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Fehlerhafte Berechnung der Schnittnoten im Abschlußzeugnis


02.10.2006 18:00 |
Preis: ***,00 € |

Verwaltungsrecht



Sehr geehrte Frau Anwalt, sehr geehrter Herr Anwalt,

ich habe eine zweijährige Weiterbildung zum Staatl. gepr. Betriebsfachwirt Logistik an der Berufl. Schule f. Wirtschaft in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) absolviert.

Am 26. Juni 2006 bekamen alle Schüler zunächst mündlich ihre Schnittnote mitgeteilt. Am 10. Juli 2006 wurden uns Absolventen die Abschlußzeugnisse übergeben. Die Schnittnote von 1,32 stimmte mit der Angabe vom 26. Juni überein. Sie wurde gem. der Angaben dem Leiter der Wirtschaftsfachschule aus sämtlichen erbrachten schriftlichen und mündlichen Leistungen (Mitarbeit, Kolloquien, Referate, etc.) ermittelt, ist also im nachhinein nicht leicht nachmeßbar. Umso verwunderter war ich, als einen Tag später (11. Juli) eine Mitteilung kam, die Schulleitung habe sich "verrechnet". Tatsächlich müßten die erbrachten Fachabschlußnoten mit den Soll-Schulfachstunden multipliziert
und durch die Gesamtstundenzahl dividiert werden. Man kann Schnittnoten also auf unterschiedliche Weise errechnen. Ein zweites Zeugnis wurde mir zugesandt.

Natürlich haben viele der Absolventen (darunter ich) die Noten, die Schnittnote und schließlich die Zeugnisse bereits sofort nach Bekanntwerden bzw. Erhalt unseren Arbeitgebern oder weiterführenden Schulen vorgelegt, nun wäre es natürlich nicht hilfreich, das "verbesserte" Zeugnis im nachhinein vorzulegen.
Denn nach der zweiten Bewertungmethode haben alle Absolventen eine halbe bis ganze Note schlechter abgeschnitten. Statt 1,32 (sehr gut) wies mein 2. Abschlußzeugnis nur noch 1,64 (gut) auf.

Meine Frage ist, ob eine Schule sich einfach so "verrechnen" darf oder nicht doch einer gewissen Sorgfaltspflicht unterliegt; schließlich sind Abschlußzeugnisse als Urkunden relevant für den weiteren schulischen oder beruflichen Werdegang und welchen Rat für Rechtsmittel Sie mir als unmittelbar Betroffenen gegenüber der Schulleitung oder der übergeordneten Schulbehörde empfehlen?

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Schilderungen summarisch wie folgt beantworten möchte.

Ich stimme Ihnen zu, dass ein solcher Fehler der Schule bzw. der Schulleitung nicht passieren darf. Gerade bei der Erstellung von Zeugnissen ist größte Sorgfalt anzuwenden.

Dieser Fehler hätte – so er überhaupt passieren darf – in jedem Fall vor Aushändigung der fehlerhaften Zeugnisse bemerkt werden müssen. Entschuldigt werden kann das auch nicht mit einer komplizierten Berechnung, da die Schule auch das richtige Ergebnis einer solchen durch geeignete Kontrollmechanismen zu gewährleisten hat.

Ein Fahrlässigkeitsvorwurf wird daher an die Verantwortlichen zu richten sein. Für einen Schadensersatzanspruch fehlt es jedoch an einem Schaden. Anders läge der Fall womöglich, wenn sich die Schule zu Ungunsten der Schüler verrechnet hätte. Dann könnte der Schaden darin liegen, dass aufgrund der schlechteren Note ein Job nicht gefunden wurde. Eine bessere Note verbessert jedoch in der Regel die Aussichten einen Job zu finden; jedenfalls verschlechtert sie die Chancen nicht.

Rechtstechnisch dürfte eine Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes nach § 48 Verwaltungsverfahrensgesetz vorliegen. Das Abschlusszeugnis stellt einen Verwaltungsakt dar, der zurückgenommen werden durfte, weil er aufgrund fehlerhafter Berechnung rechtswidrig war.

Wenn bei Abwägung aller Umstände Ihr Vertrauen auf den Bestand des Zeugnisses schutzwürdig war, hätte die Schule bzw. deren Träger einen von Ihnen durch die Rücknahme erlittenen Vermögensvorteil auszugleichen. Einen solchen sehe ich jedoch nicht.

Es wird Ihnen daher nur die Möglichkeit bleiben, eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzureichen, die an keine besonderen formellen Voraussetzungen gebunden ist. Zu richten sein dürfte diese an die zuständige Fachaufsichtbehörde. Ansonsten ist eine solche „Geschichte“ sicherlich interessant für die örtliche Presse. Dies wäre für die Beteiligten wahrscheinlich weitaus nachteiliger als juristische Schritte, da eine Beschwerde oftmals ohne große Wirkung bleibt.

Abschließend bitte ich zu beachten, dass diese Antwort zwar alle wesentlichen Aspekte des von Ihnen geschilderten Falles umfasst, jedoch daneben Tatsachen relevant sein könnten, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen würden. Verbindliche Auskünfte sind daher nur im Rahmen einer Mandatserteilung möglich.

Ich hoffe, Ihnen die in diesem Forum angestrebte erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen


Tobias Kraft
Rechtsanwalt
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