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Freiberufliche Buchhalterin hat nicht gearbeitet - wie sanktionieren?

| 08.03.2021 14:28 |
Preis: 60,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Ich führe ein kleines Unternehmen mit einer komplizierten Buchhaltung. Diese habe ich leider einer freiberuflichen Buchhalterin übertragen, die hauptberuflich sogar bei einem Steuerberater angestellt ist und deshalb mein volles fachliches Vertrauen genoss. Etwa zwei Jahre lang ging alles gut. Danach fielen mir immer mehr Nachlässigkeiten und Versäumnisse auf. Da aber das Vertrauen groß war und das Verhältnis fast freundschaftlich, habe ich die unzähligen Ausreden, weshalb dieses oder jenes nicht funktioniert hat, lange Zeit geglaubt. Anscheinend hat aber die Dame schleichend die Arbeit eingestellt, mutmaßlich aus schwerwiegenden persönlichen Problemen heraus (Sucht, Depression, Überforderung?). Die Aussetzer, Unerreichbarkeiten wurden immer grotesker. Dabei hat sie leider fahrlässig bis mutwillig auch großen Schaden angerichtet und die Existenz meiner Firma riskiert.

Aufgeflogen ist das Ganze zuletzt bei dem Auftrag, uns eine österreichische Steuernummer zu besorgen. Die Sache zog sich Monate hin, immer neue Ausreden, warum die Briefe aus Österreich nicht ankommen, die Mails auch nicht, was nun doch noch fehlt und so weiter. Als ich den Druck erhöht habe, hat sie uns plötzlich eine "vorläufige Steuernummer" präsentiert und sogar einen Ansprechpartner in Ö. genannt. Leider alles frei erfunden! Ich hatte parallel schon selbst telefoniert. Darauf hatte ich sie zur Rede gestellt, keinerlei Antworten bekommen - womit die Zusammenarbeit natürlich beendet war.

Doch der Scherbenhaufen ist groß. Schäden sind unter anderem Lücken in der Buchhaltung, auch in der Lohnbuchhaltung (u.a. wurden NIEMALS die Krankheitszeiten bei den Krankenkassen eingereicht). Es mussten sogar schon Strafzahlungen geleistet werden. Die größten Schäden sind aber die hohen Folge-Kosten (von einem Steuerberater müssen nun ganze zwei Jahre nachgearbeitet werden, die angeblich schon fix und fertig waren). Die gefälschte Steuernummer hätte uns fast in Teufels Küche gebracht. Außerdem drohen natürlich Prüfungen durchs Finanzamt. Zu guter Letzt: Sie hat gelegentlich auch Belege zum Buchen mit nach Hause genommen und noch nicht alles zurückgebracht. Was hier genau fehlt, ist nicht klar. Sie hatte beim großen Showdown am Schluss zwar noch versprochen, uns diese zuzusenden. Hat sie natürlich nicht gemacht. Wie sie überhaupt, nachdem sie überführt war, komplett abgetaucht ist: Keine Reaktion mehr auf nichts, krank gemeldet bei ihrem Hauptarbeitgeber - und das seit mehr als drei Monaten.

Welche Maßnahmen sollte/muss ich nun ergreifen?

1. Zum Selbstschutz wegen der fehlenden Belege: Anzeige wegen Unterschlagung? Falls möglich mit der Polizei zur ihrer Wohnanschrift fahren und die Herausgabe fordern?

2. Schadenersatz für die zusätzlichen Steuerberaterkosten verlangen - oder Rückerstattung der bereits bezahlten Rechnungen? Der Schaden durch die Nacharbeiten ist mit Sicherheit höher als alles was ich Ihr je gezahlt habe. Zu holen ist wahrscheinlich auch nichts. Aber ein wasserdichter Titel wäre vielleicht trotzdem ganz gut.

Mir geht es vor allem darum, mich gegenüber dem Finanzamt abzusichern. Wenigstens beweisen können, dass ich etwas unternommen habe. Auch wenn ich davon ausgehe, dass die Probleme der Dame so groß sind, dass ich bei ihr wenig erreichen werde.

08.03.2021 | 14:53

Antwort

von


(227)
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86899 Landsberg
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Darf ich mich in einer Stunde melden,
ich werde eine Ergänzung senden


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Helge Müller-Roden
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Ergänzung vom Anwalt 08.03.2021 | 15:34

Ihre Fragestellung betrifft mehrere ganz unterschiedliche Aspekte, die ich gerne beleuchte.
1.) Schadensersatz und Vergütung
Natürlich können Sie von der Dame Schadenersatz verlangen, und zwar hinsichtlich aller Ihnen entstandenen Kosten, wobei Sie Höhe, Notwendigkeit und Kausalität beweisen müssen und daher am besten gleich von vornherein dokumentieren.

Abgesehen davon, dass bei einem Dienstvertrag (§ 611ff BGB) anders als beim Werkvertrag keine verschuldensunabhängigen Gewährleistungsansprüche wie Nacherfüllung, Rücktritt, oder Minderung bestehen, begründet die Schlechtleistung eigene Schadensersatzansprüche gem. §§ 280ff BGB, wenn der Dienstleistende sich nicht exkulpieren kann, vor allem aber wenn die Schlechtleistung vorsätzlich erfolgt ist. Schädigungsabsicht muß nicht bestehen.

Sie als Auftraggeber haben bei Beratungs- oder Ausführungsverschulden Anspruch auf Ersatz des kausal entstandenen Schadens.

Bei Schlechtleistungen haben Dienstberechtigte zwar grundsätzlich kein Recht zur Minderung der vereinbarten Vergütung. Mit dem ggf. bestehenden Gegenanspruch
auf Schadensersatz kann aber aufgerechnet werden, was ich auch empfehle.

Zusätzlich können Auftraggeber bei Schlechtleistung den Dienstvertrag gem. § 626 BGB kündigen, was Sie ja bereits getan haben. Ob Sie Rückforderungsansprüche haben,
läßt sich nur im konkreten Einzelfall prüfen.

Schadensersatzansprüche verjähren gem. § 195 BGB grundsätzlich in drei Jahren.
Die Verjährungsfrist beginnt gem. § 199 BGB mit dem Schluss des Jahres, in dem der Schadensersatzanspruch entstanden ist und der Auftraggeber Kenntnis von den den Anspruch begründenden Umständen erlangt hat, in Ihrem Fall wäre das der 31.12.2024.
2.) Finanzamt und etwaige Gläubiger
Wie Sie bereits erfahren haben, schützt Sie Ihre Unkenntnis nicht gegenüber dem Finanzamt (hinsichtlich Säumniszuschlägen, Zinsen u.a.), gegenüber anderen Gläubigern oder bei der
Einhaltung verpasster Fristen. Ggf. kann die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erfolgen (auf entsprechenden Antrag). In allen Fällen müssen Sie nachweisen, dass Sie nicht ein
Überwachungs- und Organisationsverschulden trifft, aufgrund dessen Sie ggf. haften.
3.) Schadensersatzansprüche Dritter
Gleiches gilt bei aufgrund der o.g. Umstände nicht eingehaltenen vertraglichen Pflichten
Ihres Unternehmens. In jedem Fall sollten Sie Verlängerungsvereinbarungen schließen.
4.) Herausgabe
Natürlich ist die Herausgabe von Unterlagen geschuldet. Leider hilft Ihnen die Polizei nicht weiter, insbesondere nicht bei der Sicherstellung von wichtigen Unterlagen, es sei denn,
Sie können eine Strafanzeige wegen bestimmter Delikte des StGB stellen. Die bloße
dienstvertraglich zu beurteilende Schlechtleistung reicht dabei aber nicht aus. Im Übrigen nützt Ihnen eine Strafanzeige nichts, die Polizei verfolgt zwar Straftaten, schützt aber nicht Ihre privatrechtlichen Verpflichtungen. Im Gegenteil: Geldstrafen gehen vor Schadensersatz!

Bewertung des Fragestellers 08.03.2021 | 16:16

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