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Fragen zu Arbeitszeugnis (fristgerechte Kündigung innerhalb der Probezeit)

| 28.09.2015 12:13 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Hans-Jochen Boehncke


Zusammenfassung: Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erfordert bei der Leistungsbeurteilung die Auflistung verschiedener Beurteilungskriterien, damit es als vollständig erteilt gelten kann. Fehlen bestimmte Kriterien, sollte der Arbeitgeber zur Nachbesserung aufgefordert werden.

Guten Tag,

ich habe ein qualifiziertes Zeugnis von einer Zeitarbeitsfirma bekommen. Ich habe in der Entleihfirma ca. 3 ½ Monate gearbeitet. Meine Beurteilung in meinem Arbeitszeugnis sieht wie folgt aus:

Aufgabenbeschreibung:
……………………………………
……………………………………

Frau ... war in der Lage, sich problemlos in ihre neue Aufgabe einzuarbeiten. Sie agierte dabei stets sicher und selbstständig.

Frau ... erfüllte die übertragenen Aufgaben zuverlässig und stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Diese Beurteilung wird auch durch die vorliegende Einschätzung unseres Kunden voll bestätigt.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei.

Frau ... scheidet zum 25.09.2015 aus unserem Unternehmen aus.

Wir bedauern Ihr Ausscheiden und danken für die stets gute Zusammenarbeit.

Nun meine Fragen:

Mir kommt das Zeugnis ein wenig zu kurz vor; wurden eventuell wichtige Beurteilungspunkte für ein qualifiziertes Zeugnis weggelassen? Oder ist der Inhalt rechtlich gesehen ausreichend? Es fehlen z. B. meiner Ansicht nach Angaben zu Qualität und Quantität meiner Arbeit.

Man erkennt zwar die Gesamtnote zwei in einem Satz, aber fehlt z. B. vor "zuverlässig" nicht ein "äußerst" oder "sehr", damit auch dieser Punkt mit einem "gut" bewertet werden kann?

Da ich auch in der telefonischen und schriftlichen Kundenbetreuung gearbeitet habe, müsste nicht auch dieser Punkt irgendwo bei der Beurteilung angesprochen werden? Die Beurteilung meines Verhaltens bezieht sich nämlich nur auf Vorgesetzte und Kollegen.

Vielen Dank im Voraus!

Freundliche Grüße

Andrea E.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1.
In einem qualifizierten Arbeitszeugnis sind typischer Weise zwei Beurteilungsabschnitte enthalten:

- Die Leistungsbeurteilung bestimmter Kriterien.
- Die Beurteilung des Sozialverhaltens.

Das Zeugnis endet sodann regelmäßig mit einer sog. Schlussformel.

2.
Der von Ihnen angegebene Satz

" Frau ... erfüllte die übertragenen Aufgaben (...) stets zu unserer vollen Zufriedenheit."

ist eine sog. zusammenfassende Leistungsbeurteilung, also eine Gesamtnote für diesen Bereich. Vorliegend vergibt Ihr Arbeitgeber die Note 2 (gut). Das mit einer für die Zeugnissprache typischen Formulierung. Das Wort „stets" ist im Arbeitszeugnis immer positiv.

3.
Nur weil diese Gesamtnote ein gut bedeutet heisst das nicht, dass alle anderen Leistungskriterien ebebnfalls mit gut bewertet werden müssen. Der Arbeitgeber kann auch ein befriedigend bei dem einen oder anderen Kriterium vergeben, ohne sich in Widerspruch zu der zusammenfassenden Leistungsbeurteilung zu setzen.

Will ein Arbeitnehmer eine bessere beurteilung als befriedigend erreichen, sollte er zunächst den Arbeitgeber bitten, eine bestimmte Formulierung zu ergänzen. Wollte der Arbeitnehmer die Verbesserung einklagen, ist er beweispflichtig für eine überdurchschnittliche, also gute Leistung.

4.
Sie haben Recht, dass sich in den Zeugnissen im Leistungsbereich typischer Weise folgende Beurteilungen wiederfinden müssen (ich kennzeichne die ersichtlichen Beurteilungen mit einem *):

- Arbeitsbefähigung*

- Arbeitsweise*/Arbeitstempo/Arbeitsökonomie*/Zuverlässigkeit*:

- Belastbarkeit

- Fachwissen

- Problemlösungsfähigkeit

- Arbeitsergebnis/Arbeitserfolg

- Leistungsbereitschaft/Motivation

Alle Pinkte, die ohne Sternchen sind, müssen vom Arbeitgeber ergänzt werden. Allerdings ist er bei der Wahl seiner Beurteilung natürlich frei. Daher ist vorliegend sehr zu empfehlen, die fehlenden Punkte in einem Entwurf selbst zu ergänzen und den Arbeitgeber zu ersuchen, das Zeugnis auf diese Weise zu vervollständigen.

Und es ist zutreffend: Nur "zuverlässig" zu arbeiten ist ein befriedigend (Note 3). "Arbeitete stets zuverlässig und gewissenhaft" wäre ein gut.

5.
Bei der Beurteilung des Sozialverhaltens haben Sie grundsätzlich Recht, dass typischer Weise in einer gefestigten Reihenfolge erklärt wird:

"Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war ... einwandfrei."

Vorliegend spricht jedoch Ihr Arbeitgeber im Zeugnis selbst darüber, dass "die Kundin" (= die Entleiherfirma) die arbeitgeberseitige Einschätzung der leistungsbeurteilung teilt. Es zeigt sich daran, dass aus dem Blickwinkel Ihres Arbeitgebers Sie nicht hinsichtlich der "Kunden der eigenen Kundin" beurteilt werden, sondern eben im Rahmen des vorhandenen Arbeitsverhältnisses nur mit den Vorgesetzten und Kollegen, die tatsächlich zu ihrem Arbeitgeber gehören. Daher halte ich das Fehlen der "Kunden" hier ausnahmsweise für unschädlich.

Dennoch können Sie natürlich Ihrem Arbeitgeber gegenüber anregen, das Wort "Kunde" ebenfalls zu verwenden.

6.
Es ist dem Arbeitgeber durchaus gestattet, zunächst eine Angabe zum Grund des Endes der Beschäftigung zu tätigen. Dies ist vorliegend neutral und damit für Sie unschädlich erfolgt.

Wie der Arbeitgeber sodann die sog. Schlussformel formuliert, ist gerichtlich leider nicht überprüfbar. Die Schlussformel besteht im besten Falle aus drei Elementen:

1. Dankesformel
2. Bedauernsformel
3. Gute Wünsche- Formel.

Bei Ihnen ist Ziffer 1 und Ziffer 2 vorhanden. Sie können anregen, auch eine "Gute Wünsche-Formel" zu erhalten. Einklagbar ist dies jedoch nicht. Ein kompletter guter bis sehr guter Schluss hätte lauten müssen:

„Wir bedauern ihr Ausscheiden, bedanken uns bei Frau … für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute."

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 29.09.2015 | 15:45

Vielen Danke für Ihre ausführliche Antwort!

Nun meine Nachfrage:
Ich habe von meiner Abteilung in der Entleihfirma die Antwort bekommen, dass Sie gar nicht bei der Beurteilung meiner Arbeitsleistung involviert waren, obwohl sie das eigentlich nur können, da ich nur dort mit Mitarbeitern und Vorgesetzten aus dem Unternehmen zusammengearbeitet habe.
Das Zeugnis wurde zwar von der Zeitarbeitsfirma ausgestellt, aber es steht folgender Satz abschließend nach der Beurteilung: " Diese Beurteilung wurde durch die vorliegende Einschätzung unseres Kunden voll bestätigt." Dieser Satz sagt ja aus, dass es eine Einschätzung von meiner Entleihfirma gab - aber diese Einschätzung muss irgendwo in einer anderen Stadt zentral passiert sein, von Vorgesetzten, mit denen ich nie zusammengearbeitet habe, und die mich noch nicht einmal gesehen haben, da ja meine Abteilung, wie oben schon erwähnt, nicht bei der Erstellung und Beurteilung meines Zeugnisses involviert war. Aber ist dies denn überhaupt gesetzlich zulässig, oder kann man dagegen gerichtlich vorgehen, falls meine Korrekturwünsche nicht berücksichtigt werden und meine Abteilung wieder nicht zu Rate gezogen wird?
Besteht denn nicht die Pflicht bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis, auch wenn es von einer Zeitarbeitsfirma kommt, dass eine Art Beurteilungsbogen für das Zeugnis von der Entleihfirma ausgefüllt wird - und auch von Leuten, mit denen ich direkt zusammengearbeitet habe?

Es sieht für mich so aus, als ob irgendwo zentral in einer anderen Stadt irgendetwas für das Zeugnis zusammengestellt oder unterschrieben wurde, obwohl sie mich noch nie bei der Arbeit erlebt hatten, was ja so nicht sein kann und gegen das Gesetz verstoßen müsste.

Sorry für die ausführliche Nachfrage, aber Sie würden mir mit der Beantwortung wirklich sehr weiterhelfen!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.09.2015 | 16:20

Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Nachfrage und die darin dargelegten Gedankengänge kann ich sehr gut nachvollziehen.

Das Arbeitszeugnis soll wahrheitsgemäß und wohlwollend verfasst werden. Darüber hinaus muss es eine individuelle Befassung mit Ihrer Leistung erkennen lassen.

Gemessen an der Anforderung der "Wahrheitsgemäßheit" sollte natürlich der von Ihrem Arbeitgeber gewählte Satz "Diese Beurteilung wurde durch die vorliegende Einschätzung unseres Kunden voll bestätigt." eine solche suggerieren. Und Sie haben Recht: Der Verleiher, der natürlich nicht am konkreten Arbeitsplatz von Ihnen Ihre Arbeit erfahren und bewerten kann, müsste sich, um ein wahrheitsgemäßes Zeugnis erteilen zu können, konkret beim Entleiher erkundigen. Andernfalls lägen nur "Mutmaßungen" vor.

Allerdings gibt es keine Regel, wie bei Zeugniserteilung Ihr Arbeitgeber die Informationen einholen soll, um seine Beurteilung zu schreiben. Sie finden dazu im Wesentlichen im Internet Auskünfte dazu, dass der Entleiher gegenüber der Zeitarbeitsfirma im Zuge einer Mitwirkungspflicht Auskunft zu erteilen hat.

So etwa unter https://www.das.de/de/rechtsportal/rechtsfrage-des-tages/zeitarbeit-wer-schreibt-das-zeugnis.aspx oder http://tipps.jobs.de/arbeitszeugnis-von-der-zeitarbeitsfirma-was-ist-hier-anders/#.VgqasJe1e2M.

Aus der von Ihnen geschilderten Tatsache, dass Ihre unmittelbaren Vorgesetzten und Kollegen nicht zu einer Beurteilung befragt wurden, ist der Schluss naheliegend, dass vorliegend standardisierte Floskeln verarbeitet wurden. Das ist nichts, was strafbar wäre. Vielmehr sollte es Ihnen gerade helfen, die Ergänzung Ihres Zeugnisses um die angesprochenen Punkte, am besten durch einen entsprechenden eigenen Entwurf, rasch zu erreichen. Denn Ihr Arbeitgeber wird dadurch von dieser Aufgabe berfeit, insbesondere weil Sie ihm gegenüber Ihre- zutreffenden- Eigeneinschätzungen liefern.

Allenfalls würde sich ein Arbeitgeber, der gegen die Wahrheitspflicht verstößt, gegenüber einem neuen Arbeitgeber schuldrechtlich Schadensersatzpflichtig machen (also haften), wenn er etwas Wesentliches unwahr wiedergegeben hat, was z.B. auch durch ein Verschweigen erfolgen kann.

Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben. Sofern Sie einen neuen Zeugnisentwurf wünschen, können Sie über den hiesigen Rechtshop ein solchen Entwurf durch micht erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jochen Boehncke
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 29.09.2015 | 02:57

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"Vielen Dank für die ausführliche Beratung und Beurteilung meines Arbeitszeugnisses. Sie haben mir wirklich sehr damit weitergeholfen!"
Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 29.09.2015 5/5,0
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