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Flugticket online gekauft, Fluggesellschaft verweigert Beförderung

| 18.02.2019 23:10 |
Preis: 50,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tamás Asthoff


Hallo,

ich möchte meinen folgenden Fall schildern:

Vor etwa 4 Wochen im Januar kaufte ich über ein deutsches Internet Portal bzw. Online Reisebüro für eine Individual-Urlaubsreise ein Flugticket nach Vietnam. Der Flug sollte von Düsseldorf mit kurzen Zwischenstops über die Flughäfen Moskau und Nowosibirsk nach Na Thrang in Vietnam stattfinden. Alle Flüge über die Zwischenstopps wurden von der gleichen russichen Fluggesellschaft durchgeführt. Es sollte keine Einreise nach Russland stattfinden, nur Durch-/Weiterreise nach Vietnam.

Ein Visum für Vietnam war nicht erforderlich, da bereits ein separates Rückflug-Ticket bei einer anderen Fluggesellschaft vorhanden war und der Aufenthalt in Vietnam unter 15 Tage blieb. Laut dem Internetauftritt der russischen Botschaft wo ich mich vorher informiert habe benötige man außerdem bei einer Weiterreise von Russland innerhalb von 24 Stunden kein Visum als auch kein Transit-Visum.

Der Kauf des Flugticket 4 Tage vor Ablugdatum ging problemlos, auch das online einchecken 24 Stunden vor Abflug bei der russischen Fluggesellschaft - ich hatte die Bordkarten komplett aller Flüge ausgestellt auch von den Zwischenstopps aus bis zum Zielflughafen in Vietnam. Mir wurde dann jedoch eine halbe Stunde vor Abflug beim Boarding in Düsseldorf mitgeteilt, dass ich nicht mitfliegen könne - denn speziell der Flughafen in Nowosibirsk verfügt über keine Transitlounge und ich müsse für den Zwischenstopp dort auschecken und wieder einchecken.

Dieser Umstand wurde weder beim Buchen im Online Reisebüro noch von der Flugesellschaft vorher erwähnt.

Da ich kein Transitvisum für diesen speziellen Flughafen hatte verweigerte mir die Fluggesellschaft komplett die Beförderungen und das Flugzeug ist ohne mich abgeflogen während ich mit gepackter Tasche am Gate stand.

Ein sofortiger telefonischer Anruf bei dem Online Reisebüro wegen Rückerstattung des Flugtickets bzw. Umbuchung brachte nichts bzw. wurde merhfach unterbrochen. Eine E-Mail dorthin am gleichen Tag mit der Rückforderung der Kosten für das Ticket oder ggf. Wandlung in einen Fluggutschein wurde mir von dem Online Reisebüro ebenfalls verweigert mit der Begründung (Auszug): "...wir sind keine Experten auf dem Gebiet der erforderlichen Visa und Reisedokumente, diese Regeln variieren je nach Land. Es liegt in Ihrer Verantwortung, die richtigen Reisedokumente für Ihre gesamte Reise vorzulegen."

Meine Fragen:

1. Stimmt das oder besteht eine rechtliche Chance auf Erfolg meine Kosten für das Flugticket bei dem Online Reisebüro zurückzufordern oder ist ggf. die Flugesellschaft haftbar?

2. Außerdem: Da bereits andere Dinge für die Urlaubsreise gebucht waren habe ich die Reise 2 Tage später nach Vietnam mit einem neuen, nochmals selbst gekauften Flugticket angetreten bzw. antreten müssen. Besteht eine Möglichkeit auch diese zusätzlichen Kosten einzufordern?


Sehr geehrter Ratsuchender,

falls Sie in einem russischen Flughafen nur umsteigen, brauchen Sie ein Transitvisum nur wenn Sie den Transitbereich verlassen und durch die Passkontrolle gehen. Wenn Ihr Umsteige-Flughafen allerdings keine Transit-Zone hat, kommen Sie-selbst beim Aufenthalt von nur 1Stunde nicht um das Visum drum herum. Immerhin betreten Sie das Land und könnten theoretisch dort bleiben- soweit sogut.

Wer jedoch ist für die Auskunft verantwortlich?

Dies ist leider immer der Passagier selber, es sei denn aus den Buchungsunterlagen ergibt sich etwas anderes. Aeroflot zB weist ausdrücklich darauf hin, dass bei fehlender Genehmigung (Visa) die Beförderung versagt werden kann


"Gemäß Artikel 6 des föderalen Gesetzes "Über die Vorgehensweise bei der Ausreise aus der Russischen Föderation und der Einreise in die Russische Föderation" ist die Fluggesellschaft für das Prüfen des Vorhandenseins und der Gültigkeit der für die Einreise in das Zielland erforderlichen Dokumente verantwortlich. Wenn Sie mit Aeroflot reisen, werden Ihre Dokumente beim Check-in oder zum Zeitpunkt des Boardings von einem Bevollmächtigten der Airline überprüft.

Die folgenden Anforderungen für die Einreise in einige Länder sind hier als Referenz aufgeführt. Um die offiziellen Einreiseregelungen zu prüfen, die am Datum Ihres Fluges gelten, sollten sich die Passagiere an das Konsulat des Einreise-/Transitlandes wenden.

In Übereinstimmung mit den Regeln für die Passagier- und Gepäckbeförderung von Aeroflot PJSC (die Regeln sind ein integraler Bestandteil des Luftbeförderungsvertrags), sind die Passagiere für die Vorlage aller erforderlichen Dokumente, Visa, Genehmigungen usw. verantwortlich, sowie für die Einhaltung aller geltenden Gesetze in Bezug auf Ausreise, Einreise und Transit im Abflugs-, Ankunfts- und den Transitländern. Aeroflot PJSC kann nicht verantwortlich gemacht werden, wenn der Passagier diese Dokumente oder Visa nicht erhalten hat oder die geltenden gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt."

Quelle: https://www.aeroflot.ru/de-de/information/airport/passport
#
Fraglich blibt, ob das Internetportal zur Aufklärung verpflichtet ist,z.B. aus einer Nebenpflicht. Eine Vertragsverletzung sehe ich jedoch nicht, da das Portal in der Regel nur "Vermittler" ist. Es hat nicht die Pflicht, alle Reisenden über jeweilige Einreisemodalitäten zu unterrichten, es sei denn aus den AGB´s ergibt sich etwas anderes. Wenn Sie mir das Portal benennen, prüfe ich gerne die AGB´s kurz unter diesem Blickwinkel.

Es ist sehr ärgerlich, wenn das Buchungsportal nicht darauf hinweist, dass der Umsteigeflughafen keine Transitzone hat. Ich gebe Ihnen recht, dass ein Hinweis vorteilhaft gewesen wäre. Wahrscheinlich wird aber auch dort in den AGB´s ein ähnlicher Haftungsausschluss zu finden sein.

Sie müssen bei Nichtwahrnehmung des Fluges jedoch die Steuern und Gebühren erstattet bekommen- ein kleiner Trost.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen-auch wenn Sie sich eine andere Antwort gewünscht hätten. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 19.02.2019 | 10:06

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Asthoff,

vielen Dank für Ihre Antwort, in der Tat hätte ich mir natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht. Ich werde dann zumindest die Steuern und Gebühren für den nicht angetretenen Flug zurückfordern bei dem Online Reisebüro.

Um Ihre Frage noch zu beantworten, es handelt sich bei dem Online Reisebüro um das Portal www.flugladen.de. Ändert ein Blick in deren AGB noch die Rechtslage?

Die betreffende Flugesellschaft selbst war im übrigen leider nicht Aeroflot, sondern der Mitbewerber S7 Airlines.

Mit nochmaligem Dank vorab und freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.02.2019 | 10:19

Es handelt sich um einen Vermittlungsvertrag. Im haftungsausschluss heißt es dazu:

Flugladenhaftet dem Kundengegenüber bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit nach Maßgabe der gesetzlichen Be-stimmungen auf Schadensersatz oder auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen.In sonstigen Fällen haftet Flugladennur bei einer schuldhaften Verletzung einer Vertragspflicht, deren Erfüllung die ordnungsgemäße Durchführung des Vertrags überhaupt erst ermöglicht und auf deren Einhaltung der Kunderegelmäßig vertrauen darf, und zwar beschränkt auf den Ersatz des vorhersehbaren und typischen Schadens.

Man kann sich darüber streiten, ob die Angabe, ob ein Transitterminal vorhanden ist, zu den Auskunftspflichten gehört. Dies kann man aber auch mit guten Gründen verneinen, da der Vermittler wohl nicht über alle FLughäfen der Welt Protokolle führen muss, ob diese über Transitterminals verfügen. Beim Buchungsprozess sollte jedoch auf die grundsätzliche Visumpflicht in Russland hingewiesen werden- bei USA FLugbuchungen müssen Sie zB die ESTA Nummer angeben.

Ergänzung vom Anwalt 19.02.2019 | 10:25

Bei einer Pauschalreise gelten im Übrigen andere Bestimmungen - dort hätte man Sie aufklären müssen.:

https://dejure.org/gesetze/BGB-InfoV/4.html

Interessant trozdem:

http://reise-recht-wiki.de/verpflichtung-des-reisevermittlers-zum-hinweis-auf-die-einreisebestimmungen.html

Bewertung des Fragestellers 19.02.2019 | 12:27

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 19.02.2019 4,8/5,0
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