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Freund (einschl. vorbestraft) angezeigt - wie verhalten, um Verurteilung zu umgehen?

| 09.04.2014 08:05 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Liebe Anwältin, lieber Anwalt,

folgender Sachverhalt: nach einem heftigen Beziehungsstreit, der sich über mehrere Tage hinzog und unschön endete, habe ich meinen Freund wegen schwerer Körperverletzung und sexueller Nötigung angezeigt. Für die schwere Körperverletzung liegt ein Attest vom Krankenhaus vor, bezüglich der sexuellen Nötigung eine schriftliche Stellungnahme meiner Hausärztin über meinen psychischen Zustand. Die Anzeige erfolgte 8 Tage nach der Körperverletzung und einen Tag nach der sex. Nötigung.
Mein Freund ist einschlägig vorbestraft, keine KV-Delikte, aber bereits eine sex. Nötigung. Fast 20 BZR-Einträge. Momentan nach der Maßregel (Paragraph 64) bedingt entlassen, also mitten in der Bewährungszeit.
Mein Freund hat ein Suchtproblem, vorrangig Alkohol, und war zum Zeitpunkt der Taten betrunken.

Nachdem er auf die Entgiftung gegangen ist, haben wir uns wieder versöhnt. Ich habe der zuständigen Polizeidienststelle geschrieben, dass ich an einer Strafverfolgung nicht mehr interessiert bin und keine weiteren Aussagen mehr machen werde. Mein Freund hat sich ebenfalls schriftlich zu den Beschuldigungen geäußert.

Da ich meinen Freund über alles liebe und mit ihm - wenn er in Zukunft nüchtern bleibt - zusammen alt werden möchte, folgende Fragen:

1. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Verhandlung und / oder einer Verurteilung kommt?

2. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewährung widerrufen wird?

3. Wie verhalte ich mich im Falle einer Verhandlung, um die Chancen zu erhöhen, dass er nicht bestraft wird? Aussageverweigerungsrecht? Es auf den Alkohol schieben? Deutlich machen, dass ich nicht möchte, dass er bestraft wird?

4. Kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch irgendetwas machen, damit es evtl erst gar nicht zu einer Verhandlung kommt?

Schon einmal vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort!

Sehr geehrter Fragesteller,


Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Prinzipiell gilt: Die schwere Körperverletzung und die sexuelle Nötigung sind Offizialdelikte, d.h. ihre Verfolgung ist nicht von der Stellung eines Strafantrages abhängig. Damit entscheidet alleine die Staatsanwaltschaft, ob es zu einer Anklage kommt oder nicht. Die Zurücknahme der Strafanzeige oder Ihr fehlendes Verlangen nach einer Bestrafung ändern hieran zunächst einmal nichts.

Ob es zu einer Anklage kommt, hängt davon ab, ob mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von einer Verurteilung auszugehen ist, also bewiesen werden kann, dass Ihr Freund die Taten begangen hat.

Dies kann seriös erst nach Akteneinsicht beantwortet werden, allerdings könnte es sein, dass Ihre Aussage der ausschlaggebende Punkt für eine Veruteilung wäre.

Es wäre also denkbar, dass die Staatsanwaltschaft mangels Beweisbarkeit der Vorwürfe von einer weiteren Verfolgung absieht, wenn Sie ankündigen, nicht auszusagen. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass Sie ein Aussageverweigerungsrecht hätten. Ein solches haben Sie als "Freundin" derzeit wohl nicht! Sie könnten es durch eine Verlobung herbeiführen.

Wenn die Atteste allerdings bereits in der Akte sind, ist fraglich, ob es einer Aussage Ihrerseits noch bedarf. Dies gilt numso mehr, wenn sich Ihr Freund in seiner "Aussage" bereits gestöändig eingelassen hat.

Ob es zu einem Bewährungswideruf kommt, ist eine absolute Einzelfallentscheidung, und kann ohne Aktenkenntnis nicht sicher prognostiziert werden. Handelt es sich um einen ersten Bewährungsverstoß, wird in der Regel nur die Bewährungszeit verlängert. Allerdings wird aus Ihrer Sachverhaltsdarstellung nicht ganz klar, ob überhaupt Bewährung vorliegt. Die "Maßregel § 64" betrifft nicht die Bewährung, sondern die "Unterbringung in einer Entziehungsanstalt".

Ich empfehle Ihrem Freund dringend die Beauftragung eines Rechtsanwalts. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und gegebenenfalls mit Ihnen gemeinsam eine erfolgreiche Verteidigungsstrategie entwickeln. Sie selbst haben außer der bereits wahrgenommenen Möglichkeit, auf eine Aussageverweigerung in der Zukunft hinzuweisen, leider keine Handlungsspielräume.

Ich bedauere, Ihnen diese recht negativ klingende Antwort geben zu müssen.


Ich hoffe, Ihre Frage trotzdem verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 09.04.2014 | 09:50

Ersteinmal vielen Dank für Ihre ausführliche Einschätzung und den Hinweis bzgl. meines Aussageverweigerungsrechts!

Mein Freund hat angegeben, dass er sich aufgrund der dauerhaften Stresssituation (Streit) nicht mehr an die Geschehnisse erinnern kann.
Er ist unter Bewährung, der offene Rest der Unterbringung gem. Paragraph 64 sowie kleine Reststrafen aus vorangegangen Verfahren wurden zur Bewährung ausgesetzt. Ebefalls besteht Führungsaufsicht für die Zeit der Bewährung.

Ändern diese Details irgendetwas an Ihrer Einschätzung?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 09.04.2014 | 10:02

Danke für die Nachfrage.


Grundsätzlich bleibt es bei meinen Ausführungen.

Die Aussage ihre Freundes ist insofern positiv, als kein Geständis erfolgt ist. Ihrer Aussage kommt damit mehr Gewicht zu, auch wenn die "Erinnerungslücke" nicht zwingend glaubhaft ist. Aber Ihr Freund muss sich auch nicht erinnern, er hat als Beschuldigter ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht und muss nicht sagen.

Ob das in diesem Falle sinnvoll und die richtige Verteidigungsstrategie ist, kann leider, wie bereits geagt, erst nach Aktenkenntnis gesagt werden.

Nochmals: Der Tatvorwurf ist keine Kleinigkeit. Schon deshalb kann es zu einem Bewährungswiderruf kommen. Ich empfehle daher dringend die Beauftragung eines Strafverteidigers. Übringens liegt in diesem Falle nahe, dass ein Fall einer notwendigen Verteidigung gegeben sein könnte. Die Kosten des Rechtsanwalts würden in diesem Falle von der Staatskasse jedenfalls vorgestreckt.



Bewertung des Fragestellers 09.04.2014 | 10:21

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FRAGESTELLER 09.04.2014 5/5,0
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