Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Geschäftsgebaren Rechtsanwalt


| 16.10.2006 16:27 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stephan Bartels



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zum Geschäftsgebaren eines Rechtsanwalts, den ich in 06 / 2006 mit einer erbrechtlichen Sache beauftragt hatte. Zusammengefasst: Vor Mandatserteilung befragte ich den RA explizit, mit welchen Kosten ich zu rechnen hätte. Darauf entgegnete er, dass er sich der Sache "nicht völlig umsonst" annehmen könne - wobei er keine Beträge nannte. Ich ging daher davon aus, dass sich die Kosten im Bereich von bis zu max. 500,-- EUR bewegen würden.

In 08 / 2006 - ca. 2 Mon. später (!) - erhielt ich dann überraschend einen schriftl. Kostenvoranschlag vom RA, der sich auf 2.300,-- EUR (!) belief. Diesen monierte ich per Email, da ich mich die Höhe des KV´s überraschte + ich mich im Nachhinein bzgl. der zu erwartenden Kosten reingelegt fühlte - das Mandat hatte ich ja schon erteilt und "hing nunmehr im Verfahren drin".

Die erbrechtliche Sache ging für mich in 10 / 2006 und ohne Gerichtsprozeß positiv aus. Die Gegenseite überwies den mir zustehenden Erbteil auf des Rechtsanwaltsunderkonto des
durch mich beauftragten RA-s. Leider überwies dieser bislang nicht - und wie es seine gesetzliche Pflicht gewesen wäre - die Erbsumme auf mein Konto. Sondern ist erst bereit, diese an mich auszuzahlen - und das teilte er mir schriftlich mit - wenn ich vorab seine Rechnung gemäß schriftl. KV begleiche - also um ein Mehrfaches überhöht. Ferner setzte er mir eine Frist bis zum 23.10.2006, nach Ablauf derer er mir die Reststumme nach Abzug seiner Kosten überweisen würde. Da mir dieses Gebaren sehr abstrus vorkommt - so etwas erlebe ich zum 1. Mal - hätte ich gern gewusst, wie Sie dieses Verhalten beurteilen und wie ich mich effizient dagegen wehren kann. Einschaltung der zuständigen Rechtsanwaltskammer? Ich habe u. a. folg. Ziele:

1. Auszahlung des mir zustehenden Erbes durch den RA.
2. Keine Zahlung von überhöhten RA-s-Gebührenrechnungen unter Anwendung erpresserischer Methoden.

Herzlichen Dank!

P.s. Der Presse entnahm ich kürzlich einen ähnlich gelagerten Fall (Verwaltungsbezirk Leipzig), in dem die zuständige Anwaltskammer dieses Gebaren eines Kollegen als für nicht in Ordnung befand und den Entzug der Zulassung prüft.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich vor dem Hintergrund Ihres Einsatzes und aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworte:

Wenn der Kollege Sie anwaltlich vertreten hat, dann richten sich die entstandenen Anwaltsgebühren grds. nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Maßgebend für die Höhe der Gebühren ist der Wert der Angelegenheit und der Umfang der anwaltlichen Tätigkeit.

In außergerichtlichen Angelegenheiten ist es zulässig, dass zwischen Anwalt und Mandant ein niedrigeres als das gesetzliche Honorar vereinbart wird (dies gilt nicht bei gerichtlicher Tätigkeit des Anwalts!).

Davon ausgehend, dass die Ihnen gestellte Rechnung die gesetzlichen Rechtsanwaltsgebühren beinhaltet, könnten Sie sich gegen die Höhe dieser Gebühren nur dann wehren, wenn es eine hiervon abweichende Vereinbarung über das Honorar gibt. Dies ist nach den von Ihnen mitgeteilten Informationen aber nicht der Fall. Die Aussage des Kollegen, dass er es nicht umsonst machen könne, stellt keine Honorarvereinbarung dar. Dies ergibt sich schon daraus, dass über den wesentlichen Inhalt, nämlich die Höhe des Honorars, offensichtlich nie gesprochen worden ist. Ihre Vorstellung, dass mit dieser Äußerung maximale Gebühren in Höhe von 500,00 EUR gemeint seien, haben Sie offensichtlich für sich behalten, so dass über die Höhe der Gebühren nie wirklich gesprochen worden ist. Im Ergebnis schulden Sie somit die gesetzlichen RA-Gebühren.
Allerdings könnten sich nach dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt evtl. eigene Schadensersatzansprüche Ihrerseits gegen den Rechtsanwalt ergeben, die Sie dessen Honorarforderung entgegenhalten könnten. Solche Schadensersatzforderungen bestünden u.U. dann, wenn der Anwalt Sie nicht vor der Erteilung des Mandates darauf hingewiesen hat, dass sich die entstehenden Gebühren nach der Höhe des Gegenstandswertes richten. § 49 b Abs. 5 der Berufsordnung für Rechtsanwälte (BRAO) enthält folgende Regelung:
„Richten sich die zu erhebenden Gebühren nach dem Gegenstandswert, hat der Rechtsanwalt vor Übernahme des Auftrags hierauf hinzuweisen.“
Haben Sie den danach von dem Anwalt geschuldeten Hinweis nicht bzw. nicht rechtzeitig erhalten, so könnten Sie geltend machen, dass bei Erteilung des gesetzlich geforderten Hinweises der Auftrag nicht bzw. nur zu einem Honorar von 500,00 EUR von Ihnen erteilt worden wäre. In diesem Fall wären die geltend gemachten Gebühren gleichfalls nicht entstanden. Der entsprechende Betrag müsste von dem Rechtsanwalt ersetzt, bis auf das Honorar, dass Sie auch bei Erteilung des gesetzlich vorgesehenen Hinweises zu zahlen bereit gewesen wären. Mit Ihrem danach bestehenden Schadensersatzanspruch können Sie gegen die Forderung des Rechtsanwalts aufrechnen, mit der Folge, dass dessen Honorarforderung erlöschen würde, abzg. Des Betrages von 500,00 EUR. Der Anwalt hätte dann kein Recht mehr, einen höheren Betrag aus den Ihnen zustehenden Zahlungen zurückzuhalten. Für die Auszahlung Ihres Geldes sollten Sie eine angemessene Frist setzen (ca. 10 Tage) und im Falle eines fruchtlosen Fristablaufs Zahlungsklage und Weitergabe der Sache an die Rechtsanwaltskammer androhen.
Ich hoffe die Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und dass ich Ihnen eine erste Orientierung für das weitere Vorgehen geben konnte.

Für Ihre anwaltliche Vertretung im Rahmen eines evtl. erforderlichen Verfahrens stehe ich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

S. Bartels
Rechtsanwalt, Hamburg

Nachfrage vom Fragesteller 16.10.2006 | 17:41

Sehr geehrter Herr RA Bartels,

herzlichen Dank für Ihre blitzartige Antwort.
Ich wiederhole noch einmal: Vor Mandatserteilung befragte ich meinen Rechtsanwalt EXPLIZIT, mit welchen Kosten ich zu rechnen hätte. Darauf entgegnete er, dass er sich der Sache "nicht völlig umsonst" annehmen könne - wobei er keine Beträge nannte und auch nicht auf die geltende RVG o. ä. hinwies. Sich "einer Sache nicht völlig umsonst annehmen" lässt natürlich einen Interpretationsspielraum zu. Die Mehrheit der Bürger wird jedoch davon ausgehen - und darin stimmen Sie mir gewiß zu -, dass es sich bei so einer Aussage nicht um exorbitante Beträge handeln kann. Und 2 Mon. später dann einen KV "nachzureichen", der sich gewaschen hat, hinterläßt einen äußerst unangenehmen Nachgeschmack beim Mandanten. Gern folge ich daher Ihrer Empfehlung bzgl. der Positionierung/Rechnungshöhe und ggfls. zusätzlichem Einschalten der RA-Kammer.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.10.2006 | 19:00

Sehr geehrte(r) Fragesteller/in,

da gebe ich Ihnen auf jeden Fall Recht.

Allerdings hätten Sie ggf. bereits nach Erhalt des Kostenvoranschlages den Auftrag widerrufen bzw. dann Ihre Schadensersatzansprüche geltend machen müssen. Dieses Versäunis wird Ihnen in einem evtl. Verfahren sicherlich vorgehalten werden, mit der Folge, dass Sie Ihren Schaden, also die entstandenen Gebühren, nur z.T. ersetzt verlangen können. Dies sollten Sie im Rahmen eines außergerichtlichen Einigungsversuches berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

S. Bartels
Rechtsanwalt, Hamburg

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Schnell und kompetent. Dennoch muss ein Gericht/Anwaltskammer ggf. berücksichtigen, dass über 95 % der Mandanten darin ungeübt sind, Mandate wg. dreister Forderungen unverzüglich zu entziehen bzw. sofort Schadensersatz gegenüber dem eigenen RA geltend zu machen. "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER