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Geldforderung wegen Hochladen eines Films auf YouTube

| 29.05.2019 10:00 |
Preis: 50,00 € |

Medienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Wir haben 2012 in unserer kleinen Behinderteneinrichtung mit Landwirtschaft auf dem Land einen Film produzieren lassen von einer Medienwerkstatt auf deren Kosten. Wir haben dann 2012 von der Medienwerkstatt den Film 30x auf DVD gekauft (je 11€) (mehr Nachfrage war nicht). Auf dem Film steht die Bitte ihn nicht zu kopieren - am Ende ©-2012 sonst nichts.
Wir haben ihn nicht kopiert, aber mal auf einer Messe gezeigt.
Wir haben 2016 den Film auf YouTube hochgeladen mit dem Hinweis nur zum privaten Gebrauch. Er wurde 1.727x geklickt. Jetzt ist er gelöscht. Wir haben überraschend am 17.5.2019 eine Rechnung über 3.531€ Brutto bekommen (1.500€ Netto für Lizenz für nichtkommerzielle Nutzung in sozialen Medien und 1.800€ Netto für entgangen Einnahmen aus Verkauf).
Das erscheint uns total überzogen. Wenn man pro Klick 0,02€ ansetzt wären es 34,54€ und vielleicht wären maximal 10 DVD (110€) verkauft worden, dann wären wir bei 144,54€, was wir akzeptieren könnten.
Wer sollte den Film über uns so teuer kaufen wollen? Wir haben Erfahrung mit anderen Filmen über unsere Einrichtung, die nur Angehörige kaufen.
Was empfehlen Sie ? Ist die Forderung überhaupt durchsetzbar?
Könnte eine Strafe drohen?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Nach Ihrer Schilderung gehe ich davon aus, dass Ihnen nicht ausdrücklich vertraglich das Recht eingeräumt wurde, den Film frei zugänglich im Internet zu veröffentlichen. Daher handelt es sich um eine Urheberrechtsverletzung und der Rechteinhaber an dem Film kann von Ihnen Unterlassung und Schadensersatz fordern.

Bei der Bemessung des Schadensersatzes kann gemäß § 97 Absatz 2 UrhG der Gewinn, den Sie durch die Verletzung des Rechts erzielt haben, berücksichtigt werden. In der Praxis nutzt der Rechteinhaber aber meist die so genannte Lizenzanalogie: Der Schadensersatzanspruch wird auf der Grundlage des Betrages berechnet, den Sie als angemessene Vergütung hätten entrichten müssen, wenn Sie die Erlaubnis zur Nutzung des verletzten Rechts eingeholt hätten.

Es kommt also darauf an, für welchen Preis eine entsprechende Lizenz zur Veröffentlichung in der Praxis eingeräumt worden wäre oder welcher Schaden (Verkaufseinbußen) der Rechteinhaber durch die ungenehmigte Veröffentlichung erlitten hat. Insbesondere der Betrag für die entgangenen Einnahmen erscheint deutlich erhöht. Zudem kann der Rechteinhaber nicht eine fiktive Lizenzzahlung verlangen und gleichzeitig den entgangenen Gewinn fordern. Denn wenn Sie die kostenpflichtige Lizenz ordnungsgemäß erworben hätten, hätte die Medienwerkstatt ja als Folge auch weniger DVDs verkauft.

Kurz gesagt: Bieten Sie einen Betrag an, den ein objektiver Dritter nach realistischer Einschätzung für die Nutzung des Filmes gezahlt hätte. Wenn bei der YouTube-Veröffentlichung der Rechteinhaber nicht genannt wurde, müssten Sie diesen Betrag noch verdoppeln, einen solchen "Verletzerzuschlag" gestehen die Gerichte bei fehlender Urhebernennung und dadurch entgangenen Werbeeffekt regelmäßig ein.
Sollte die Medienwerkstatt sich hierauf nicht einlassen, fordern Sie entsprechende Nachweise zur Rechtfertigung der Höhe der Forderung an. Die Medienwerkstatt müsste im Streitfall nachweisen, dass sie vergleichbare Lizenzverträge mit solch hohen Beträgen abgeschlossen hat und die Verkäufe der DVD vor Veröffentlichung des Videos tatsächlich so hoch waren und dann entsprechend gesunken sind. Ich vermute nach Ihren Angaben aber, dass ein solcher Nachweis nicht gelingen wird.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 29.05.2019 | 15:02

Danke, das hilft.
Gilt das auch für einen Film vom BR, der öffentlich im Fernsehen ausgestrahlt wurde,
wenn wir ihn auf unserer website zeigen?
Wir haben sogar für eine Kopie davon beim BR offiziell bezahlt.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.05.2019 | 15:07

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Ja , das gilt grundsätzlich auch in diesem Fall. Der Besitz einer Kopie berechtigt zunächst einmal nur zum Ansehen, aber nicht zur Vervielfältigung und Veröffentlichung und Verbreitung. Es macht dabei auch keinen Unterschied, ob der Film öffentlich ausgestrahlt wurde oder nicht. In der Praxis halte ich es zwar für unwahrscheinlich, dass der BR gegen diese Nutzung auf Ihrer Webseite vorgehen wird, dennoch empfiehlt sich das Einholen der vorherigen Genehmigung. Die Veröffentlichung kurzer Ausschnitte kann ausnahmsweise vom Zitatrecht gedeckt sein, wenn Sie sich auf Ihrer Seite mit dem Beitrag beschäftigen und der Ausschnitt als Beleg erforderlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 29.05.2019 | 15:55

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