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Formulierungen im Arbeitszeugnis deuten

| 20.08.2008 21:06 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Karin Plewe


Sehr geehrte Anwältin, sehr geehrter Anwalt,

ich habe vor ein paar Tagen mein Arbeitszeugnis erhalten und deute einige Sätze aus der Sicht der Zeugnissprache als negativ, welches nicht gerechtfertigt wäre.

Da ich mir jedoch nicht sicher bin, bitte ich Sie folgenden Teil zu beurteilen:


"...Bereits nach kurzer Zeit der Beschäftigung in unserem Unternehmen erwies sich, dass Frau XXX ihren Aufgabenbereich umfassend, sicher und vollkommen beherrschte. Durch ihre sehr schnelle Auffassungsgabe beherrschte sie nach kurzer Einarbeitungszeit ihr Arbeitsgebiet umfassend.

Auch hohe Belastungen bewältigte Frau XXX stets gut und agierte dabei ruhig und zielorientiert. In allen Situationen reagierte Frau XXX außerordentlich verantwortungsbewusst, zielorientiert und gewissenhaft. Frau XXX arbeitete stets engagiert und mit viel Eigeninitiative und besaß eine hohe Leistungsmotivation. Die Arbeitsleistung fand immer unsere volle Anerkennung.
Zu betonen sind die sehr guten und anwendungssicheren Sprachkenntnisse der Frau XXX.
Frau XXX hat dem Unternehmen in ihrem Verantwortungsbereich gute Dienste erwiesen. Mit ihren guten Leistungen und Erfolgen waren wir stets voll zufrieden.

Ihr persönliches Verhalten war jederzeit einwandfrei. In ihrem Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern verstand sie es, eine vertrauensvolle und offene Atmosphäre zu schaffen. Positiv hervorzuheben sind ihre Aufgeschlossenheit und ihre sehr gute Eignung für die Mitwirkung in Projektteams. In unseren Außenbeziehungen erwies Frau XXX sich als umsichtige Gesprächs- und Verhandlungspartnerin. Sie wurde wegen ihres sympathischen Wesens anerkannt und geschätzt.

Frau XXX verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 30.06.2008. Wir danken ihr für das stets angenehme Arbeits- und Vertrauensverhältnis, bedauern ihr Ausscheiden und wünschen Ihr für die berufliche und private Zukunft alles Gute und weiterhin Erfolg."



Vielen Dank für Ihre Mühe.






-- Einsatz geändert am 21.08.2008 19:51:47
Eingrenzung vom Fragesteller
21.08.2008 | 19:51

Sehr geehrte Fragestellerin,

den von Ihnen mitgeteilten Zeugnisinhalt beurteile ich in einer ersten Einschätzung wie folgt:

Im ersten Absatz könnte fraglich sein, wie der Satz gemeint ist. Die Betonung, dass Sie Ihren Arbeitsbereich (erst) nach einer Einarbeitungszeit beherrschten, könnte darauf hindeuten, dass dies nicht von Anfang an der Fall war. Allerdings vermute ich eher, dass es sich um eine sprachliche Ungeschicklichkeit des Arbeitgebers handelte und dass der Arbeitgeber damit nichts Negatives aussagen wollte. Auch die weitgehende Wiederholung desselben Inhalts im ersten und zweiten Satz (doppelte Verwendung der Worte "beherrschte" und "umfassend") dürfte wohl auf eine sprachliche Ungeschicklichkeit zurück zu führen sein.
Ich empfehle Ihnen, den Arbeitgeber darauf anzusprechen und um eine Änderung der Formulierung zu bitten, um Mißverständnisse auszuschließen.

Der zweite Absatz ist weitgehend in Ordnung. Lediglich die Formulierung "viel Eigeninitiative" könnte darauf hindeuten, dass Sie als zu eigeninitiativ (also über das Ziel hinausschiessend) tätig waren, aber im Zusammenhang mit den restlichen Formulierungen ist zu vermuten, dass es als Lob gemeint ist. Sicherheitshalber könnte man diese Worte aber auch weglassen.

Das Hervorheben der Sprachkenntnisse ist dann positiv gemeint, wenn dies einen ganz wesentlichen Bereich Ihrer Tätigkeit darstellt. In der Zeugnissprache sind solche Hervorhebungen allerdings dann negativ anzusehen, wenn sie sich auf unwesentliche Randbereiche beziehen, weil dann aus dem Fehlen der wesentlichen Punkte geschlossen wird, dass diese nicht gut bewertet werden.
Inwieweit dies auf Ihre Arbeitsstelle zutrifft, müssen Sie anhand Ihres Aufgabenbereichs und der dort erforderlichen Qualifikation selbst beurteilen. Es kann jedoch nicht schaden, wenn an dieser Stelle noch weitere Kenntnisse (Fachkenntnisse, Computerkenntnisse etc.) positiv hervorgehoben werden.

Des Weiteren würde ich die Worte "in ihrem Verantwortungsbereich" weglassen, weil daraus geschlossen werden könnte, dass Sie dem Unternehmen in anderen Bereichen eher geschadet haben.

Auch die "vertrauensvolle und offene Atmosphäre" ist ambivalent zu verstehen. Man könnte Ihr Verhalten als zu gesprächig ("Plaudertasche, erzählt alles weiter, hält andere von der Arbeit ab") verstehen. Deshalb würde ich diesen Satz weglassen bzw. abändern. Auch die Mitwirkung in Projektteams kann in diesem Zusammenhang eher bedeuten, dass Ihnen indirekt "Tratsch in der Gruppe" vorgeworfen werden soll.

Bei der Beurteilung des Verhaltens fehlen die "Kunden", so dass aus dem Fehlen dieses Wortes auf Defizite in diesem Bereich geschlossen werden könnte. Ich empfehle Ihnen, den Inhalt auf folgenden Satz zu reduzieren: "Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei."

Insgesamt fällt auf, dass Angaben zum Aufgabenbereich und zu den Fachkenntnissen fehlen. Sofern sich diese nicht im restlichen (von Ihnen nicht mitgeteilten Teil) des Zeugnisses finden, sollten Sie auf Ergänzung bestehen.
Auch die Einschätzung als "zuverlässig, ehrlich und pünktlich" sollte im Zeugnis vorhanden sein, sinnvollerweise im zweiten Absatz, in dem Ihre Arbeitsleistung bewertet wird.

Nicht jeder Arbeitgeber ist in der Lage, die Zeugnissprache richtig zu verstehen und umzusetzen. Deshalb empfehle ich Ihnen, zunächst das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, Ihre Bedenken vorzutragen und darum zu bitten, die o.g. Punkte zu ändern, um Missverständnisse auszuschließen. Selbst wenn einzelne Formulierungen negativ gemeint gewesen sein sollten, ermöglichen Sie dem Arbeitgeber so einen gesichtswahrenden Rückzug, wenn er damit eine weitere Auseinandersetzung vermeiden kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Ausführungen weiter helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Plewe
Rechtsanwältin

info@kanzlei-plewe.de







Nachfrage vom Fragesteller 25.08.2008 | 18:26

Sehr geehrte Frau Plewe,


vielen Dank für Ihre wertvolle Einschätzung.
Ich habe den Arbeitgeber nun schriftlich aufgefordert die Änderungen vorzunehmen.

Welche Schritte kann man einleiten, wenn der Arbeitgeber die Änderungen nicht oder nur unzureichend vornehmen will? Mit welchen Anwaltskosten muss man für weitere rechtlichen Schritte rechnen?
Was wäre der nächst folgende Schritt?

Vielen Dank.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.08.2008 | 19:16

Sehr geehrte Fragestellerin,

der nächste Schritt wäre die Beauftragung eines Anwalts, denn oftmals lässt sich der Arbeitgeber zu den gewünschten Änderungen noch bewegen, wenn er mit einem Anwaltsschreiben dazu aufgefordert wird. Ansonsten hilft nur eine Klage vor dem Arbeitsgericht. Die Anwaltskosten berechnen sich nach dem Gegenstandswert und richten sich bei Zeugnisangelegenheiten im Regelfall nach dem halben Monatsgehalt. Bei einem Gegenstandswert von 1.000,00 € müssten Sie mit Kosten für Anwalt und Gericht von ca. 500,00 € rechnen. Diese würden Sie allerdings nicht erstattet bekommen, selbst wenn Sie gewinnen.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Plewe
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