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Fragen zu Verhalten und Pflichten

| 15.06.2018 17:23 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht


Beantwortet von


18:48
Guten Tag,

ich hätte ein paar Fragen zu Verhalten und Pflichten eines Anwaltes - gern auch unter Angabe der Rechtsvorschrift inkl. §:

1) Gibt es Fristen und Formvorschriften, in denen ein Anwalt meine Fragen beantworten muss (z.B. wie hoch ein evtl. Prozesskostenrisiko wäre) - oder ist auch ein Schulterzucken ohne Kommentar als Antwort zu werten?
Bitte um möglichst genaue Zeitbestimmung bei den Fristen.

2) Ist ein Anwalt verpflichtet, alle Unterlagen und Informationen fallbezogen zu ordnen und sich in diesen Informationen auszukennen? Oder ist es üblich, dass diverse Infos immer wieder neu vom Mandanten geliefert werden?

3) Ist es normal, wenn der Mandant dem Anwalt zu gewissen Themen Gesetzestexte und Urteile vorlegen muss, damit dieser entsprechend recherchiert und handelt?

4) Muss ein Anwalt mit bereits erteiltem Mandat, wenn er merkt, dass er nicht über die benötigte Fachkompetenz verfügt, den Fall abgeben oder sich ggf. andere anwaltliche Unterstützung auf eigene Kosten holen?

5) Gehören persönliche Gespräche (Telefonate) von Anwalt mit dem gegnerischen Anwalt zur Regel? Und: was zählt ein mündlich gegebenes JA von Anwalt zu Anwalt?

6) Hat ein Anwalt eine Strategie zu erarbeiten und diese mit dem Mandanten zu besprechen?

7) Muss ein Anwalt die vom Mandanten vorgelegten Unterlagen (wie z.B. Berechnung Unterhalt) prüfen, bevor er diese an die Gegenseite weitergibt? Oder muss er ggf. selbst die Berechnung durchführen anhand der ihm vorliegenden Basisdaten?

Ich bin igespannt ...

Vielen Dank.





15.06.2018 | 18:15

Antwort

von


(69)
Heßstraße 90
80797 München
Tel: 089 / 12 66 73 0
Web: http://www.strafverteidiger-grasel.de
E-Mail:
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1.
Gemäß § 11 Abs. 2 BORA hat der Anwalt Anfragend es Mandanten unverzüglich zu beantworten. Unverzüglich heißt, dass er die Antwort nicht schuldhaft hinauszögern darf. Darunter ist jedoch nicht zu verstehen, dass eine Antwort immer sofort oder taggleich zu erfolgen hat. Es kommt vor, dass Anwälte ganztägige oder auch mehrtägige Auswärtstermine wahrzunehmen haben und dadurch an der sofortigen Beantwortung der Anfrage gehindert sind. Ggf. muss eine Frage auch erst durchdacht und rechtlich geprüft werden, bevor sie beantwortet werden kann. Man wird aber wohl als groben Richtwert annehmen können, dass eine Antwort innerhalb von einer bis maximal 2 Wochen erwartet werden kann, abhängig von der Arbeitsbelastung und der Komplexität der Frage.

2.
Der Anwalt ist dazu verpflichtet eine Handakte zu führen (vgl. § 50 BRAO). Dies kann auch in elektronischer Form erfolgen. In dieser Handakte sind sämtliche Vorgänge und Informationen zu dokumentieren, die für die Mandatsbearbeitung wesentlich sind. Eine wiederholte Neulieferung derartiger Unterlagen ist daher nicht erforderlich und somit unüblich.

3.
Grundsätzlich kann von einem Rechtsanwalt erwartet werden, dass er die Gesetze und auch die Rechtsprechung zu den von ihm bearbeiteten Rechtsgebieten kennt und über Möglichkeiten verfügt, sich davon Kenntnis zu verschaffen, etwa durch juristische Datenbanken, Literatur, o.ä.). Selbstverständlich kann man jedoch nicht jeder Urteil stets kennen. Es gibt auch Gerichtsentscheidungen, die nicht in amtlichen Sammlungen oder Fachliteratur veröffentlicht wurden, da sie über den Einzelfallhinaus möglicherweise nicht von zentraler Bedeutung sind. Sollten Ihnen auf anderen Wegen derartige Entscheidungen bekannt werden (etwa weil ein Bekannter in einem ähnlichen Fall bereits eine Entscheidung erstritten hat), kann es sicherlich nicht schaden, den Anwalt hiervon in Kenntnis zu setzen.

4.
Gemäß § 44 BRAO muss der Anwalt die Ablehnung eines neuen Mandats unverzüglich erklären, damit dem potentiellen Mandanten durch den Zeitverzug kein Schaden entsteht. Nimmt er ein Mandant an, stellt jedoch später fest, dass ihm die hierfür erforderlichen Kenntnisse fehlen, so hat er zwei Möglichkeiten. Er kann den Mandatsvertrag - wie übrigens auch der Mandant - jederzeit kündigen. Ggf. muss er dann etwaige Vorschusszahlungen anteilig erstatten. Oder aber er verschafft sich durch geeignete Maßnahmen die erforderlichen Kenntnisse (Fortbildungen, Literaturrecherche, externe Unterstützung, …). Über die Kostentragung für diese Maßnahmen müssen der Anwalt und der Mandant eine Einigung herbeiführen.
Der Anwalt sollte zudem bedenken, dass er sich in ein großes Haftungsrisikobegibt, sofern er einen falschen Rechtsrat erteilt. In diesem Fall kann der Mandant, der hierdurch einen Rechtsverlust oder -Nachteil erleidet, Schadensersatz von ihm fordern.

5.
Telefonate mit dem gegnerischen Anwalt sind durchaus üblich und oftmals sogar hilfreich, wenn es um die Möglichkeit einer gütlichen Einigung ohne Beschreitung des Rechtswegs vor Gericht geht. Üblicherweise wird man sich nicht nur auf eine mündliche Zusage verlassen, da man diese später ggf. nicht beweisen kann. Daher wird man stets bemüht sein, die mündlich getroffene Vereinbarung später auch nochmals schriftlich zu fixieren, etwa in einem Vergleich.

6.
Der Rechtsanwalt ist der berufene unabhängige Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten (vgl. § 23 Abs. 1 BRAO). Zu dieser Beratung gehört es, den Mandanten über rechtliche Chancen und Risiken umfassend aufzuklären und ggf. auch eine Handlungsempfehlung auszusprechen, wobei die Entscheidung stets der Mandant und nicht der Anwalt zu treffen hat. Selbstverständlich gehört die gemeinsame Erarbeitung einer Strategie zur Pflicht eines Anwalts.

7.
Dies hängt davon ab, was zwischen dem Anwalt und dem Mandanten vereinbart wurde. Der Anwalt darf kein offensichtlich unrichtiges Dokument weiterleiten, wenn er dessen Unrichtigkeit erkannt hat oder anhand der ihm vorliegenden Informationen hätte erkennen müssen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Grasel
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht


Rechtsanwalt Mathias Grasel
Fachanwalt für Strafrecht

Nachfrage vom Fragesteller 18.06.2018 | 13:11

Sehr geehrter Herr Grasel,
vielen Dank für Ihre ausführliche und verständliche Antwort.

Nachfragen habe ich noch zu Punkt 4). Dazu ein kurzes Fallbeispiel:

Ein Familienanwalt trifft auf einen Fachanwalt Familienrecht. Hier geht es ins sog. "Eingemachte".
Es gibt keine Strategie (trotz mehrmaliger Nachfrage / Forderung durch den Mandanten).
Auf Anfrage per Mail gibt es keine Antworten.
Der Mandat holt sich Informationen über sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Wege .(z.B. andere Anwälte, Urteile aus dem Netz) und leitet diese an seinen Anwalt weiter. Erst dann beginnt der Anwalt zu recherchieren.
Die fachanwaltliche Gegenseite legt dem Anwalt Formulierungen in den Mund, die er an seinen Mandanten weitergibt (z.B. dass dieser den Fall hinauszögern würde etc.) = die Position der Gegenseite wird übernommen.
Forderung des Mandanten ist, dass die Angelegenheit vor Gericht geklärt werden sollte.Anwaltlicher Rat ist die gütliche Einigung. Die Zeitverzögerung führt so hohen Verlusten beim Mandanten.

Sicherlich wäre es an der Zeit, dass der Mandant das Thema anspricht. Dies gestaltet sich nicht so einfach.
Ab wann müsste ein Anwalt entsprechende Maßnahmen einleiten (wie oben von Ihnen beschrieben)?
Haben Sie ggf. ein paar Tipps, wie so ein Thema vom Mandanten angesprochen werden sollte?

Vielen Dank.







Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.06.2018 | 18:48

Der Anwalt ist dazu verpflichtet Sie umfassend zu beraten. Er sollte Ihnen die verschiedenen Mögluchkeiten darlegen, die Vor- und Nachteile erklären und schließlich zum sichersten Weg raten. Kann er dies auf Grund mangelnder Kenntnisse nicht, so muss er sich diese Kenntnisse verschaffen.
Einen festen „Zeitpunkt" hierfür kann ich Ihnen nicht benennen/definieren.


Es ist durchaus üblich, dass zivilrechtlich tätige Anwälte zu einer außergerichtlichen Einigung raten. Zum einen erhält der Mandant dadurch schneller eine gesicherte Rechtsposition und zum anderen erhält der Anwalt eine sogenannte Einigungsgrbphr. Auch kann das Prozessrisiko vermieden werden.


Sie sollten offen ansprechen, dass Sie mit der gegenwärtigen Situation nicht zufrieden sind. Fragen Sie beispielsweise nach wie viele ähnliche Fälle der Anwalt bereits bearbeitet hat. Formulieren Sie klar Ihre Vorstellungen und fragen Sie direkt nach, weshalb der Anwalt dies ggf. anders beurteilt. Die letzte Entscheidung obliegt dann freilich Ihnen.

Bewertung des Fragestellers 19.06.2018 | 07:34

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"Danke für die sehr ausführlichen und verständlichen Antworten.
Klare Empfehlung meinerseits für RA Grasel."
Stellungnahme vom Anwalt:
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Danke für die sehr ausführlichen und verständlichen Antworten.
Klare Empfehlung meinerseits für RA Grasel.


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