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Firmensitz / Briefkastengesellschaft


| 18.12.2011 14:54 |
Preis: ***,00 € |

Gesellschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Danjel-Philippe Newerla



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich betreibe ein Internetunternehmen in der Rechtsform der GmbH als alleiniger Gesellschafter in meinem Privathaus. Aufgrund der Impressumspflicht muss ich meine Privatadresse auf den Internetseiten der GmbH angeben. Um meine Privatadresse "geheim" zu halten möchte ich mich in eine Bürogemeinschaft / Business Center einmieten und den Firmensitz verlegen. Tatsächlich werde ich in diesem Büro aber fast nie anwesend sein.

Ist eine derartige "Briefkastengesellschaft" als Firmensitz steuer- und gesellschaftsrechtlich zulässig?
Sehr geehrter Ratsuchender,


vielen Dank für Ihre Anfrage .
Diese möchte ich sehr gerne wie folgt beantworten:


Ich kann Ihre Beweggründe gut nachvollziehen. Nach Ihrer Schilderung handelt es sich zunächst nicht um eine klassische „ Briefkastenfirma", da Sie ja nicht nur einen Briefkasten dort haben, sondern auch nach Ihrer Schilderung ein Büro anmieten, so dass auch eine tatsächliche Betriebsstätte vorhanden ist.

Gesellschaftsrechtlich ist dieses grundsätzlich kein Problem, jedoch sehe ich steuerrechtlich Probleme. In steuerrechtlicher Hinsicht kann der neue Firmensitz nämlich nur dann anerkannt werden, wenn Sie zum einen an der gemeldeten Adresse nicht nur einen Briefkasten, sondern auch Geschäftsräume haben (das ist bei Ihnen ja der Fall) und zusätzlich (und das ist das Problem!) der überwiegende Teil der Geschäftsleitung von dieser Stelle durchgeführt wird.

Dieses ist nach Ihrer Schilderung ja bislang (noch) nicht der Fall,so dass Sie die neue Adresse aktuell in steuerrechtlicher Hinsicht nicht angeben dürften,sofern nicht der überwiegende Teil der Geschäftsleitung von dort durchgeführt wird.

Die Finanzämter haben mittlerweile sogar so genannte Clearingstellen eingerichtet, die dieses überprüfen. Sie müssen also über kurz oder lang damit rechnen, dass auch Sie überprüft werden beziehungsweise genauer gesagt überprüft wird, ob die Geschäftsleitung tatsächlich überwiegend von der neuen Adresse aus tätig ist.

Nachfolgend habe ich Ihnen einen interessanten Link zu diesem Thema beigefügt:

http://www.frankfurt-main.ihk.de/existenzgruendung/rechtsfragen/gewerberecht/anmeldung/briekastenfirma/

Um der ganzen Problematik aus dem Weg zu gehen, würde ich Ihnen anraten, die Anwesenheit in Ihrem neuen Büro zu erhöhen und insbesondere Personal anzustellen, damit die Stelle dauerhaft besetzt ist.

Sollte nämlich eine Überprüfung durch das Finanzamt kommen und die Stelle überhaupt nicht besetzt sein, würde dieses voraussichtlich aus Sicht der Finanzbehörde die Annahme einer in steuerrechtlicher Hinsicht rechtswidrigen Briefkastenfirma nahelegen.


Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute!

Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann. So kann nämlich durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben. Sie können natürlich gerne über die Nachfrageoption mit mir Verbindung aufnehmen.

Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Sonntagnachmittag!


Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste


Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 19.12.2011 | 09:17

Sehr geehrter Herr Newerla,

vielen Dank für die kurzfristige Stellungnahme. Können Sie mir sagen welche Konsequenzen es hat, wenn die Finanzbehörde ein Unternehmen als Briefkastenfirma einstuft? Ich habe gelesen das in diesem Fall keine Steuernummer vergeben wird, kann mir kaum vorstellen, dass sich die Finanzbehörde die Besteuerung dieser Briefkastenfirma entgehen lässt?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.12.2011 | 11:06


Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich Ihnen sehr gerne wie folgt beantworten möchte:

Sie haben Ihre Frage eigentlich schon selber beantwortet. Sofern das Finanzamt nämlich davon ausgeht, dass es sich um eine Briefkastenfirma handelt, wird eine Steuernummer nicht vergeben
oder sogar rückwirkend aberkannt ( falls bereits vergeben).

Sollten ohne Steuernummer steuerliche Umsätze getätigt werden, kann dieses problematisch werden.

Dieses bedeutet zwar nicht automatisch eine Steuerhinterziehung, sie würden sich damit aber im Bereich der Ordnungswidrigkeiten befinden und zumindest ein Bußgeld riskieren.

Ich kann Ihnen nur noch einmal nachdrücklich nahelegen, wie oben beschrieben an dieser Stelle einen ordnungsgemäßen Geschäftssitz einzurichten, sofern Sie Ihr neues Büro als Geschäftssitz der GmbH angeben möchten.

Ich hoffe Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Montagnachmittag und alles Gute!


Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste

Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 01.01.2012 | 12:06


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