie quasi " zwei Selbständigkeiten" von der eine beim Gewerbeamt gemeldet sein muss.

c) Egal in welche Richtung sie sich selbständig machen wollen, sie müssen die Aufnahme (und auch Beendigung) der Tätigkeit bei der Handwerkskammer anzeigen und ins Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke eintragen lassen ( §§ 18, 19 HWO).

Darüberhinaus müssen sie sich - ebenfalls unabhängig von der Einstufung der Tätigkeit- beim Finanzamt anmelden. Auch hier ist zu überlegen , ob sie die Kleinstunternehmerregelung (= keine USt bis zu einer bestimmten Gewinnhöhe, § 19 UstG) für sich in Anspruch nehmen wollen, dies ist bei der Anmeldung dann einfach anzukreuzen. Dies mag anfangs sinnvoll sein, gewarnt werden muss hier dennoch vor Nachzahlungen, falls ihr Gewinn die erwartete Höhe überschreitet.

Daneben besteht - ebenfalls unabhängig von der Art der selbständigen Tätigkeit- eine Pflichtmitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM), die Berufsunfälle absichert.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie gern die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 13.09.2016 | 16:56

Ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Antwort, möchte allerdings klar stellen, das ich, wie in der Frage deklariert, bereits ein angemeldetes Gewerbe führe und aufgrunddessen der Fokus meiner Frage auf dem Bereich "selbsterstelle Illustrationen als selbstständiger Fotograf anbieten" lag. Diesbezüglich handelt es sich um Printmedien (Visitenkarten, Briefpapier, Aufkleber, etc.) Facebookdesigns und alle Arten von selbst erstellten Grafiken, digital oder gedruckt.
Mir stellt sich die Frage, ob ich diese Leistungen nur als ausgebildeter Mediengestalter anbieten darf, oder ob meine jahrelangen Kenntnisse diesbezüglich ausreichen und ich diese Dienstleistung unter dem Dach meines Unternehmens anbieten darf.


Nochmals vielen Dank für Ihre Zeit!

Mit freundlichen Grüßen


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.09.2016 | 18:33

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für ihren Hinweis. Offensichtlich habe ich die Frage falsch verstanden, ich bezog alles darauf sich als Fotograf selbständig zu machen und die Mediengestaltung nur miteinzubeziehen. Ich bitte um Entschuldigung.

Das "Handwerk des Mediengestalters" ( verstanden als Graphiker, Bildgestalter, Bilddesigner) ist kein Handwerk im Sinne der HWO.

Es ist zwar als Beruf im BBiG und in der HWO genannt, es handelt sich aber um kein meldepflichtiges Handwerk nach §§ 18, 19 HWO, da es weder in Anlage A noch Anlage B zur HWO verzeichnet ist.

Sie dürfen den Verkauf der Grafiken (Bilder, Designs) und die Leistung der Illustration ( die Erstellung, den Entwurf) also beschränkungsfrei mit anbieten. Eine Anmeldung bei der Handwerkskammer ist nicht erforderlich.

.Anders sieht es jedoch aus, wenn die gestalteten Bilder danach professionell ausgedruckt werden. Eine Meldepflicht besteht nämlich für Drucker und Siebdrucker und Schilderhersteller (Nr. 40 und 41 sowie nr. 53 der Anlage B zur HWO).

Sobald sie also anfangen das Bild nicht nur zu malen, zu zeichnen oder auf dem PC zu entwerfen , kommt es maßgeblich auf die Ausführungsvariante an.

Solange sie sich allerdings nur um die Erstellung, sprich das Design, von Grafiken und Illustrationen aus ihren eigenen Fotos ( bitte beachten sie bei Personen das Recht an eigenem Bild, wenn sie hier eventuell Fotos verwenden wollen) handelt, muss die Tätigkeit nicht der Handwerkskammer gemeldet werden. Allerdings ist im Gegensatz zum Fotografen die Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer erforderlich, da bei der Gestaltung von Werbemedien und Webseiten wohl der gewerbliche und nicht der freiberufliche Aspekt im Vordergrund steht. Dies bewertet das Finanzamt abschließend.

Der Einschätzung nachgehend , dass es sich hier um ein Gewerbe handelt, müssen sie zwingend ein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Diese leitet in der Regel ihre Anmeldung auch an die IHK weiter.

Ob sie weiterhin in in der Künstlersozialkasse pflichtversichert sein können, wird sich nach dem Verhältnis ihrer Tätigkeiten und der Einnahmen hieraus richten.


Ich hoffe, ihre Frage nun eindeutig beantwortet und getroffen zu haben.
Ansonsten können sie sich gern an die Mailadresse in meinen Profildaten an mich wenden.

mit freundlichen Grüßen

Doreen Prochnow

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