Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Flugzeitenverschiebung vor Antritt der Pauschalreise

12.08.2013 21:27 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Zusammenfassung: Flugzeitenänderungen sind als Reisemangel anzusehen, wenn nicht nur der erste und letzte Urlaubstag betroffen sind. Dies ist der Fall wenn sich die Ankunft auf den nächsten Tag verschiebt und dadurch die Nachtruhe des Reisenden mehr als unerheblich verkürzt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe ein Problem mit den neuen Flugzeiten einer Pauschalreise. Natürlich waren die Zeiten bei der Buchung mit "unter Vorbehalt" ausgewiesen. Trotzdem hatten wir uns extra informiert, dass die Flüge zu normalen Tageszeiten stattfinden. Nun haben wir eine Flugzeitverschiebung von 14:40-18:20 auf 21:50-01:30 bekommen (Rückflug von 12:00-13:50 auf 19:10-21:00).
Wie verhält es sich mit dieser Verschiebung des Hinfluges? Ich habe gelesen, dass der erste und letzte Tag als Anreisetag gilt, aber wir kommen jetzt ja erst am zweiten Urlaubstag an. Weiterhin habe ich in einer anderen Antwort hier gelesen, dass eine Ankunft bis 01:00 des Anreisetages im Hotel (!) hinnehmbar ist. Mit dem noch ausstehenden Transfer vom Flughafen zum Hotel, schätze ich, dass eine Ankunft nicht vor 02:30 geschehen wird. In anderen Artikeln bzw. Foren wurde häufig gesagt, dass solch eine Flugzeitverschiebung unter "Pech gehabt" hinzunehmen ist.
Der Rücktrittszeitraum war (natürlich) bei Bekanntgabe der Verschiebung schon verstrichen. Die Hotline konnte keinen anderen Flug anbieten und argumentierte, wie oben genannt, dass der erste und letzte Tag Anreisetag sei.
Meine Frage: ist es möglich bzw. lohnt es sich, eine Reisepreisminderung beim Veranstalter einzufordern? Oder sind die Erfolgsaussichten so gering, dass ich mir den Ärger diesbezüglich lieber spare?
Vielen Dank!

Sehr geehrte Ratssuchende,

gerne beantworte ich Ihre Frage aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt:

Im Hinblick auf den Hinflug dürfte von einem Reisemangel auszugehen sein, der Sie zu einer Minderung des Reisepreises gemäß § 651d BGB berechtigen würde.

Flugzeitenänderungen können regelmäßig erst dann als Reisemangel angesehen werden, wenn nicht nur der erste und der letzte Reisetag betroffen sind. Flugzeitenänderungen innerhalb dieser beiden Tage ohne Verlust der Nachtruhe sind dagegen als bloße Unannehmlichkeiten hinzunehmen (AG Duisburg, Urteil vom 06.04.2005, Az. 45 C 364/05).

Vorliegend ist – wie bereits festgestellt – aufgrund der Ankunft um 01:30 Uhr des Folgetages nicht lediglich der erste Reisetag betroffen. Es kommt jedoch zudem auf einen Verlust der Nachtruhe an.

Nach der Rechtsprechung liegt ein Mangel nur vor, wenn sich die Ankunft auf den nächsten Tag verschiebt und dadurch die Nachtruhe des Reisenden mehr als unerheblich verkürzt (AG Duisburg, Urteil vom 27.10.2005, Az.: 53 C 5163/04).

Dabei geht die Rechtsprechung davon aus, dass dies bei einer Ankunft am Hotel um 01:00 Uhr in einem geringen Maße der Fall ist, was zu einer geringfügigen Minderung für diesen Tag führt, da der Zeitpunkt des Beginns der Nachtruhe bei einer solchen Ankunftszeit nur mäßig verschoben wird und es im Urlaub möglich ist, am nächsten Tag länger zu schlafen und sich wieder zu erholen (AG Duisburg, Urteil vom 27.10.2005, Az.: 53 C 5163/04).

Nach Ihren Angaben dürfte die Ankunft im Hotel gegen 02:30 Uhr erfolgen, so dass nach der Rechtsprechung von einer – zumindest geringfügigen – Minderung des Reisepreises für diesen Tag auszugehen sein dürfte.

In Bezug auf den Rückflug dürfte die Verschiebung wohl nicht zu einer Minderung berechtigen, da die Flugzeitenänderung lediglich den Abreisetag betrifft und sich der Reiseveranstalter durch die Angabe der „voraussichtlichen Flugzeiten" bei der Buchung offensichtlich eine Änderung der Flugzeiten vorbehalten hat. In diesem Zusammenhang ist jedoch darauf hinzuweisen, dass das OLG Celle eine Klausel in den Reisebedingungen, wonach die endgültige Festlegung der Flugzeiten dem Veranstalter mit den Reiseunterlagen obliegt, als unwirksam erachtet hat (so OLG Celle, Urteil vom 07.02.2013, 11 U 82/12).

Ob dies in Ihrem Fall zutrifft, kann ich mangels Kenntnis der vertraglichen Regelungen nicht abschließend beurteilen. Hierbei könnte man unter Umständen auch den Standpunkt vertreten, dass Ihnen vor Buchung der Reise aufgrund Ihrer Nachfrage (Flüge zur normalen Tageszeit) die Flugzeit ausdrücklich durch die Gegenseite „zugesichert" worden sein könnte.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass Ansprüche aus dem Reisevertrag nach § 651g Abs. 1 BGB spätestens einen Monat nach Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen sind.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben. Sollten Sie die Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen durch mich wünschen, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Ich weise abschließend darauf hin, dass es durch Hinzufügen und Weglassen wesentlicher Umstände im Sachverhalt durchaus zu einer komplett anderen rechtlichen Bewertung kommen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 68779 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank, endlich habe ich Klarheit. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank :-) ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Der Anwalt hat die Frage schnell und korrekt beantwortet. ...
FRAGESTELLER