Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Freiberufler mit gewöhnlichem Aufenthalt auf den Philippinen und Kunden in D

17.10.2009 18:39 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Betreff:
Freiberufler mit gewöhnlichem Aufenthalt auf den Philippinen und Kunden in Deutschland - Einkommensteuer, Umsatzsteuer und DBA


Sehr geehrte Damen und Herren,

zum 01.06.2010 werden meine Ehefrau (Philippinin mit deutscher Staatsangehörigkeit) und ich (seit Geburt mit deutscher Staatsangehörigkeit) auf die Philippinen auswandern. Ab 2011 und in den Folgejahren werden wir uns ebenfalls immer über 183 Tage auf den Philippinen aufhalten (höchstens 3 Monate Aufenthalt in Deutschland).

Auf den Philippinen werde ich weiterhin meiner freiberuflichen Tätigkeit, der Erstellung von Bilanzgutachten für Firmenkunden mit Sitz in Deutschland, nachgehen. Der Versand der erstellten Bilanzgutachten und zugehöriger Honorarrechnungen erfolgt per E-Mail im pdf-Format von den Philippinen an die Firmen bzw. Steuerberater in Deutschland mit entsprechend vorhandener E-Mail-Adresse.

Der Versand der erstellten Bilanzgutachten und zugehöriger Honorarrechnungen an Firmen bzw. Steuerberater ohne eine entsprechend vorhandenen E-Mail-Adresse soll dabei von einem Büroservice in Deutschland in folgender Form übernommen werden: ich sende dem Büroservice die Gutachten und Rechnungen per E-Mail im pdf-Format, dieser druckt sie aus und sendet sie postalisch an die entsprechende Firma bzw. Steuerberater.

Darüber hinaus hat der Büroservice als mein virtuelles Büro (den Kunden ist ausschließlich meine Anschrift und Telefonnummer beim Büroservice und nicht die auf den Philippinen bekannt - auch im Internetauftritt wird nur diese Anschrift und Telefonnummer genannt) die Aufgabe Telefonanrufe und Postsendungen entgegenzunehmen.

Die telefonisch übermittelten Kundenwünsche werden vom Büroservice notiert und aufbereitet als E-Mail an mich versandt. Die Postsendungen werden vom Büroservice geöffnet, gescannt und mit einer E-Mail ebenfalls an mich versandt. Die Telefonanrufe bzw. die Postsendungen werde ich dann per E-Mail oder per Telefon von den Philippinen aus beantworten.

Zum soeben geschilderten Sachverhalt ergeben sich nun folgende Fragen:

1. In welchem Staat bin ich steuerpflichtig und muss meine Einkünfte versteuern und eine entsprechende Einkommensteuererklärung abgeben? Ist das virtuelle Büro bei dem genannten Büroservice möglicherweise als "feste Einrichtung" gemäß Artikel 14 Abs. 1 Punkt a) des DBA Deutschland / Philippinen mit der Konsequenz anzusehen, dass die Einkünfte, die darüber erzielt werden, in Deutschland zu versteuern sind?

2. Welche Umsatzsteuer bzw. VAT muss ich meinen Kunden in Rechnung stellen? Die deutsche Umsatzsteuer mit der Konsequenz in Deutschland Umsatzsteuervoranmeldungen und -vorauszahlungen machen zu müssen oder die philippinische VAT mit der Konsequenz auf den Philippinen Umsatzsteuervoranmeldungen und -vorauszahlungen machen zu müssen? Muss ich hier (abhängig von der Beantwortung der Frage 1) möglicherweise unterscheiden zwischen den Einkünften, die über den Büroservice und auf den Philippinen erzielt werden?

3. Bedeutet das DBA mit den Philippinen - außer der Festlegung, welche Einkünfte in welchem Staat versteuert werden müssen - auch, dass bei einer Einkommensteuerpflicht in beiden Staaten die bereits abgeführten Steuern in einem Staat beim anderen Staat angerechnet werden?


Mit freundlichen Grüßen

Ratsuchender

17.10.2009 | 21:33

Antwort

von


(820)
Stedinger Str. 39a
27753 Delmenhorst
Tel: 04221-983945
Web: http://www.drseiter.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragender,

im Rahmen einer Erstberatung auf Basis der von Ihnen hier gegebenen Informationen beantworte ich Ihre Frage gerne wie folgt:

zu 1.)

Grds. kommt es für die Beurteilung der unbeschränkten Einkommensteuerpflicht i. S. d. §1 Abs.1 EStG darauf an, wo Sie Ihren Wohnsitz (= Innehaben einer ständigen Wohnstätte, vgl. §8 AO sowie Artikel 4 des DBA zw. BRD und Philippinen) haben.

Nach Ihren Angaben gehe ich davon aus, dass Sie mit Ihrem Wegzug Ihren Wohnsitz in Deutschland endgültig aufgeben und stattdessen Ihren Wohnsitz in den Philippinen neu begründen. Sodann werden Sie sich zukünftig auch jeweils mehr als 6 Monate/Jahr in den Philippinen aufhalten, sodass auch ein sog. "gewöhnlicher Aufenthalt" (§9 AO ) im Inland ausscheidet. Damit unterliegen Sie sodann in Deutschland nicht mehr der unbeschränkten Einkommensteuerpflicht, sondern in den Philippinen.

Auf das von Ihnen angesprochene DBA würde es insoweit dann nicht mehr ankommen, da das Besteuerungsrecht für Ihre (Welt-)Einkünfte bereits aufgrund der eindeutigen Wohnsitzlage zugunsten der Philippinen entschieden ist.

Allerdings könnte die von Ihnen dargelegte selbständige Tätigkeit (Bilanzgutachten) ggf. zu den in §49 Abs.1 Nr.3 EStG genannten inländischen Einkünften zählen, soweit diese im Inland (zwar nicht ausgeübt, aber) "ausgewertet", d. h. dem inländischen Markt zugänglich gemacht bzw. auf diesem genutzt/verwertet wird (leider fehlen hier zu einer genaueren Beurteilung detailliertere Angaben Ihrerseits). Insoweit würden diese inländischen Einkünfte grds. der beschränkten ESt-Pflicht in Deutschland nach §1 Abs.4 EStG unterliegen.

Hier ist jedoch das besagte DBA (dort Artikel 14) zu berücksichtigen, nach dem das ausschließliche Besteuerungsrecht für Ihre Einkünfte aus selbständiger Arbeit den Philippinen zugeordnet wird, da Sie in Deutschland weder eine feste Betriebsstätte (der wohl wiederum selbständige und Ihnen gegenüber nicht weisungsgebundene Büroservice stellt eine solche nicht dar) unterhalten, noch sich zur Ausübung Ihrer Tätigkeit länger als 120 Tage/Jahr in Deutschland aufhalten.

Aufgrund Vorrangs des DBA greift insofern auch eine etwaige erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach §2 AStG nicht, sodass an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden soll.

Hinweis: Gleichwohl wäre ggf. eine (weiterhin) unbeschränkte Einkommensteuerpflicht in Deutschland auf denkbar, sofern Ihre Einkünfte mindestens zu 90% der dt. Einkommensteuer unterliegen.




Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter
Fachanwältin für Familienrecht, Fachanwältin für Strafrecht

Ergänzung vom Anwalt 17.10.2009 | 22:25

(Fortsetzung)

Fazit: Sofern Sie also nicht die "freiwillige" unbeschränkte Einkommsteuerpflicht nach §1 Abs.3 EStG BEANTRAGEN, steht zukünftig das ausschließliche Besteuerungsrecht für die von Ihnen genannten Einkünfte den Philippinen zu.

Hinweis: Für das Jahr des Wegzugs (2010) ist zu beachten, dass Sie letztmalig auch (noch) in Deutschland eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen. Da die Steuerpflicht dann nicht während des ganzen Jahres bestanden hat, sind die Einkünfte für den kürzeren Ermittlungszeitraum (hier: 1.1. - 31.5.2010) festzustellen. Die weiteren (in den Philippinen zu versteuernden) Einkünfte des Jahres 2010 sind allerdings zum Zwecke der Ermittlung des Steuersatzes im Rahmen des sog. Progressionsvorbehaltes zu berücksichtigen.

zu 2.)

Abweichend vom derzeitigem Rechtsstand werden nach §3a Abs.2 UStG ab 1.1.2010 sog. "Sonstige Leistungen" i. S. d. §3 Abs.9 UStG (zu diesen sind grds. auch Ihre Tätigkeiten zu zählen), sofern diese an Unternehmer i. S. d. §2 UStG ausgeführt werden, an dem Ort ausgeführt, von dem aus der EMPFÄNGER sein Unternehmen betreibt.

Da ich davon ausgehen muss, dass Ihre Leistungen (zumindest nahezu) ausschließlich an Unternehmer im Inland (bzw. Betriebsstätten im Inland) ausgeführt werden, werden diese insoweit folglich in Deutschland umsatzsteuerbar und (mangels Steuerbefreiung) auch -pflichtig sein. Jedoch sieht §13b Abs.1 Nr.1 UStG die Umkehr der USt-Schuldnerschaft für Sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers vor, sodass der inländische LeistungsEMPFÄNGER - und eben nicht Sie - die USt für Ihre Leistungen schuldet.

Sie haben daher - mit einem entsprechenden Hinweis darauf (!) - Ihre Rechnungen ohne Umsatzsteuer zu stellen.

(In allen anderen Fällen wären Ihre Leistungen - aufgrund Ihres Unternehmenssitzes in den Philippinen) regelmäßig erst gar nicht in Deutschland steuerbar.)

zu 3.)

Zwar denke ich, dass es diese Problematik in Ihrem Falle gar nicht erst geben wird. Jedoch würde das DBA grds. die sog. Anrechenmethode für etwaige bereits im anderen Staat (quasi zu Unrecht) entrichtete Steuern vorsehen.

Abschließend möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass eine Rechnungsstellung ausschließlich unter Angabe der Anschrift des deutschen Büroservices - d. h. also ohne Angabe Ihres eigentlichen Firmensitzes in den Philippinen - nicht zulässig ist, insbesondere auch gegen die Vorschriften des UStG verstößt.

Selbstverständlich können Sie aber AUCH die deutsche Anschrift als zusätzliche Kontaktadresse angeben/nutzen.

Ich hofffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. C. Seiter

ANTWORT VON

(820)

Stedinger Str. 39a
27753 Delmenhorst
Tel: 04221-983945
Web: http://www.drseiter.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Internet und Computerrecht, Fachanwalt Familienrecht, Fachanwalt Strafrecht, Kaufrecht, Urheberrecht, Verkehrsrecht, Tierrecht, Ordnungswidrigkeiten, Zivilrecht, Vertragsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 95842 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
verständliche und ausführliche Fragebeantwortung ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
super Antwort! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Mit der Nachfrage perfekt erklärt und geklärt. ...
FRAGESTELLER