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Freiberuflicher deutscher Wochenaufenthalter mit Temporäranstellung in der Schweiz

14.11.2015 15:54 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung: Internationaler Wochenaufenthalter Schweiz

- Ich habe im Jahr 2015 von Anfang Januar bis Ende Juni durchgängig jeweils von Montags bis Freitags in einer befristeten Tätigkeit in der Schweiz gearbeitet und dort unter der Woche ein Zimmer bezogen (natürlich für weit mehr als 60 Übernachtungen).

- Meine Gesamteinkünfte daraus lagen auch abzüglich der damit verbundenen Kosten für Flüge, Unterkunft und Verpflegung in jedem Fall über den jährlichen Gesamteinkünften, ab denen der Grenzsteuersatz von 42 % in Deutschland greift.

- Ich habe meinen (Wochenend-)Hauptwohnsitz in Nordrhein-Westfalen und bin damit kein Grenzgänger.

- Ende 2014 habe ich mich in Deutschland freiberuflich selbstständig gemacht. Die Aufgabe in der Schweiz war mein erstes Projekt, die temporäre Festanstellung in der Schweiz der Rahmen dafür.

- Ich bin und war in Deutschland privat krankenversichert.

- Zur Vermeidung einer doppelten Sozialversicherungspflicht habe ich einen entsprechenden Antrag gestellt und mich selbst in die Schweiz entsendet.

- Meine Lohnabrechungen in der Schweiz habe ich netto erstellt und habe meinen Lohn abzüglich der Quellensteuer ausbezahlt bekommen.

- In meiner monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung habe ich regelmäßig meine beruflichen Ausgaben geltend gemacht und meinen Lohn als nicht steuerbares Einkommen angegeben.

- Nach Ende der Tätigkeit in der Schweiz habe ich ab August ein anderes Projekt in Deutschland angenommen, in dem ich bis Jahresende freiberuflich arbeite.

- Ich besitze außerdem in Deutschland eine vermietete Wohnung aus der ich Mieteinkünfte beziehe, und gehe davon aus, dass ich diese abzgl. angefallener Kosten mit 42 % + Soli versteuern werde, falls das hier relevant sein sollte.

Da das Jahr zuende geht, würde ich mich gerne vergewissern, ob mein Vorgehen so korrekt war und ob ich hier mit einer Nachversteuerung der Einkünfte aus der Schweiz in Deutschland zu rechnen habe oder ob meine Einnahmen abzgl. der Quellensteuer lediglich dem Progressionsvorbehalt unterliegen?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zunächst zu der Überschrift Ihrer Frage
„Freiberuflicher deutscher Wochenaufenthalter…":
einen freiberuflichen Wochenaufenthalter gibt es nicht. Denn der Status eines Wochenaufenthalters setzt ein unselbständiges Arbeitsverhältnis voraus, s. hier
https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/steuern/quellensteuer/quellensteuer_an/qust_merkblaetter/2012_mb_int_wochenaufenthalter1.pdf
(Link muss in Browser kopiert werden)
Sie schreiben, dass Ihr Arbeitgeber die Quellensteuer von Ihrem „Lohn" abgeführt hat, so dass ich vermute, dass er Sie als Arbeitnehmer und nicht als freien Mitarbeiter behandelt hat. Die Konsequenz eines unselbständigen Arbeitsverhältnisses wäre, dass Sie keine „betriebliche Ausgaben" und kein UStrechtlich relevantes (nicht) steuerbares Einkommen in Deutschland hatten. D.h., dass entweder ist die Besteuerung Ihrer Einkünfte in der Schweiz mit Quellensteuer nicht korrekt gewesen oder sind die Angaben in Ihrer UStV nicht korrekt. Die deutsche Finanzverwaltung wird auf jeden Fall prüfen, ob Sie einem unselbständigen Arbeitsverhältnis in der Schweiz nachgegangen sind. Wird sie das verneinen, unterliegen die Einkünfte der Besteuerung in Deutschland. Es ist daher zu empfehlen, diese Frage vor der Abgabe der EStE zu klären und ggf. die Angaben anzupassen. Die Betriebsausgaben werden Ihnen dadurch nicht verloren gehen, Sie können Sie als Werbungskosten geltend machen.
Sie schreiben:
„Zur Vermeidung einer doppelten Sozialversicherungspflicht habe ich einen entsprechenden Antrag gestellt und mich selbst in die Schweiz entsendet".
Ich kann leider nicht verstehen, ob das auch zu prüfende Frage war. Falls ja, muss diese im Zusammenhang mit den o.g. Ausführungen (Arbeitsverhältnis oder freie Mitarbeit) geklärt werden.
Ihre Fragen:
ob mein Vorgehen so korrekt war
nein


und ob ich hier mit einer Nachversteuerung der Einkünfte aus der Schweiz in Deutschland zu rechnen habe
ja, wenn das Finanzamt von einer selbstständigen Arbeit ausgeht

oder ob meine Einnahmen abzgl. der Quellensteuer lediglich dem Progressionsvorbehalt unterliegen?
ja, wenn das Finanzamt von einer unselbstständigen Arbeit ausgeht (dann sind die Angaben in den UStV nicht korrekt)








Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 14.11.2015 | 17:35

Sehr geehrte Frau Zelinskij-Zunik,

nochmal zur Klärung:
- Ich habe mich in Deutschland freiberuflich selbstständig gemacht (siehe Eingangstext). Damit bin ich IN DEUTSCHLAND ganz grundsätzlich gesehen Freiberufler, ganz egal was ich anderswo auf der Welt zwischendurch treibe, oder nicht?

- Ich habe in der Schweiz eine befristete Festanstellung (also ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis) angenommen (steht auch im Eingangstext), was wohl für Freiberufler IN DEUTSCHLAND, die übergangsweise in der Schweiz arbeiten, nicht ungewöhnlich ist, ein solches Konstrukt aufgrund der dortigen Rahmenbedingungen zu wählen.

- Ihre Rückfrage: ""Zur Vermeidung einer doppelten Sozialversicherungspflicht habe ich einen entsprechenden Antrag gestellt und mich selbst in die Schweiz entsendet". Ich kann leider nicht verstehen, ob das auch zu prüfende Frage war." => Ja, das war es (siehe Eingangstext " ... würde mich gerne vergewissern, ob mein Vorgehen so korrekt war ..."?

Nach allem, was ich weiß, kann man als in Deutschland Ansässiger nicht einfach so ohne Weiteres (wovon ich nichts erwähnt habe) freiberuflich in der Schweiz tätig sein, weswegen ja üblicherweise für diese Fälle die beschriebene temporäre Festanstellung als Konstrukt zur Zusammenarbeit mit Freiberuflern aus Deutschland gewählt wird. Daher wundert mich Ihre erste Antwort schon ein wenig?

Im Kern geht es in meiner Frage ja genau um die wahrscheinlich nicht so seltene Konstellation: selbstständig in Deutschland mit zwischenzeitlichem Projekt in der Schweiz im Rahmen der oft gewählten temporären Festanstellung.

Das Ganze eben bezogen auf meine konkreten Verhältnisse mit der Rückfrage, ob mein geschildertes Vorgehen so korrekt war (wie mir durch den Schweizer Auftraggeber damals empfohlen wurde).

Ich hätte ehrlich gesagt erwartet, dass jemand antwortet, der mit der im Kern beschriebenen Konstellation schon öfter zu tun hatte und diese Frage bezogen auf meine konkrete Situation damit ziemlich problemlos auch verbindlich beantworten kann?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.11.2015 | 21:25


Sehr geehrter Fragesteller,
gerne beantworte ich Ihre Nachfrage:
zunächst zu Ihrer Anmerkung, dass meine Antwort nicht Ihren Erwartungen entspricht:
das führt m.E. darauf zurück, dass Sie den Sachverhalt nicht genug präzise dargestellt haben. Insbesondere durch die Aussagen „Freiberuflicher deutscher Wochenaufenthalter, mich selbst in die Schweiz entsendet, meine Lohnabrechnungen in der Schweiz habe ich netto erstellt, in der Umsatzsteuervoranmeldung (!) habe ich regelmäßig meinen Lohn als nicht steuerbares Einkommen angegeben" haben Sie zum Ausguck gebracht, dass Sie nicht als Arbeitnehmer, sondern als Freiberufler in der Schweiz gearbeitet haben. Deswegen habe ich in der ursprünglichen Antwort auch (!) diese Möglichkeit erwähnt.
Zu Ihren Nachfragen:
- Ich habe mich in Deutschland freiberuflich selbstständig gemacht (siehe Eingangstext). Damit bin ich IN DEUTSCHLAND ganz grundsätzlich gesehen Freiberufler, ganz egal was ich anderswo auf der Welt zwischendurch treibe, oder nicht?

Das ist korrekt


- Ich habe in der Schweiz eine befristete Festanstellung (also ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis) angenommen (steht auch im Eingangstext),

das steht eben nicht drin, dort steht „eine befristete Tätigkeit" und diese kann auch selbstständig/freiberuflich ausgeübt werden

was wohl für Freiberufler IN DEUTSCHLAND, die übergangsweise in der Schweiz arbeiten, nicht ungewöhnlich ist, ein solches Konstrukt aufgrund der dortigen Rahmenbedingungen zu wählen.

- Ihre Rückfrage: ""Zur Vermeidung einer doppelten Sozialversicherungspflicht habe ich einen entsprechenden Antrag gestellt und mich selbst in die Schweiz entsendet". Ich kann leider nicht verstehen, ob das auch zu prüfende Frage war." => Ja, das war es (siehe Eingangstext " ... würde mich gerne vergewissern, ob mein Vorgehen so korrekt war ..."?
Wenn Sie unter dem „entsprechenden Antrag" die Erklärung über den Eintritt einer Versicherungspflicht meinen, dann war Ihr Vorgehen grundsätzlich korrekt.
Nun zu Ihren ursprünglichen Fragen zurück:
1. ob mein Vorgehen so korrekt war
Ihr Vorgehen (incl. PKV) war korrekt, nur die UStV bzgl. Arbeitslohn war nicht korrekt, weil Lohn keine „Leistung" Ihrer Person als Unternehmer/Freiberufler ist
Ihre beruflichen Ausgaben dürfen nur insoweit in die UStV als sie Betriebsausgaben darstellen. D.h. Werbungskosten Sie als Arbeitnehmer (also im Zusammenhang mit der nichtselbständigen Arbeit in der Schweiz) dürfen nicht in die UStV rein, sie werden in der EStE geltend gemacht). Ob das der Fall war, geht aus dem Sachverhalt nicht eindeutig hervor.

2. und ob ich hier mit einer Nachversteuerung der Einkünfte aus der Schweiz in Deutschland zu rechnen habe
nein
oder ob meine Einnahmen abzgl. der Quellensteuer lediglich dem Progressionsvorbehalt unterliegen?
Ja

Freundliche Grüße aus München
Zelinskij

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