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Gegenseitige Beleidigung

| 18.08.2018 12:59 |
Preis: 25,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stefan Pleßl, Dipl.-Jur.


Guten Tag,

Ich habe eine Frage zu der Situation, die mir gestern passiert ist.

Ich war auf einer Wiese mit meinem Hund unterwegs und war gerade dabei, mit dem Joggen anzufangen.
Ungefähr 20-30 m vor mir und meinem Labrador auf derselben Wiese lief ein Paar türkischer Abstammung mit 3 Kindern. Die Frau hat sich in dem Moment, wo ich den Hund abgeleihnt habe und mit dem Joggen angefangen habe, in unserer Richtung gedreht, um das Kind zu kontrollieren. Sie hat mich gesehen und hat momentan angefangen hysterisch zu schreien, dass ich meinen Hund sofort anleinen muss, sonst würde sie die Polizei anrufen. Das alles am Schreien und im Befehlston. Ich war in dem Moment so verwirrt, dass ich stehen geblieben bin und ihr gesagt habe, sie sollte das gerne machen aber ich wusste nicht, warum. Ihre Antwort war (und wie gesagt, dass alles hat sie absolut hysterisch geschrien), dass ihr Neffe vor ein paar Tagen hier gebissen worden ist. Auf meine Frage, was das alles mit meinem Hund zu tun soll, hat sie mich 2 Mal "du, blöde Kuh" genannt. Als ich weitergelaufen/gejoggt bin (das alles immer noch in 20-30 m Entfernung von der Frau) hat sie mich bedroht. Sie hat geschrien, dass wenn Sie mich hier nochmal sieht, würde ich das sehr bereuen. Sie hat mich mit der körperlichen Verletzung oder sogar mit dem Tod bedroht.

Ich war absolut überfordert mit der Situation und auch sehr tief verletzt. Mein Hund war die ganze Zeit bei mir, hat keinen einzigen Schritt in deren Richtung gemacht und die Frau hat mich einfach so weiter beschimpft. Außerdem, war ich vor 10 Jahren magersüchtig und achte immer noch sehr krankhaft auf mein Gewicht. Als eine Kuh bezeichnet zu werden ist für mich sehr traumatisch. Ich muss zugeben, dass ich in dem Moment etwas überreagiert habe und der Frau kommentarlos den Mittelfinger gezeigt habe. Mir ist bewusst, dass das auch eine Straftat ist, aber ich habe das lediglich als eine Notwehr-Maßnahme gemacht. Die Frau war verbal auch absolut nicht zu stoppen.

Ich bin weitergelaufen und sie hat mir hinterher die dreckigsten Sachen geschrien. Hat auch bedroht, dass sie ein Foto von mir machen würde (vielleicht, hat sie das auch gemacht, das weiß ich natürlich nicht) und sie wusste, wem sie das zeigen würde, und ich würde das alles sehr bereuen.

Zu dem ganzen Geschehen habe ich eine Frage: soll ich die Frau bei der Polizei wegen Beleidigung, Bedrohung und eventuell auch wegen einer unerwünschten Fotoaufnahme anzeigen oder nicht? Den Namen dieser Frau könnte ich relativ leicht ermitteln, weil ich weiß, in welcher Familie das Kind gebissen wurde (so was spricht sich unter den Hundehaltern sehr schnell rum). Mein Bedenken ist, dass ich sie ja auch mit meiner Gestik beleidigt habe. Außerdem, hat sie einen Zeugen und ich nicht, da ich alleine war.

Ich wäre für einen Ratschlag Ihrerseits sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen,
I.M.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

Sie müssten sich schon sehr sicher sein, dass Sie den richtigen Namen "ermittelt" haben, wenn Sie jemanden konkret mit Namensangabe anzeigen. Wenn es (ohne dass Sie es wissen) zwei Beissunfälle gab, geraten Sie vielleicht schon auf eine falsche Fährte. Außerdem wurde offenbar ein Neffe gebissen und die familiären Verbindungen könnten schwer durchschaubar sein. Das gebe ich vorab grundsätzlich zu bedenken. Ich rate zu einer Anzeige gegen Unbekannt. Die Täterinnenermittlung ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden.

Die Beleidigung wird sehr wahrscheinlich nicht strafrechtlich verfolgt (Verweisung auf den Privatklageweg wegen fehlenden öffentlichen Interesses). Hier können Sie sich eigentlich die Mühe sparen. Auf jeden Fall handelt es sich um ein Antragsdelikt. Sie müssten binnen 3 Monaten neben der Strafanzeige einen sog. Strafantrag stellen.

Wegen Ihrer eigenen beleidigenden Geste machen Sie sich keine Sorgen. Erstens gilt auch insoweit, dass kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehen dürfte. Zweitens ist der Anwendungsbereich von § 199 Strafgesetzbuch eröffnet. Der Normtext lautet: "Wenn eine Beleidigung auf der Stelle erwidert wird, so kann der Richter beide Beleidiger oder einen derselben für straffrei erklären."

Da Sie nicht einmal wissen, ob ein Foto gemacht wurde, würde ich Ihnen auch nicht raten, wegen dieses Komplexes Strafanzeige zu erstatten.

Anders sieht es mit der Bedrohung (§ 241 Strafgesetzbuch) aus. Hier rate ich zur Anzeigeerstattung (gesonderter Strafantrag ist nicht erforderlich), schon allein, um eine rote Linie zu ziehen. Selbst wenn der Tatnachweis nicht geführt werden kann, hinterlässt das Ermittlungsverfahren hoffentlich schon Eindruck.

Aus den genannten Gründen sollte Ihre Geste Sie hiervon nicht abhalten.

Wenn Sie der Frau öfter mit Ihrem Hund begegnen, sollten Sie vielleicht mal eine Begegnung mit eigenem Zeugen "arrangieren". Ansonsten würde ich persönlich einen großen Bogen um sie machen.

Sie können übrigens die Anzeige auch online erstatten. Ich habe "Onlinewache NRW" in eine sehr bekannte Suchmaschine eingegeben. Bei Fragen melden Sie sich gern.

Freundliche Grüße
Stefan Pleßl, RA



Nachfrage vom Fragesteller 19.08.2018 | 08:31

Guten Tag nochmal,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Ich habe nur noch eine Rückfrage - soll ich dann bei der Erstattung der Anzeige den Sachverhalt quasi so wie oben darstellen? Oder soll ich dann die gegenseitige Beleidigung überhaupt nicht erwähnen?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe!

Mit freundlichen Grüßen,
I.M.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.08.2018 | 13:16

Sehr geehrte Fragestellerin,

falls Sie sich entscheiden, die Bedrohung zur Anzeige zu bringen, spricht nichts dagegen, damit die Beleidigung anzuzeigen und insoweit Strafantrag zu stellen. Die Bedrohungstat entwickelte sich ja auch aus diesem Kontext.

Ich habe Sie so verstanden, dass es Ihnen in erster Linie um die Beschimpfung als "Kuh" ging.

Zitat:
Als eine Kuh bezeichnet zu werden ist für mich sehr traumatisch.

Nur eine isolierte Anzeige wegen Beleidigung (mit Strafantrag) hätte wenig Aussicht auf Stragverfolgung. Gern habe ich das im Rahmen der kostenlosen Nachfrage noch geschärft.

Den Sachverhalt können Sie wie oben schildern mit der Maßgabe, dass Sie sich nicht selbst belasten müssen. Eine Verteidigerin oder ein Verteidiger unterstützt Sie bei der Formulierung, falls Sie sich damit dann sicherer fühlen . Ansonsten ein Vorschlag: "abwehrende Geste". Bezug:

Zitat:
ich habe das lediglich als eine Notwehr-Maßnahme gemacht. Die Frau war verbal auch absolut nicht zu stoppen.

Ich hoffe, ihnen ist die Freude am Laufen mit Ihrem Hund nicht genommen.

Freundliche Grüße
Stefan Pleßl, RA

Bewertung des Fragestellers 21.08.2018 | 08:31

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 21.08.2018 5/5,0
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