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Finanzierung - Ehefrau bringt Grundstück ein / Ehemann liquide Mittel

22.09.2015 11:11 |
Preis: ***,00 € |

Kredite


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


Guten Tag,

haben folgendes Konstrukt für unseres Immobilienprojekt:


1)
Die Ehefrau bringt ein bebautes Grundstück (Wert: 60.000,- EUR) ein.


2)
Das bisherige Haus dort wird abgerissen (Kosten: 10.000,- EUR)


3)
Auf dem Grundstück soll ein Neubau entstehen (Kosten: 200.000,- EUR)


4)
Liquide Mittel

a)
Ehefrau: 40.000,- EUR

b)
Ehemann: 60.000,- EUR


5)
Gesamtwert Objekt inkl. Grundstück: 260.000,- EUR


6)
Anteile

a)
Ehefrau: 100.000,- EUR (Grundstück + liquide Mittel)

b)
Ehemann: 60.000,- EUR (liquide Mittel)


7)
Somit Fremdfinanzierung
110.000,- EUR (Abrisskosten + Neubaukosten ./. liquide Mittel Ehefrau ./. liquide Mittel Ehemann)


8)
Bedingung: Bei einer möglichen Trennung der Eheleute soll die Ehefrau das Objekt "behalten" dürfen.


9)
Ehemann soll in diesem Falle sein eingesetztes Kapital wieder zurück erhalten (inkl. Zins).




I)
Wie könnten denn solche Konstellationen geregelt werden?

II)
Soll der Ehemann seiner Ehefrau einen Privatkredit gewähren (Kreditvertrag mit den Standard-Punkten würde dann schriftlich fixiert werden)?

III)
Wie sieht es mit Sicherheiten für den Ehemann aus?

IV)
Idee: Ehemann gewährt seiner Ehefrau ein Privatdarlehen zu marktüblichen Konditionen was den Zins angeht. Desweiteren zahlt er "Miete" an seine Ehefrau, die damit den Kredit der Bank tilgt. Wie könnten hier die Regelungen aussehen?


Oder gibt es andere kreative Ideen, wie man dies regeln kann? Sind für alle Lösungsvorschläge dankbar!


Besten Dank vorab!

Sehr geehrter Ratsuchender,



bei der Beantwortung gehe ich davon aus, dass das Grundstück allein auf den Namen der Ehefrau im Grundbuch eingetragen ist (und bleibt) und es auch keinen Ehevertrag gibt.

Ist das der Fall, ändert sich an den Eigentumsverhältnissen auch im Falle einer Scheidung nichts, so dass die im Grundbuch eingetragene Ehefrau weiterhin Eigentümerin des Hausgrundstückes bleibt.


a.)
Bezüglich der finanziellen Auseinandersetzung gibt es nun die Möglichkeit der von Ihnen angedachten Darlehensgewährung, wobei als Sicherheiten eine grundbuchrechtliche Eintragung in Betracht kommen würde.

b)
Möglich wäre ein Ehevertrag, in dem auch dieser Punkt geregelt wird.

c)
Und möglich wäre eine sogenannte Scheidungsfolgevereinbarung, die die Verhältnisse nach Trennung/Scheidung regeln kann.


Eine solche Scheidungsfolgevereinbarung dient dazu, ein mögliches gerichtliches Scheidungsverfahren zu vereinfachen, da über Angelegenheiten, die bereits einvernehmlich durch die Beteiligten festgehalten wurden, nicht mehr durch einen Richter entschieden werden muss.

Diese Vereinbarung würde auch nur im Falle der Scheidung zur Wirkung kommen, würde also ansonsten "in der Schublade liegen bleiben", ohne Auswirkungen auf das Miteinander zu haben.


In einem Ehevertrag hingegen könnte auch Punkte, die die Ehe selbst betreffen, geregelt werden, z.B. die monatlichen "Mietzahlungen", wobei insoweit nicht ganz ersichtlich ist, warum Kapital der Ehefrau zur Verfügung gestellt und noch zusätzlich eine Mietzahlung geleistet werden soll. Insoweit wird es aber auf die genauen Zahlen (Abtrag/Miete) letztlich ankommen, da die Ehefrau ja später das Grundstück behalten soll, die Miete dann wohl unwiederbringlich weg wäre.


Wenn also auch das und nicht nur der Fall einer Scheidung verbindlich geregelt werden soll, würde man eher zu einem Ehevertrag tendieren müssen. In diesem Vertrag könnten dann nicht nur die einmaligen Zuschüsse und deren grundbuchrechtliche Absicherung, sondern auch die monatlichen Verteilungen der Hauskosten (die sich ggfs. auf anteilige reine Verbrauchskosten beschränken sollte) geregelt werden.



Insoweit sollten Sie mit allen Unterlagen einen Notar vor Ort aufsuchen, da jede dieser Vereinbarung notariell beurkundet werden sollte/müsste.




Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle, Oldenburg

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