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Frage zu nicht wirklich einvernehmlichen Sexualität mit Jugendlichem


| 22.11.2012 01:33 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Philipp Wendel



Folgende fiktive Situation: Eine Person über 21 Jahre hat einen jugendlichen Freund, der in seiner Familie etwas vernachlässigt wird. Er sucht die Geborgenheit und Nähe der Person Ü21, die sich liebevoll um ihn kümmert, ihm hilft. Da die Person Ü21 aber auch zusätzlich ein sexuelles Interesse an dem jungen Freund hat, gibt dieser dem älteren Sex, da er ihn ja auch nicht verlieren will. Es ekelt ihn nicht, es macht ihm nichts aus, aber er würde den Sex von sich aus nicht wollen. Er ist aber auch nicht direkt von Ü21 abhängig, er könnte auch ohne ihn klarkommen. Würde so ein Fall nach §182 StGB strafbar sein? Was wäre es dann? Sex gegen Entgelt? Die Ausnutzung einer Zwangslage oder der fehlenden Fähigkeit zur Selbstbestimmung? Angenommen der Jugendliche wäre 14 oder 15 Jahre alt. Vielen Dank für die Information!

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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, daß dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung kann durch Ihre Anfrage nicht ersetzt werden.


A.
Eine Strafbarkeit im Sinne des § 182 Absatz 2 StGB scheidet aus, da ich Ihrer Schilderung zufolge keine Entgeltvereinbarung erkennen kann. Entgelt ist ,,jede in einem Vermögensvorteil bestehende Gegenleistung' (§ 11 Absatz 1 Nr.9 StGB) gleich welchen Umfangs (NStZ 06, 444).


B.
Meines Erachtens könnte jedoch eine Strafbarkeit gemäß dem § 182 Absatz 1 StGB vorliegen.

§ 182 Absatz 1 StGB bestimmt:
,,Wer eine Person unter achtzehn Jahren dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung einer Zwangslage
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder
2. [...]
wird mit Freitsstrafe [...].

Entscheidender Knackpunkt einer etwaigen Strafbarkeit wird hier die Beurteilung des Tatbestandsmerkmals der ,,Zwangslage' sein.

Sie schreiben:,,Da die Person Ü21 aber auch zusätzlich ein sexuelles Interesse an dem jungen Freund hat, gibt dieser dem älteren Sex, da er ihn ja auch nicht verlieren will.'

Der Bundesgerichtshof bestimmt, dass unter einer Zwangslage persönliche Bedrängnisse und psychische Beeinträchtigungen, also Umstände von Gewicht zu verstehen sind, denen die spezifische Gefahr anhaftet, den Widerstand des Opfers gegen sexuelle Übergriffe herabzusetzen (BGH 42, 399; NStZ-RR 08, 238). Gleichgültig ist, ob der Täter die Zwangslage geschaffen hat oder nur ausnutzt, ob sie für das Opfer existenzbedrohend ist oder vermeidbar war. Ferner kommt es nicht darauf an, ob die Zwangslage nach objektiver Betrachtung tatsächlich gegeben ist oder von der jugendlichen Person nur subjektiv empfunden wird.

Ob diese Voraussetzungen tatsächlich in Ihrem fiktiven Beispiel tatsächlich vorliegen kann ich abschließend nicht beurteilen, jedoch ließe sich aus Sicht eines Staatsanwalts ein Anfangsverdacht (und damit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens) sicherlich gut begründen.


C.
Ferner ist meines Erachtens auch eine Strafbarkeit gemäß dem § 182 Absatz 3 StGB nicht von der Hand zu weisen.

§ 182 Absatz 3 StGB:
Eine Person über einundzwanzig Jahre, die eine Person unter sechzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich vornehmen lässt oder
2.[...]
und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird mit [...].

Entscheidendes Merkmal hier ist die ,,fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung'.
Diese Merkmal bedarf der Auslegung. Es kommt darauf an, ob die betroffene Person aus Gründen altersbedingter Unreife (vgl. auch BT-Drs. 12/4584) im konkreten Fall außerstande ist, die Entscheidung über die Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen intellektuell, moralisch und emotional in ein Selbstbild und Lebenskonzept in einer Weise zu integrieren, welche der Bedeutung sexueller Selbstbestimmung gerecht wird (vgl. Bay NStZ 95, 501).

Vor dem Hintergrund, dass der von Ihnen beschriebene Jugendliche die sexuellen Handlungen freiwillig vollzieht (duldet), um die Freundschaft nicht zu gefährden, lässt sich eine deutliche Vergleichbarkeit der Sachlage zu der definierten Beispielssituation - und damit eine Strafbarkeit gemäß § 182 Absatz 3 StGB - nicht von der Hand weisen.

Zu beachten wäre im Falle des § 182 Absatz 3 StGB noch der Absatz 5, wpnach die Tat nur auf Antrag oder bei Bejahung des besonderen öffentlichen Interesses durch die Staatsanwaltshcaft verfolgt wird.



Ich hoffe, meine Antwort hat Ihnen weitergeholfen.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Philipp Wendel
Bewertung des Fragestellers 22.11.2012 | 18:16


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