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Finnisches Erbrecht

06.07.2018 15:59 |
Preis: 82,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Tante, sie war finnische Staatsangehörige, ist Ende Juni 2018 an ihrem Wohnort in Finnland verstorben.

Ihr Ehegatte ist bereits vorverstorben, ebenso wie ihre Eltern. Auch meine Mutter, sie war eine Schwester meiner Tante, lebt nicht mehr. Ein Bruder meiner Tante lebt noch.

Ich habe folgende Fragen:

Bin ich nach finnischem Erbrecht als Abkömmling meiner Mutter Erbe meiner Tante geworden bin, sofern kein Testament existiert?

Gibt es Fristen die es zu beachten gilt?

Was muss ich weiter veranlassen um meine Rechte zu wahren und wo muss ich diese anmelden?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Ja, Sie sind tatsächlich in diesem Fall (kein Testament) neben Ihrem Onkel gesetzlicher Erbe Ihrer Tante geworden.
Das finnische Erbrecht funktioniert in den Grundzügen ähnlich dem Deutschen. Soweit die Tante unverheiratet und kinderlos war, würde die Eltern bzw. wenn diese bereits verstorben sind deren weitere Kinder bzw. Kindeskinder den auf sie anfallenden Erbteil erben. Eine kleine Ausnahme ist zu beachten. Halbgeschwister sind gegenüber sog. vollbürtigen Geschwistern nicht erbberechtigt.


In Finnland leiten die Behörden von sich aus kein Nachlassverfahren ein.
Nach dem Tod des Erblassers ist zuerst ein Nachlassinventar zu erstellen. Das Nachlassinventar ist ein Dokument, in dem die Vermögensbestände im Nachlass des Erblassers, d. h. seine Vermögenswerte und seine Verbindlichkeiten aufzulisten sind. In diesem Nachlassinventar sind auch die erbrechtlich Teilungsberechtigten am Nachlass aufzuführen.
Das Nachlassverzeichnis muss innerhalb von drei Monaten nach dem Tod des Erblassers erstellt und spätestens einen Monat nach Erstellung dem Finanzamt vorgelegt werden, das aber die Erstellungsfrist aus besonderen Gründen verlängern kann.

Die Erstellung des Nachlassverzeichnisses obliegt dem für die Nachlassverwaltung verantwortlichen Erben oder gegebenenfalls dem Nachlassverwalter oder Testamentsvollstrecker, der diese Aufgabe zusammen mit zwei Vertrauenspersonen seiner Wahl erfüllen muss. Dem Nachlassinventar ist auch der Familienstammbaum des Erblassers beizufügen.

Mit der Verteilung von Vermögenswerten kann erst nach der Abwicklung des Nachlasses begonnen werden. Diese Abwicklung umfasst die Ermittlung der Höhe des gesamten Nachlassvermögens, die Erfüllung der Verpflichtungen und Verbindlichkeiten des Erblassers und seines Nachlasses und die Feststellung der Ansprüche der testamentarisch bestimmten Vermächtnisnehmer. Zu Zwecken der Nachlassabwicklung wird das Nachlassvermögen von den Teilungsberechtigten gemeinschaftlich verwaltet, sofern keine besondere Regelung für die Nachlassverwaltung getroffen wurde. Anstelle dieser gemeinschaftlichen Verwaltung können die Teilungsberechtigten bei Gericht die Einsetzung eines Nachlassverwalters beantragen. Sobald der Nachlass in die Betreuung durch den Nachlassverwalter übergegangen ist, endet die gemeinschaftliche Verwaltung der Teilungsberechtigten wie auch ihre Berechtigung, über Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Nachlass zu entscheiden. Der Nachlassverwalter hat die Pflicht, alle zur Abwicklung des Nachlasses erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Sobald er den Nachlass abgewickelt hat, muss der Nachlassverwalter die Teilungsberechtigten davon in Kenntnis setzen und einen Rechenschaftsbericht über seine Verwaltung vorlegen.
Sobald der Nachlass abgewickelt ist, kann jeder Teilungsberechtigte die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft und die Verteilung des Restnachlasses verlangen.
Diese Verteilung des Nachlasses ist in einer Verteilungsurkunde niederzulegen, die von den Teilungsberechtigten zu unterzeichnen und von zwei unparteiischen Zeugen als zutreffend und richtig zu beglaubigen ist.

Soweit zum Verfahren im Allgemeinen. Nun ist mir nicht bekannt und recherchieren konnte ich dies auch nicht, ob Sie sich in Ihrer Erbenstellung auch vertreten lassen können, oder ob die eine oder andere Handlung bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses usw. durch Sie persönlich durchzuführen ist.
Aus dem o.g. Text ist aber zu entnehmen, dass die Erben zueinander recht liberal gestellt sind und hier grundsätzlich die Vereinbarung und somit auch die Delegierung an Dritte möglich sein sollte.

Wie gehen Sie nun weiter vor? Soweit der Onkel vor Ort und Ihnen wohlgesonnen ist, können Sie diesem die Erstellung des Nachlassverzeichnisses und dessen Abgabe beim finnischen FA überlassen. Wenn nicht, verbringen Sie ein paar schöne Urlaubstage in Finnland oder beauftragen einen finnischen Kollegen, diese Aufgaben des Erben für Sie zu tun. Letzteres ist ggf. aufgrund der Amtssprache zu empfehlen (außer Sie sind des finnischen mächtig).

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen




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