Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Gehwegschaden durch Baumentwurzelung auf Privatgrundstück

| 07.04.2022 21:41 |
Preis: 60,00 € |

Verwaltungsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich stehe gerade vor folgendem Problem:
Bei dem Sturm im Februar wurden am nur zeitweise bewohnten Haus meiner Großmutter zwei 50 Jahre alte Kiefern entwurzelt. Dabei kam es zu einer erheblichen Beschädigung des an das Grundstück angrenzenden Gehwegs. (Die betreffenden Bäume wurden im Beisein meiner Mutter zuletzt im Oktober 2021 von meinem Vater in Augenschein genommen, der leider im Dezember verstorben ist. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bäume vollkommen gesund, unversehrt und intakt.)

Natürlich haben wir den Schaden unverzüglich unserer Haftpflichtversicherung gemeldet und uns auch mit der zuständigen Gemeindeverwaltung in Verbindung gesetzt. Neben einer Kostenübernahmeerklärung (die wir nicht unterschrieben haben) schickte uns die Gemeinde daraufhin einen Kostenvoranschlag eines regionalen Unternehmens für Erdarbeiten, in dem sowohl die Beseitigung und Entsorgung der sehr großen Baumwurzeln als auch die Instandsetzung des Bürgersteigs vorgesehen war, den wir bei unserer Versicherung einreichten. Diese setzte sich wiederum direkt mit der Gemeindeverwaltung in Verbindung und erklärte ihr, dass es sich in diesem Fall um "höhere Gewalt" handele, es sich somit nicht um einen Haftpflichtschaden handele und sie daher die Übernahme der Kosten ablehnt.

Nun wurden wir von der Gemeinde angeschrieben, die unter Berufung auf § 829 Abs. I BGB Schadensersatzanspruch gegen uns privat erhebt. Gleichzeitig teilte man uns mit, dass der Schaden in Kürze beseitigt werden würde und uns die "tatsächlich entstandenen Kosten" in Rechnung gestellt würden. Demnach wird uns also zumindest Fahrlässigkeit, wenn nicht gar Vorsatz unterstellt.

Wie können wir uns gegen diese Forderung wehren?

07.04.2022 | 22:36

Antwort

von


(333)
Rossmarkt 194
86899 Landsberg
Tel: 08191/3020
Web: http://www.kanzlei-am-rossmarkt.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Dem Grunde nach haften Sie für alle Gefahren, die von Ihrem Grundstück ausgehen.

Eigentümern eines Grundstückes obliegt die Verkehrssicherungspflicht für die auf ihrem Grundstück stehenden Bäume, die durch Umstürzen, Abbrechen von Baumteilen oder Ästen etc. Schäden verursachen können.

Die Haftung setzt eine schuldhafte Verletzung der Ihnen obliegenden Verkehrssicherungspflichten und kausal hierdurch herbeigeführte Schäden voraus.

Ob Ihnen hinsichtlich der Bäume ein Verschulden vorzuwerfen ist, wird ggf. Gegenstand eines teuren Sachverständigen Gutachtens werden. Dadurch wird festgestellt werden, ob die Bäume gefährlich krank waren oder nicht.

Wenn sie gesund waren, wofür die Begutachtung durch Ihren Vater spricht, kann Ihnen kein Vorwurf gemacht werden (Sichtkontrolle auf Vorschäden, Krankheitsanzeichen,
Abklopfen auf Fäulnisprozesse im Holz, ggf. Baumsachverständige fragen [Brandenburgisches OLG, Urteil v. 12.01.1999 (Az.: 2 O 40/98)].

Ein Grenzbaum oder grenznah stehender Baum stellt stets eine mögliche Gefahrenquelle für ein Nachbargrundstück dar
[Oberlandesgericht Schleswig,
Urteil v. 09.11.1994 (Az.: 12 U 22/93)]

Eigentümer haften für Schäden oder Beeinträchtigungen durch einen Baum, der in Folge eines Sturmes auf das Nachbargrundstück gestürzt ist, dann nicht, wenn der Baum gegenüber normalen Einwirkungen der Naturkräfte zuvor hinreichend widerstandsfähig war.

Ein ungewöhnlich heftiger Sturm
ist eine unvertretbare Gefahrenlage,
was ab Windstärke 8 (Beaufortskala ab 62 Kilometern je Stunde) seitens der Rechtsprechung als ein außergewöhnliches Naturereignis angenommen wird;
extra Sturmschadenversicherungen treten ab dieser Windstärke für die Schäden ein, auch bei gesunden Bäumen [BGH, Urteil vom 21.01.1965 (Az.: III ZR 217/63) und Urteil vom 21.03.2003 (Az.: V ZR 319/02)].

Anders ist das, wenn Bäume infolge Krankheit oder Überalterung diese Widerstandskraft eingebüßt haben [BGH, Urteil vom 23.04.1993,
(Az.: V ZR 250/92)].

Dann müßte außer bei Vorsatz Ihre Haftpflichtversicherung eintreten, weil Sie verdächtige Umstände nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend reagiert haben.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Helge Müller-Roden
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Bewertung des Fragestellers 09.04.2022 | 15:25

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Helge Müller-Roden »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 09.04.2022
5/5,0

ANTWORT VON

(333)

Rossmarkt 194
86899 Landsberg
Tel: 08191/3020
Web: http://www.kanzlei-am-rossmarkt.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Fachanwalt Arbeitsrecht, Verkehrsrecht, Erbrecht, Familienrecht, Ordnungswidrigkeiten