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Fluglinie erstattet Ticketpreis nicht und reagiert nur mit Standard-E-Mail

| 01.05.2020 00:14 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir hatten einen Urlaub Mitte April in die USA gebucht.
Nicht als Pauschalreise. Die Flüge waren separat gebucht, ebenso Mietwagen und Hotels.

Nun ja. Dann kam das Coronavirus. Die USA verhängte einen Einreisestopp für Europäer.
Unser Flug wäre am 15.04. aus Deutschland in die USA gegangen.

Nun ja. DER Tour - ein großes Lob. Hat Rückerstattung angeboten oder Gutschein plus 50 €. Wir haben die 50 € gerne angenommen. Faire Lösung.

Bei einer bekannten deutschen Fluglinie hat man uns bis heute die Tickets nicht erstattet. Die Tickets wurden über ein Reisebüro gebucht. Aber direkt von der Fluglinie vom Konto abgebucht.

Die Flüge wurden ca. um den 20.03. seitens der Fluglinie annulliert. Zumindest der Hinflug.
Wir haben zunächst gedacht, dass läuft alles automatisch. Das Reisebüro bittet um Geduld. Die Mitarbeiter kann man verstehen. Nicht mehr jedoch die Fluglinie. Anfang April haben wir diese aufgefordert die Ticketkosten zurückzuerstatten. Nach unserer Kenntnis muss das binnen 7 Tagen nach Annullierung geschehen. Die Online-Funktion zur Ticketerstattung wurde nicht mehr angeboten (warum nicht?). Wir verstehen ja, dass die Fluglinie wie viele Unternehmen große Probleme mit dem Coronavirus hat und nichts dafür kann. Wir aber eben auch nicht und wir haben eigene Probleme - wie viele Menschen.

Wir haben natürlich Verständnis gezeigt und Geduld gehabt. Ab Mitte April allerdings verstärkt nachgehakt. Bis auf mehrfach die gleiche Standard-E-Mail mit "bla bla bla" kam aber nichts. Gar nichts konkretes. Wir habe dann eine Frist gesetzt. Die ist verstrichen. Das geschah bereits per Einschreiben mit Rückschein. Wir haben jetzt eine letzte Aufforderung gesendet und rechtliche Schritte angedroht. Es geht für uns hier immerhin um etwas mehr als 1.600 Euro.

Unser Eindruck ist, dass hier absichtlich auf Zeit gespielt wird, weil die Bundesregierung eine Gutscheinlösung machen möchte, wonach dann nur noch ein Gutschein gegeben werden muss. Das ist Mist weil wir gar nicht wissen ob die Flüge teurer werden - und dann? Oder ob diese Gutscheine abgesichert sind bei einer Insolvenz. Bei allem Verständnis für die Not auch von Unternehmen dürfen Verbraucher - die auch selbst in Not sind - nicht privat einen Zwangskredit für 0 % Zins geben müssen und einfach mal das Recht über Nacht geändert werden. Unfassbar.

Zumal diese Fluglinie noch immer über mehrere Milliarden Liquidität verfügt.

Rückzahlungen sind im Jahr 2020 per Knopfdruck durchführbar. Dafür gibt es Software und Schnittstellen. Wir halten das daher für Hinhaltetaktik und mittlerweile nach über fünf Wochen auch für inakzeptabel.

Nun die Fakten:
** Flug sollte am 15.04. gehen von Deutschland nach USA
** Die USA hatte bereits einen Einreisestopp wegen Coronavirus-Pandemie verhängt für Europäer.
** Der Rückflug sollte ca. zwei Wochen später sein.
** Es handelt sich nicht um eine Pauschalreise. Die Hotels, Mietwagen und Flüge wurden separat gebucht über ein Reisebüro.
** Betrag wurde direkt von Fluglinie auf dem Konto im Dezember 2019 abgebucht.
** Trotz mittlerweile mehrfacher Aufforderung passiert nichts.
** Die Airline bietet "großzügige" Umbuchungsmöglichkeiten ohne Umbuchungsgebühr. Was für ein Witz! Gesetzlich besteht unseres Erachtens eine voller Rückerstattungsanspruch unsererseits.

Nun die Frage:
Haben wir nach der Rechtslage ein Anrecht auf eine volle Rückerstattung oder kann sich die Fluglinie auf höhere Gewalt oder besondere Umstände berufen wegen der Pandemie oder des Einreisestopps der USA?
D.h. die Frage ist eigentlich ob die EU-Fluggastrechteverordnung auch in diesme Fall gültig ist und auch bei Flügen für Ziele außerhalb Europas? Nach unserer Recherche und Information ist das wohl so. Wir hoffen es zumindest.

Wir haben vor noch ca. eine Woche zu warten. Danach möchten wir nach Rücksprache mit der Rechtschutzversicherung ggf. einen Anwalt einschalten. Denn unser Verständnis ist aufgebraucht wenn man den Eindruck gewinnt, dass ein Unternehmen gar nicht erstatten will.

Mit freundlichen Grüßen
wackeldaggl

01.05.2020 | 09:11

Antwort

von


(355)
Alte Schmelze 16
65201 Wiesbaden
Tel: 0611-13753371
Web: http://deutschland-schulden.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Sie liegen mit Ihrer Einschätzung richtig, die Airline muss nach Artikel 8 Absatz 1 a der EU-Flugastrechteverordnung 261/2004 innerhalb von 7 Tagen den Flugpreis erstatten.

Zu unterscheiden sind hier der Anspruch auf Erstattung des Flugpreises und der Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung. Einige Airlines versuchen hier wider besseren Wissens die Vorschriften der Artikel 7 und 8 zu vermischen und damit die Kunden hinzuhalten.

Soweit die Reise wie in Ihrem Fall wegen einer Einreisesperre nicht stattfinden, kann haben Sie Anspruch auf eine Erstattung des vollen Flugpreises. Das gilt auch dann, wenn Sie einen Spartarif o.ä. Flug gebucht haben. Wenn sie aufgrund der Einreisesperre nicht einreisen können, kann Ihre Reise nicht durchgeführt werden. Sie müssen keinen Gutschein akzeptieren, das aktuelle Verhalten ist reine Hinhaltetaktik.

Die Fluggesellschaft ist also verpflichtet, Ihnen den Ticketpreis zu erstatten.

Weiterhin gibt es nach Artikel 7 der EU-Flugastverordnung zusätzlich zu der Rückerstattung des Ticketpreises eigentlich sogar noch eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung. Dies wäre dann der Fall wenn vielmehr wirtschaftliche Gründe für die Stornierung bestehen und die Geltendmachung des Einreiseverbots nur vorgeschoben wäre. Es gibt ja durchaus noch mehrere Flüge in die USA welche stattfinden, insbesondere wenn es sich bei den Passagieren um Amerikaner handelt. Einen solchen Anspruch sollten Sie aber meiner Einschätzung nach möglichst rasch an einen professionellen Aufkäufer für solche Rechte weiterverkaufen. Wenn es den Airlines gelingt sich hier auf "außergewöhnliche Umstände" zu berufen könnte so ein Vorhaben dann auch scheitern. Bei einem Verkauf des Entschädigungsanspruchs ist das aber nicht mehr Ihr Problem. Allerdings dürfte hier der Nachweis von "außergewöhnliche Umstände" leicht gelingen, dies ändert aber nichts an der Verpflichtung zur Erstattung des Flugpreises.

Im Ergebnis können Sie also den Flugpreis zurückverlangen, einen zusätzlichen Anspruch auf eine Fluggastentschädigung sollten Sie aufgrund der eher geringen Erfolgsaussichten und des Aufwandes möglichst rasch an einen Aufkäufer abtreten.


Ich hoffe damit Ihre Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben und wünsche Ihnen noch einen schönen Feiertag,

Mit freundlichen Grüßen,
RA Fabian Fricke


Rückfrage vom Fragesteller 03.05.2020 | 12:10

Guten Tag Herr Fricke,

erlauben Sie uns eine kurze Nachfrage.

Häufig hören wir im Bekannten- und Verwandtenkreis bei vielen alltäglichen Rechtsfällen, wenn es nicht gerade um einen Immobilienverkauf mit 200.000 Euro oder sehr hohe Summen und spezielle Fälle geht, sondern um eigentlich recht eindeutige Fälle wie diesen oder auch im Kaufrecht wenn es um eher kleinere Summen geht, dass ein einmaliges Aufforderungsschreiben eines Rechtsanwaltes mit Klagedrohung zur schnellen Lösung führt. Ein Anwaltsschreiben signalisiert offensichtlich, dass es jetzt ernst wird und womöglich für die gegnerische Partei am Ende viel teurer.

Was würde ein solches kurzes Aufforderungsschreiben mit Klageandrohung eines Anwalts ca. kosten und würden Sie uns dazu raten?

Vielen Dank für die ausführliche, super verständliche und ermutigende Antwort und auch
den zusätzlichen Tipp bzgl. Entschädigung.

Beste Grüße
wackeldaggl

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 03.05.2020 | 14:16

Sehr geehrter Fragesteller,

grundsätzlich dürfte Ihre Erwägung richtig sein, wenn es sich z.B. um nur einen stornierten Flug oder sonstwie punktuelle Ereignisse handelt. Allerdings ist natürlich derzeit ein besonders hohes Aufkommen von eigentlich einfach gelagerten Fällen vorhanden. Da bei Airlines und Reiseveranstaltern diesbezüglich Chaos herrscht ist leider nicht zu garantieren, dass dort noch in solchen Fällen wirtschaftlich gedacht wird. Den Versuch ist so etwas daher nur dann wert, wenn es zunächst mal nur ein einfaches Schreiben durch einen Rechtsanwalt wäre und die Kosten bei knapp 60,00 - 100,00 € liegen, wenn nach dem Satz für ein einfaches Schreiben abgerechnet wird. Sie können dann abber immer noch das Mandat durch den Rechtsawnalt vor Ort weiterführen lassen.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass entweder einfach länger dauern wird, bis es Geld gibt, z.B. weil die Fluglinie auf staatliche Gelder wartet oder es dann größere Kanzleien oder auch einige der Fluggastrechteaufkäufer hier Massenverfahren veranlassen werden, da es immer mehrere Tausend betroffene Kunden gibt.

Mit freundlichen Grüßen,
RA Fabian Fricke

Bewertung des Fragestellers 03.05.2020 | 12:02

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"

Guten Tag Herr Fricke,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Das war absolut professionell und verständlich geschrieben. Vielen Dank auch für den zusätzlichen Tipp mit der Entschädigung. Das wussten wir nämlich noch gar nicht.

Ihre klare und eindeutige Einschätzung hilft uns sehr und ermutigt uns, nun dagegen vorzugehen. Denn auch wir denken, dass es mittlerweile reine Hinhaltetaktik ist. Gestern ist nochmal ein Rückscheine (Einschreiben/Rückscheine) gekommen. Die Vorbereitungen sind insofern unsererseits abgeschlossen.

Erlauben Sie uns eine letzte Frage:
Glauben Sie es macht Sinn, von einem Rechtsanwalt ein Schreiben an die Fluglinie zu versenden mit der Androhung einer Klage sozusagen als letzte Aufforderung mit Androhung der Klage? Häufig hilft das ja sehr schnell weiter wenn ein Rechtsanwalt schreibt. Was würde ein solches kurzes Schreiben/Aufforderung ca. kosten? Streitwert ist ja ca. 1.650 Euro.

Beste Grüße,
wackeldaggl

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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 03.05.2020
5/5,0

Guten Tag Herr Fricke,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Das war absolut professionell und verständlich geschrieben. Vielen Dank auch für den zusätzlichen Tipp mit der Entschädigung. Das wussten wir nämlich noch gar nicht.

Ihre klare und eindeutige Einschätzung hilft uns sehr und ermutigt uns, nun dagegen vorzugehen. Denn auch wir denken, dass es mittlerweile reine Hinhaltetaktik ist. Gestern ist nochmal ein Rückscheine (Einschreiben/Rückscheine) gekommen. Die Vorbereitungen sind insofern unsererseits abgeschlossen.

Erlauben Sie uns eine letzte Frage:
Glauben Sie es macht Sinn, von einem Rechtsanwalt ein Schreiben an die Fluglinie zu versenden mit der Androhung einer Klage sozusagen als letzte Aufforderung mit Androhung der Klage? Häufig hilft das ja sehr schnell weiter wenn ein Rechtsanwalt schreibt. Was würde ein solches kurzes Schreiben/Aufforderung ca. kosten? Streitwert ist ja ca. 1.650 Euro.

Beste Grüße,
wackeldaggl


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