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Flugausfall - Erstattungsanspruch für Hotel und Mietwagen?

13.11.2018 22:58 |
Preis: 47,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tamás Asthoff


Sehr geehrter Rechtsanwalt,

vor einiger Zeit wollten meine Frau und ich mit easyjet von Berlin nach Genf fliegen. Am Zielort hatten wir für 5 Tage einen Mietwagen und Hotelzimmer gebucht.

Am Flughafen Berlin angekommen wurde uns zunächst mitgeteilt, dass das Flugzeug ca. 1,5h Verspätung hätte. Alle Passagiere warteten am Gate. Ca. 3 Stunden später wurde dann allen mitgeteilt, dass der Flug (Nummer EZY1595 am 27.07.2018) ausfällt weil die Crew nun außerhalb ihrer Arbeitszeit wäre. Man solle sich an den easyjet-Schalter am Checkin wenden. Dieser war jedoch - es war bereits ca. 22 Uhr - nicht mehr besetzt.

Es war in der Nacht nicht mehr möglich, einen anderen Flug bei easyjet (online über die App) zu buchen. Der nächst buchbare Flug ging am Montag früh, also 3 Tage später. Wir haben uns daraufhin entschlossen, die nächst mögliche Zugverbindung in Anspruch zu nehmen und sind so morgens gegen 05:30 Uhr mit dem Zug (mit viermal Umsteigen) zum Ziel gefahren.

Wir hatten für den Anreisetag - wie gesagt - am Zielort einen Mietwagen gebucht und für die Nacht ein Hotelzimmer. Beides konnten wir aufgrund der Ankunft am Folgetag nicht in Anspruch nehmen, mussten es jedoch bezahlen.

Unsere Frage wäre nun, ob easyjet diese Kosten übernehmen muss.

Unsere Kostenaufstellung:

1. Regionalbahn-Ticket (2 Personen) vom Flughafen zum Wohnsitz 6,80 €
2. S-Bahn-Ticket vom Wohnsitz zum Hauptbahnhof 2,80 €
3. S-Bahn-Ticket vom Wohnsitz zum Hauptbahnhof 2,80 €
4. Bahn-Ticket (2 Personen) Hauptbahnhof nach Genf 349,20 €
5. SIXT Gebühren für den 27.07. bis 28.07.2018 (nicht nutzbar) 161,28 €
6. Hotelzimmer für den 27.07. bis 28.07.2018 (nicht nutzbar) 707,22 €
7. Schadensersatz gemäß EU261 Passagier 1 250,00 €
8. Schadensersatz gemäß EU261 Passagier 2 250,00 €

In Summe: 1.730,10 €

Wir haben easyjet die Rechnungen am 02.08.2018 zugeschickt und die Gesellschaft aufgefordert, die Kosten zu erstatten. Wir erhielten keine Antwort.

Kommentarlos wurde uns von easyjet der Flugpreis zurück erstattet, weiterhin hat man uns dann am 30.08. ganze 75,57 € überwiesen mit dem Verwendungszweck "compensation". Keine Begründung, keine weitere Reaktion.

Unsere Frage wäre daher: Muss Easyjet für die von uns berechneten Kosten aufkommen? Wenn nicht, welche Kosten muss easyjet übernehmen?

Danke!

Sehr geehrte(r) Fragesteller!

Die Fluggesellschaft muss Ihnen in diesem ärgerlichen Fall die entstandenen Mehraufwendungen ersetzen.

Weiterer Schadenersatz nach §249 BGB kommt nur in Betracht, wen Sie ein Verschulden der Airline am Flugausfal positiv beweisen können.

Ihre Kostenaufstellung:

1. Regionalbahn-Ticket (2 Personen) vom Flughafen zum Wohnsitz 6,80 €

Ist zu ersetzen

2. S-Bahn-Ticket vom Wohnsitz zum Hauptbahnhof 2,80 €
3. S-Bahn-Ticket vom Wohnsitz zum Hauptbahnhof 2,80 €

Ist zu ersetzen,falls als notwendig einzustufen

4. Bahn-Ticket (2 Personen) Hauptbahnhof nach Genf 349,20 €

Ist zu ersetzen, ohne weiteres

5. SIXT Gebühren für den 27.07. bis 28.07.2018 (nicht nutzbar) 161,28 €

Kein Ersatz, es sei denn Verschulden der Airline nachweisbar(schlechter Informations- Service reicht nicht aus)- Vorsatz oder Fahrlässigkeit ist die Voraussetzung für diesen Schadenersatzanspruch.
Ich bewerte die Chancen so , dass es in beide Richtungen ausgehen kann. Die rechtliche Entscheidung wäre daher ungewiß.

6. Hotelzimmer für den 27.07. bis 28.07.2018 (nicht nutzbar) 707,22 €

Wie zuvor, Für einen schadenersatzanspruch muss Vorsatz oder Fahrlässigkeit der Fluggesellschaft nachgewiesen werden.

7. Schadensersatz gemäß EU261 Passagier 1 250,00 €

Ist immer zu ersetzen, wenn keine au außergewöhnlichen Umstände vorgelegen haben(vis major)- Darauf deutet hier erstmal nichts hin so dass ihnen diese Zahlung zustehen wird.

8. Schadensersatz gemäß EU261 Passagier 2 250,00 €

Wie zuvor, Sie können diese Zahlung beanspruchen.

Ich würde ihnen noch gerne empfehlen , die Fluggesellschaft noch ein weiteres Mal unter Fristsetzung zur Zahlung aufzufordern. Dies sollte am besten nachweislich geschehen , also per E-Mail oder Fax oder per Einschreiben.

Erfolgt nach wie vor keine Zahlung , können Sie gem.§280ff BBB wegen Verzug auf Kosten der Fluggesellschaft einen Rechtsanwalt beauftragen. Gerne übernehme ich dies kurzfristig für Sie. Sie können mir dazu einfach eine E-Mail schicken. Die notwendigen Angaben finden Sie oben in meinem Profil.

Mit freundlichen Grüßen

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