Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Gefährliche Körperverletzung ohne Anzeige und ohne großen Verletzungen

28.10.2018 13:18 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich befinde mich derzeit im Referendariat Lehramt (Beamter auf Widerrruf) und habe Angst meine zukünftige berufliche Laufbahn zu gefährden.

Vor zwei Tagen kam es Abends in einer Kneipe zu einer Auseinandersetzung mit mir und einem bekannten. Nach einer verbalen Auseinandersetzung kam zu einer Rangelei woraufhin der Geschädigte mir ins Gesicht geschlagen hat (Zuvor habe ich ihn wohl am Kopf gezerrt). Daraufhin habe ich ihm ein Bierglas ins Gesicht geworfen. Leider war ich sehr betrunken und kann mich nicht mehr genau an dem Wurf des Bierglases erinnern. Daraufhin wurde die Polizei gerufen und nahm den Fall auf. Sowohl der Geschädigte und ich verzichteten auf eine Anzeige. Der Geschädigte und ich haben am nächsten Tag telefoniert und uns entschuldigt. Keiner von uns beiden hat eine große Verletzung davon getragen. Nach dem der Geschädigte und ich versucht haben den Fall zu rekonstruieren, haben wir herausgefunden, dass wahrscheinlich nur eine Zeugin ausgesagt hat. Die ist dem Geschädigten auch bekannt. Wir haben uns abgesprochen, dass wir beide keinen Ärger haben möchten. Ich habe auch bei der Polizei angerufen, die mir mitgeteilt hat, dass in dem Protokoll etwas von gegenseitiger Schlägerei oder ähnliches steht.

Nun ist meine Frage, was ich/wir tun kann/können, um eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung abzuwenden. Reicht es aus, wenn alle beteiligten die Aussage verweigern? Oder wie sollen wir uns verhalten, wenn wir eine Vorladung von der Polizei bekommen. Es handelt sich ja um einen Offizialdelikt, wobei die Staatsanwaltschaft abwiegen muss, ob ein öffentliches Interesse besteht. Was würde schlimmstenfalls auf mich zu kommen? Müsste ich mit beruflichen Konsequenzen hinsichtlich einer Verbeamtung auf Probe rechnen?

Ich hoffe Sie können mir in dieser Angelegenheit weiterhelfen?

Besten Dank im Voraus für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),


Sie werden eine Anzeige nicht abwenden können.

Nach Ihrer Darstellung ist die Polizei gerufen worden und der Vorfall wurde aufgenommen. Damit hat die Polizei Kenntnis vom Sachverhalt. Sie ist dann aber nach §163 StPO verpflichtet eine Anzeige zu fertigen. Die Polizei hat nach der Rechtsprechung kein Ermessen, ob eine Anzeige erstattet wird oder nicht. Sie sind dazu verpflichtet.

Eine andere Frage ist natürlich, wie hier die Einstellung erreicht werden kann.

Um diese Frage verlässlich zu beantworten, muss der Akteninhalt bekannt sein. Insbesondere mögliche Aussagen von Zeugen sollte bekannt sein, damit das weitere Vorgehen abgeklärt werden kann.

Daher sollten zunächst keine Angaben gemacht werden.

Erst nach Akteneinsicht sollte eine Stellungnahme abgeben werden. Dabei wird auch darauf abgestellt werden müssen, dass keiner der Beteiligten an einer Verfolgung Interesse hat.

Das hindert zwar die Staatsanwaltschaft nicht, weitere Ermittlungen vorzunehmen. Eine Einstellung ist dann auch nicht zwingend, wird aber wahrscheinlich sein.

Da der " Geschädigte" keine Ansprüche geltend machen will, wird dieses auch eine Rolle spielen.

Wichtig wird auch sein, welche Verletzungen der Geschädigte überhaupt davongetragen hat.


Für den Fall, dass keine Einstellung erreicht werden kann, und der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung nach Überzeugung des Gerichts gegeben ist, wird nach § 224 StGB eine Freiheitsstrafe verhängt, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden wird; von Voreintragungen gehe ich nicht aus.

Aber zu berücksichtigen wird auch sein, welche Blutalkoholkonzentration gegeben war. Wenn Sie sich nicht mehr erinnern, könnte auch eine Schuldunfähigkeit vorliegen. Dann kommt eine Bestrafung wegen einer gefährlichen Körperverletzung nicht in Betracht.


Dann ist aber an § 323a StGB zu denken. Wenn Sie sich vorsätzlich oder fahrlässig in einen Vollrausch versetzt haben sollten und wegen der gegangenen Tat nicht bestraft können, kann aber auch eine Verurteilung nach § 323a StGB in Betracht kommen. Bei einer Verurteilung ist dann aber eine Geldstrafe wahrscheinlich.


Sie können erkennen, dass Sie anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Ich gehe derzeit nicht von Konsequenzen aus. Allerdings können Verurteilungen von Bedeutung sein, wenn Sie die Verbeamtung anstreben. Allerdings dürfte es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt haben, der wohl nicht alleine ein Ablehnung rechtfertigen dürfte.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle

Nachfrage vom Fragesteller 28.10.2018 | 16:46

Sehr geehrte Frau True-Bohle,

vielen Dank für Ihre zügige Rückmeldung. Wie soll ich mich jetzt am besten Verhalten? Erstmal die Post von der Polizei abwarten und die Aussage verweigern. Weiterhin den Geschädigten kontaktieren und diesem auch mitteilen, dass er die Aussage verweigern soll (er würde dies auch tun) und das der Geschädigte mit der Zeugin spricht (beide kennen sich, um von einer Aussage abzusehen), um dann die Post von der Staatsanwaltschaft (Richter) abzuwarten?

Oder macht es Sinn jetzt schon bzw. schnellstmöglich einen Anwalt zu beauftragen um Akteneinsicht zu bekommen und nachzufragen, wie ich mich am besten verhalten soll? Gibt es vielleicht Rechtsschutzversicherungen die in so einem Fall rückwirkend bzw. ohne Wartezeit abgeschlossen werden können, um für mich Tätig zu werden?

Das Problem ist, dass ich im Referendariat nicht wirklich viel Geld verdiene und igwo versuchen möchte die Kosten gering zu halten.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.10.2018 | 16:53

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

warten Sie die Post von der Polizei ab und suchen Sie dann einen Rechtsanwalt auf. Mit diesem können Sie dann wegen der Kosten vereinbaren, dass dieser zunächst nur die Akteneinsicht beantragt und dann dann auch nur das weitere Vorgehen mit Ihnen abspricht.

Sie sollten bei der Polizei auch keine Angaben machen; dazu sind Sie auch nicht verpflichtet.

Eine Stellungnahme kann dann auch erst nach der Akteneinsicht abgegeben werden. Das können Sie auch alleine, wenn Ihnen die Kosten einer weitergehenden Beauftragung zu hoch sein sollten. Richten Sie sich dann nach der Besprechung mit dem Rechtsanwalt.

Eine Rechtsschutzversicherung kann zwar für einigen Risiken rückwirkend auch abgeschlossen werden. Dazu zählen aber keine Straftaten, wobei vorsätzliche Taten; und dazu zählt die gefährliche Körperverletzung, ohnehin nicht dem Versicherungsschutz unterliegen.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70966 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Die Antwort war eindeutig, so dass nun Rechtsklarheit besteht. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr Wilking hat sehr detailliert, freundlich und hilfreich geantwortet. Ich empfehle ihn weiter. ...
FRAGESTELLER