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Flugkostenerstattung - Reisepreisminderung. Verschiedene Probleme im Urlaub.

16.10.2009 14:55 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Guten Tag,

ich bin gestern mit meinem Mann und meiner Tochter aus unserem 11-tägigen Urlaub wiedergekommen, in dem es leider einige Probleme gab.

Wir haben im Mai bei einem Internet-Reisebüro/-vermittler eine USA Reise gebucht. Diese bestand aus
- Flug Frankfurt nach New York JFK über London am 04.10.2009
- 3 Nächten Hotel in New York
- Inlandsflug nach Orlando ab New York JFK
- Mietwagen ab Orlando bis Miami
- 3 Nächte Hotel Orlando
- 2 Nächte Hotel Fort Myers
- 2 Nächte Hotel Miami
- anschließender Rückflug von Miami nach Frankfurt über London am 14.10.2009

Den ersten Stress gab es bereits vor Antritt des Urlaubes. Wir sollten unsere Reiseunterlagen ca. 2 Wochen vor Reisebeginn erhalten. Als 10 Tage vor Abreise noch keine Unterlagen in der Post waren, rief ich bei dem Reisebüro an. Dort wurde mir gesagt, dass alle Unterlagen vollständig wären und am Samstag 26.09.2009 verschickt werden würden. Sie sollten also spätestens am Anfang der darauffolgenden Woche eintreffen. Ab Dienstag, den 29.09.2009 telefonierte ich täglich mit dem Reisebüro, da die Unterlagen nicht eintrafen.

Am Donnerstag, den 01.10.2009 erklärte sich das Reisebüro bereit, die Unterlagen per email zu verschicken, was dann auch geschah.
Es wurde erklärt, dass das Hotel in New York überbucht sei und wir stattdessen ein besseres Hotel bekämen. Jedoch hatte sich nicht nur das eine Hotel geändert. Auch die Flüge wurden geändert. Statt des Fluges zum JFK in New York, gingen die Flüge nun zum Flughafen Newark. Auch das Hotel in Orlando hatte sich geändert und entsprach nicht mehr unserer Buchung.

Das Schlimmste passierte uns jedoch in New York, als wir unseren Weiterflug nach Orlando antreten wollten. Am Schalter wurde uns mitgeteilt, dass die Reisegesellschaft die Flüge nicht bezahlt hätte und unsere Reservierung daraufhin gestrichen wurde. Aufgrund der Zeitverschiebung konnten wir das Reisebüro nicht mehr erreichen. Die Fluggesellschaft bot uns jedoch annähernd denselben Flugpreis an, den die Reisegesellschaft bezahlt hätte. 199 $ plus Tax und 30 Dollar Gebühr für Flughafenbuchung. Im Endeffekt waren das jedoch über 760 $ die wir bezahlen mussten um nach Orlando zu kommen (es war aber der gebuchte Flug und kein Ausweichflug).

Am nächsten Tag konnten wir dann mit dem Reisebüro sprechen, die sich das nicht erklären konnte, allerdings versprach, dass wir unser Geld auf jeden Fall erstattet bekommen würden. Allerdings nicht von ihnen, da sie nur Vermittler gewesen wären.

Die Kosten des Fluges hatten jedoch für uns und unseren Urlaub entsprechende Folgen. Wir mussten uns die gesamte restliche Urlaubszeit einschränken, da uns das nötige Geld fehlte. So mussten wir auf Aktivitäten verzichten (Disney World Orlando), auf Einkäufe (Klamotten) und mussten selbst beim Essen darauf achten, dass es nicht zu teuer wurde.

Die gesamte letzte Woche war also so, wie wir sie uns vorgestellt hatten.

Ich möchte dem Reisebüro jetzt die entsprechenden Belege einreichen, dabei jedoch nichts falsch machen.

Welche Kosten kann ich geltend machen?

Die Flugkosten muss die Gesellschaft doch komplett übernehmen, sehe ich das richtig?

Können wir eine Reisepreisminderung geltend machen, aufgrund der verschiedenen Umstände? Andere Flüge als gebucht, anderes Hotel als gebucht, Stress vor dem Urlaub aufgrund fehlender Reiseunterlagen (die Unterlagen, die angeblich verschickt wurden, sind bis heute nicht bei uns angekommen, so dass wir davon ausgehen, dass sie gar nicht verschickt wurden) und natürlich aufgrund der Einschränkungen der letzten Woche.

Können wir Auslagen wir Telefonkosten aus den USA und Zinsen für die Kreditkartenbuchung aufgrund der Flüge geltend machen?

Vielen Dank im Voraus.



Sehr geehrte Fragestellerin,

- Wenn andere Flüge und andere als die gebuchten Hotels gestellt wurden, kann es sich insoweit um Reisemängel handeln.

Flüge gelten als mangelhaft ab einer mindestens vierstündigen Verspätung. In dem Fall können 5 % des anteiligen Reisepreises für einen Tag und jede weitere Stunde als Reisepreisminderung zurück verlangt werden.

Die Hotelzimmer stellen einen Mangel dar, wenn sie bzgl. Komfort, Lage usw. nicht dem gebuchten Standard entsprochen haben. Hier kommt es für die Höhe der Minderung auf die genauen Umstände an.


- Hinsichtlich des Flugs, den Sie bezahlen mussten, haftet der Reiseveranstalter (nicht das Reisebüro) auf Schadensersatz. Die gezahlten 760 Dollar können Sie also ersattet verlangen. Der Anspruch ergibt sich aus § 651f Abs. 1, 249 ff. BGB in Verbindung mit dem abgeschlossenen Reisevertrag: Da es sich dabei um einen Pauschalreisevertrag handelt, sind natürlich alle Reiseleistungen (Flüge, Hotels usw.) im Pauschalpreis inbegriffen. Die Flugkosten können Sie also, wie gesagt, rechtlich unproblematisch erstattet verlangen.


- Dass die Reisekasse knapp wurde, ist auf die eben erwähnte Pflichtverletzung des Reiseveranstalters zurückzuführen und kann einen Entschädigungsanspruch gemäß § 651f Abs. 2 BGB auslösen. Der geschmälerte Urlaubsgenuss wird angemessen entschädigt. In welcher Höhe die Entschädigung ausfällt, hängt von sämtlichen Umständen ab und bestimmt sich insb. aus einer Relation von Reisepreis und Einkommen. Die genaue Berechnung müsste im Streitfall ein Rechtsanwalt vornehmen.


Wichtig ist noch folgender Hinweis: Die genannten Ansprüche müssen Sie innerhalb eines Monats nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen (§ 651g Abs. 1 BGB). Diese gesetzliche Ausschlussfrist müssen Sie unbedingt beachten!

Am besten schreiben Sie zunächst den Reiseveranstalter an, schildern die Mängel und fordern zu Schadensersatz (mind. die 760 $) plus einen angessenen Minderungssatz sowie angemessene Entschädigung auf. Wenn keine Zahlung erfolgt, wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt in Ihrer Nähe, der Ihre Ansprüche dann durchsetzt.


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 17.10.2009 | 12:41

Hallo Frau Juhre,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sie hat uns sehr weitergeholfen. Ich habe noch eine Nachfrage.

Sie schreiben, dass sich eine Entschädigung aus einer Relation von Reisepreis und Einkommen zusammensetzt. Können Sie einen Circa-Anhaltspunkt geben, welcher prozentuale Anteil der Reisekosten als Entschädigung angemessen ist?

Die Reise kostete 2750 Euro. Wir sind beide noch Studenten, bekommen beide Bafög (voller Satz) und haben ca. 2 Jahre auf die Reise gespart. Aus diesem Grund waren die 760 $ für uns auch keine Kleinigkeit.

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.10.2009 | 18:34

Zu Ihrer Nachfrage zur Entschädigungshöhe:

Der Bundesgerichtshof legt in seiner neueren Rechtsprechung den Tagesreisepreis (Gesamtreisepreis geteilt durch Tage) als Entschädigung für einen vollständig ausgefallenen oder unbrauchbaren Urlaubstag zugrunde.

In Ihrem Fall ist kein Reisetag vollständig vereitelt, sondern nur beeinträchtigt. Der volle Tagespreis kommt also als Entschädigung nicht in Betracht. Vielmehr muss die verbleibende Urlaubsqualität berücksichtigt werden. Das Gericht hat hier einen erheblichen Entscheidungsspielraum, der sämtliche Umstände berücksichtigen muss. Zunächst muss es sich überhaupt um eine »erhebliche« Beeinträchtigung handeln, was in einem Rechtsstreit substantiiert darzulegen wäre (welche geplanten Aktivitäten sind Ihnen entgangen, wie haben Sie die Zeit anders verbracht usw.). Anhand dieser Umstände bestimmt das Gericht, welche Entschädigung angemessen erscheint.

Eine konkrete Zahl kann ich Ihnen daher an dieser Stelle leider nicht nennen. Ich hoffe aber, dass deutlich geworden ist, welche Faktoren hier maßgeblich sind.


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt

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