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Forex/CFD: Privat das Handelskonto anderer Privatperson verwalten

19.07.2014 02:36 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwältin Stefanie Lindner, Dipl.-Jur.


Verehrte Anwälte,

ich möchte ihnen folgenden fiktiven Fall schildern und erwarte mir eine möglichst konkrete Auskunft, über die Legalität und die ggf. anfallende Haftung der Partei/en.

P1 = Privatperson
P2 = Privatperson
P3 = Privatperson

Angenommen P1 handelt privat in der Freizeit und mit eigenem Handelskonto an der Börse. Genauer genommen liegt das Konto bei einem englischen Broker (Anbieter für Forex- und CFD-Handel). Dieser Broker/Anbieter stellt eine Handelsplattform zur Verfügung, über die der Kunde Forex/CFD handeln kann. P1 macht dies - wie erwähnt - privat und mit eigenem Geld seit einiger Zeit und hat etwas Erfahrung darin.

P3 spricht P1 auf seinen Handel an und bittet P1 darum, mit P2 Kontakt aufzunehmen, weil P2 gerne eigenes Kapital vermehren möchte, jedoch keine Idee hat, wie dies am besten möglich wäre. P1 nimmt also Kontakt zu P2 auf und bietet an, P2 den Handel mit Forex/CFD zu erklären, so dass P2 später mit einem eigenen Handelskonto das eigene Geld selbst handeln kann. Da P2 aber unsicher ist und nicht direkt selbst handeln möchte, bittet P2 also P1 darum, das eigene Konto zu handeln - also das Kapital zu verwalten.

P2 eröffnet also ein eigenes Handelskonto beim gleichen Anbieter in England, überweist vom eigenen Bankkonto einen Geldbetrag auf dieses eigene Handelskonto und überlässt P1 die Zugangsdaten zur Handelsplattform des Anbieters, so dass P1 die Möglichkeit hat, Forex und CFD für P2 zu handeln. Während der gesamten Zeit hat P1 keinerlei Möglichkeit, direkten Zugriff auf das Kapital von P2 zu nehmen, um Geld davon abzuheben oder auf ein eigenes Konto zu überweisen. P1 dient also lediglich dazu, Trades für P2 auszuführen und dies in eigenem Ermessen zu tun. P1 erhält keinerlei Gebühren für diese Handlungen, jedoch wurde ihr versprochen, bei guten Gewinnen einen Teil davon als "Dankeschön" abzubekommen.

Zwischenfrage: Ist dies rechtlich gesehen legal oder illegal? Benötigt P1 eine besondere Erlaubnis, um überhaupt für P2 handeln zu dürfen oder ist dies egal, wenn P1 lediglich privat Trades für P2 ausführt?

Es existiert keinerlei schriftlicher Vertrag über die Vereinbarungen. Es wurden keine Gewinne versprochen und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Handel zwar sehr lukrativ sein kann, jedoch immer mit hohem Risiko verbunden ist. Wie erwähnt, hat P2 lediglich P1 darum gebeten, Trades über die Handelsplattform auszuführen wie P1 es für richtig hält. Nun macht P1 aber Verluste im Handel und reduziert damit das Kapital von P2 auf dessen Handelskonto.

Kernfrage: Wie würde sich in diesem Fall die Haftung gestalten? Muss P1 das verlorene Kapital an P2 bezahlen? Ist P1 überhaupt angreifbar in diesem Fall?

Ich wäre sehr dankbar über eine kompetente und informative, sowie präzise Antwort auf die Fragestellung im Fall.

Vielen Dank im Voraus!


Einsatz editiert am 19.07.2014 08:58:10

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Sie für Person P2 an der Börse traden. Ob der englische Broker es gestattet, dass die Zugangsdaten zu den Accounts anderen Personen überlassen werden, können Sie dessen Vertragsbedingungen entnehmen. Wenn Sie dies nur privat und unentgeltlich machen, liegt keine gewerbliche Tätigkeit im Sinne von § 15 EStG vor, d.h. Sie benötigen keine Gewerbeanmeldung. Würden Sie allerdings an den Gewinnen partizipieren, könnte es sich ggf. um steuerpflichtige Einnahmen handeln.

Ob Sie sich haftbar machen, weil Sie das Geld der P2 verloren haben, hängt von mehreren Umständen ab. Es kommt darauf an, wie das zugrunde liegende Verhältnis zwischen Ihnen und P2 ausgestaltet ist. Hier könnte z.B. ein Auftrag gemäß § 662 BGB vorliegen, allenfalls aber lediglich ein Gefälligkeitsverhältnis in unterschiedlicher Abstufung. Je größer der Rechtsbindungswille von Ihrer Seite, umso größere Anforderungen werden an Sie gestellt.
Um einen Auftrag würde es sich handeln, wenn P2 größere Geldbeträge einsetzte, das Traden für sie von großer Bedeutung war und die Beziehung zwischen Ihnen beiden nicht auf enger freundschaftlicher Ebene beruhte, sondern eher einer Art Geschäftsbeziehung glich.
Liegt mehr ein Freundschaftsdienst vor, dann handelt es sich hier eher um ein Gefälligkeitsverhältnis, ggf. mit rechtsgeschäftlichem Charakter.
Für Sie bedeutet dies aber in beiden Fällen, dass Sie mit der gebotenen Sorgfalt handeln mussten.
Inwieweit Ihnen Aufklärungspflichten obliegen, kann ich aufgrund der Sachverhaltsschilderung nicht abschließend beurteilen. Wenn Sie auf dem Gebiet des Tradings sehr erfahren sind und P2 keinerlei Erfahrung hat, müssen Sie diese über Chancen und Risiken bedeutend umfassender aufklären wie jemanden, der schon eine gewisse Erfahrung aufweist. Dass Forex-Trading hochspekulativ und für Anfänger ungeeignet ist, weiß ein Laie in der Regel nicht. War P2 auf dem Gebiet des Tradings völlig unerfahren, haben Sie diese umfassend über die Risiken, auch über das Risiko eines Totalverlusts aufzuklären. Dies sollten Sie ggf. auch nachweisen können, indem ein Freund oder Bekannter eine solche Aufklärung Ihrerseits bezeugen kann.
Ggf. kann ein stillschweigender Haftungsausschluss zwischen den Parteien angenommen werden. Dies richtet sich nach dem Grad der Freundschaft. Der BGH geht von einem solchen nur aus, wenn der Schädiger versichert ist.

Unter engen Freunden kann z.B. eine vertragliche Haftung ganz ausgeschlossen sein. Es wäre dann nur eine Haftung aus Delikt, also aus den §§ 823 ff. BGB, gegeben. Dann wären Sie nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit haftbar.
U.u. wäre auch der Vermittler – P3 – haftbar, wenn er P2 zu große Hoffnung auf Vermögensmehrung gemacht hat. Dazu gibt aber auch der Sachverhalt zu wenig her.

Für Sie ist wichtig, dass Sie P2 ausführlich über die Risiken, auch über das Risiko des Totalverlusts, aufgeklärt haben. Dies sollten Sie auch nachweisen können, ggf. durch Zeugenaussagen oder entsprechende Schriftstücke.
Wenn Sie dies nachweisen können und Sie kein Verschulden am Verlust des Kapitals trifft, da der Verlust des Geldes lediglich auf dem gewöhnlichen Risiko des Tradings beruht, brauchen Sie das Geld nicht zurückerstatten. Sollten Sie das Geld absichtlich verzockt haben, um P2 zu schädigen, dann müssten Sie der P2 den Schaden ersetzen. Danach klingt aber der Sachverhalt nicht, da Sie selbst am Erfolg interessiert waren, um in den Genuss einer „Erfolgsprovision" zu kommen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Lindner

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