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Fremd Geschäftsführer gegen einen alleinigen Gesellschafter?

| 18.09.2016 00:01 |
Preis: ***,00 € |

Gesellschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Zusammenfassung: Ausscheiden eines Fremdgeschäftsführers und Kündigung des Dienstvertrages bei rückständigen Gehaltszahlungen.

A ist alleiniger Gesellschafter und B alleiniger Fremd Geschäftsführer einer GmbH. B ist auf Grund seines Tätigkeitsfeldes überwiegend im Ausland und hat nur bedingt Zugriff auf die laufende Buchhaltung, er hat jederzeit Kontoeinsicht und spricht die Eingereichten Zahlen monatlich mit dem Steuerberater der GmbH ab.

A als Gesellschafter erledigt diese Buchhaltung und reicht sie beim Steuerberater ein.

Nach 5 Jahren stellt B fest das im laufendem Jahr Buchungen stattgefunden haben die nichts mit der GmbH zu tun haben. Insgesamt 84 "verdeckte Gewinnausschüttungen" von seiten des Gesellschafters. Erklärungsversuche des Gesellschafters scheitern und sind nicht nachvollziehbar.

Geschäftsführer B fordert den Gesellschafter A mündlich wie auch schriftlich auf diese Buchungen sofort der Gesellschaft zurück zu führen und die Buchhaltung zu korrigieren.
Keine Reaktion von Seiten des Gesellschafters, ganz im Gegenteil es wurden weiterhin Beträge entzogen die nichts mit der Gesellschaft zu tun hatten.

Durch Zufall erfährt B auch noch das das in der laufenden Buchhaltung angegebene Anlagevermögen zu 90% bereits vom Gesellschafter veräußert wurde ohne eine Korrektur des Anlagevermögens vorzunehmen bzw die Erlöse in die Gesellschaft eingebracht wurden.
Dadurch war das Stammkapital der Gesellschaft weit unter 50% abgesackt.
Geschäftsführer B rief fristgerecht eine außerordentliche Gesellschafter Versammlung per Videokonferenz ein um diese ganzen Punkte zu klären und um den Gesellschafter aufzufordern die noch fehlenden 12.500 Stammkapital einzubringen.
Der Gesellschafter nahm am vorgegebenen Termin nicht an der Gesellschafterversammlung teil.

Stattdessen erreichte dem Geschäftsführer 2 Stunden Später eine E-Mail vom Anwalt des Gesellschafters. In dieser Email wurde B mitgeteilt das er angeblich, bei einer 5 Tage zurückdatierten Gesellschafterversammlung, als Geschäftsführer abberufen wurde. Neuer Geschäftsführer ist jetzt der Gesellschafter selber.

Dieser Email beigefügt ist auch die fristlose Kündigung des Geschäftsführers wegen angeblicher "Untreue". Die Untreue beruft sich auf eine ganz normale Überweisung eines Geschäftsführer Gehaltes so wie B es jeden Monat gemacht hat und diesem Fall auch erst 3 Tage nach der angeblichen Abberufung erst stattgefunden hat.

Weder die Abberufung wie auch die Kündigung sind B auch nach 10 Tagen noch nicht ordnungsgemäß zugestellt worden.
Weder Anwalt noch GesellschafterA reagieren auf Anfragen von Seiten B's.

Kontozugang für B wurde aufgehoben, dem Steuerberater das Mandat entzogen und Unterlagen abgefordert, Zugriff auf Homepage und Firmen Facebook Account sind für B nicht mehr möglich.

B hat sich über Jahre sein vertragliches Geschäftsführer Gehalt nur Anteilig ausgezahlt um die Gesellschaft liquide zu halten.
Die Restforderungen hat er Bilanzneutral mit Besserungsschein in der Buchhaltung verbucht. Sprich nur wenn es der Gesellschaft einmal finanziell besser geht würden diese Forderung geltend gemacht ansonsten würde B auf die Ansprüche verzichten. Diese Besserungsscheine setzten aber auch voraus das B im Amt des Geschäftsführers bleibt und es keine Existenzvernichtende Eingriffe von Seiten des Gesellschafters gibt, ansonsten wären diese Forderungen sofort fällig.

Gesellschafter A wusste von diesen Besserungsscheinen.

Gesellschafter A hat wiederholt schriftlich angedroht die "Türen sofort zu schließen". Unter diesen Umständen hätte es bedeutet das die Forderungen von B sowie alle Forderungen seiner Kunden nicht mehr bedient werden können.
A wusste das B zu den Kunden ein freundschaftliches Verhältnis hat und diese notfalls auch auf eigene Kosten, unabhängig von der GmbH, bedienen würde.

Gesellschafter A ist regelmäßig als faktischer Geschäftsführer aufgetreten.
Es liegen täglich mehr Dokumente vor die zwar vom Geschäftsführer gezeichnet, aber es sich dabei nachweislich nicht um die Unterschrift von B handelt.


Das ist die Geschichte und jeder kann sich denken das ich B bin.

Das Internet ist voll mit Ratschlägen wie man gegen Geschäftsführer mit Verfehlungen vor geht aber nichts brauchbares zu finden in die andere Richtung.

Deshalb hier meine Fragen:
Wie muss der Geschäftsführer sich jetzt verhalten um nicht haftbar für die Vergehen des Gesellschafters gemacht zu werden?

Besteht unter diesen Umstände die Chance auf Durchgriffshaftung gegenüber dem Gesellschafter? Würde ungerne meine Forderungen gegen die GmbH verlieren nur weil er sich unter dem Deckmantel des Gesellschafters in Sicherheit fühlt. Genauso die Kunden.

Auch wenn mir die Abberufung wie auch die Kündigung noch nicht zugestellt wurde, so ist davon auszugehen das dies in den nächsten Tagen passiert.
Ich wurde aufgefordert alle Unterlagen der Gesellschaft heraus zu geben. Allerdings kann ich nur mit diesen sämtliche Eingriffe des Gesellschafters belegen und beweisen. Worauf kann ich mich da berufen um diese vorerst in meinem Besitz zu behalten?

Das wären erst einmal die wichtigsten Fakten. Wie gesagt ich bin zur Zeit im Ausland und muss mich um die Belange der Kunden kümmern und kann nicht einfach einen deutschen Anwalt aufsuchen.
Für weiterhelfende Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

Geschäftsfüher B

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Eine Durchgriffshaftung auf den Gsellschafter besteht nach der BGH Rechtsprechnung nicht mehr. Diese wurde dahingehend korrigiert, dass Gläubiger sich an die Gesellschaft zu halten haben und die Gesellschaft wiederum sich bei bei den Gesellschaftern schadlos hält.

2. Aufgrund der Kündigung des Dienstverhältnisses und Abberufung als Geschäftführer, die erst mit Zustellung der jeweiligen Beschlüss wirksam werden, sind die ausstehenden Gehaltszahlung zu Zahlung fällig, da diese im Zweifel nur für die Dauer der Geschäftfsührerstellung gestundet wurden. Jedenfalls ist dem Gesellschafter die Fälligkeit mit Zugang der Beschlusslage mitzuteilen.

3. Da die Beschlüsse noch nicht zugegangen sind und B weiterhin als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen ist, ist dieser berechtigt einen Insolvenzantrag zu stellen. Nur so sehe ich die Möglichkeit zeitnah gegen den Gesellschafter vorzugehen. Stellen Sie keinen Insolvenzantrag müssen Sie Ihre Forderung gerichtlich gegen die GmbH durchsetzen, was mit einem erheblichen Zeitverlust verbunden ist. Ein Insolvenzverwalter wird sofort Vermögenswerte sichern und diese einfordern. Vermögenswerte sind hier die ausstehende Einlage, die verdeckten Gewinnausschüttungen. Auch wird der Verkauf des Anlagevermögens überprüft werden.

4. Jede weitere Tätigkeit des A als dann neuer Geschäftsführer führt zu einer persönlichen Haftung gegenüber der Insolvenzmasse, wenn die Gesellschafter überschuldet und zahlungsunfähig ist.

5. Insoweit wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, soweit erforderlich eine neue GmbH zu gründen, die die bestehenden Kunden der alten GmbH bedienen kann und einen Insolvenzantrag für die alte GmbH zu stellen.

6. Hinsichtlich der Herausgabe der Unterlagen warten Sie die Zusendung des betreffenden Beschlüsse ab. Im Nachgang sollten Sie sich aufgrund der offenen Gehaltsforderungen auf ein Zurückbehaltungsrecht nach § 273 BGB berufen.

7. Sollte ein Insolvenzantrag nicht zum Tragen kommen, solten Sie Ihre offenen Forderung gegenüber der GmbH gerichtlich durchsetzen. eine persönlichen Haftung von A kommt nur in seiner Funktion als Geschäftsführer in Betracht. Solte dieser sich einer Insolvenzverschleppung strafbar machen, können Sie diesen auch persönlich in Anspruch nehmen.

Unterstellt die fristlose Kündigung Ihres Anstellungsvertrages ist unwirksam, haben Sie einen Schadensersatzanspruch für die künftigen Gehaltszahlungen bis zum Fristablauf des Vertrages. Zahlt der dann neue Geschäftsführer die künftigen Gehälter nicht und stellt auch keinen Insolvenzantrag haftet er persönlich.

8. Hier bietet sich dann die Möglichkeit aus einer persönlichen Inanspruchnahme auf die Beteiligung an der US Firma zuzugreifen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 18.09.2016 | 05:31

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