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Fehlbehandlung beim Zahnarzt mit Zahnverlust / Schmerzensgeld

| 09.06.2020 18:07 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Zusammenfassung:

Ein Schmerzensgeldanspruch hängt stets vom Einzelfall ab und bedarf zumeist gerichtlicher Feststellung.

Sehr geehrte Damen und Herren,
durch einen Behandlungsfehler am 21. Mai 2020 in der Zahnarztpraxis einer Notdienst-Zahnärztin muss ich leider eine langwierige und extrem schmerzempfindliche zahnmedizinische Behandlung über mich ergehen lassen. Hier kurz eine Zusammenfassung.
Im Rahmen einer notfallmäßigen Zahnbehandlung am Donnerstag, 21. Mai 2020 wurde bei einem meiner Backenzähne des rechten Unterkiefers bei Schmerzen eine Wurzelbehandlung durchgeführt und ich danach zur Weiterbehandlung an meinen Hauszahnarzt verwiesen. Bereits am Abend des 21. Mai traten nach Abklingen der Lokalanästhesie erneut stärkste Schmerzen im Bereich des rechten Unterkiefers auf, die trotz Einnahme von Ibuporofen, Metamizol sowie Tilidin nicht in den Griff zu bekommen waren. Als Anästhesist und Intensivmediziner kenne ich mich mit Schmerztherapie und Leitungsanästhesie extrem gut aus und es war mir sofort klar, dass eventuell nicht der für die Schmerzen ursächliche Zahn behandelt wurde.
Nach einer aufgrund von Schmerzen durchwachten Nacht habe ich am darauffolgenden Freitag 22.Mai einen Notfalltermin bei meinem Zahnarzt bekommen. Im initial vor Behandlung durchgeführten Röntgenbild war einerseits zu erkennen, dass die Füllung des von der Notdienstzahnärztin behandelten Zahnes bis in den Knochen reichte, andererseits der benachbarte Zahn (46) mit großer Füllung und apikaler Karies vermutlich die Ursache der Schmerzen war.
Kurz zusammengefasst kam es seit der Behandlung am 21. Mai zu 4 weiteren schmerzhaften und länger dauernden zahnärztlichen Behandlungen. Bei dem von der Notdienstzahnärztin behandelten Zahn wurde durch das zu tiefe Eingehen mit dem Bohrer eine kompletten Durchtrennung der Zahnwurzel im Sinne einer Separation mit Freilegung des Knochens verursacht. Aufgrund dieser Tatsache und der möglichen Infektionsgefahr habe ich bereits ab dem 22. Mai für 7 Tage Antibiotika verordnet bekommen. Seit Mittwoch vergangener Woche ist durch die mikroskopische Begutachtung des Zahnschadens sicher, dass der Zahn aufgrund der Größe des Defektes nicht erhalten werden kann. Deshalb wird dieser nun am kommenden Mittwoch, 10. Juni entfernt und im Intervall von ca. 3 Monaten ein Implantat incl. Krone eingepasst.

Desweiteren bin ich durch eine durch die Zahnbehandlungen und eventuell mögliche entzündliche Veränderung im apikalen Bereich des fehlbehandelten Zahnes aufgetretene Kieferklemme mit einer Mundöffnung von ca. 1 cm und stärksten einschießenden Schmerzen extrem beeinträchtigt, so dass ich seit dem 03. Juni bis voraussichtlich 14. Juni arbeitsunfähig bin. Am Samstag war aufgrund der nicht zu ertragenden Schmerzen eine Konsultation des kassenärztlichen Notdienstes im Klinikum notwendig. Auch erfolgte an diesem Tag die Konsultation eines Schmerztherapeuten sowie eines bekannten Professors für MKG-Chirurgen der mir die erneute Einnahme von Antibiotika verordnet hat.

Nun meine Frage, welche Summe kann ich neben dem geforderten Schadenersatz für weiterführende Behandlungen von der gegnerischen Haftpflichtversicherung für den Zahnschaden- bzw. Zahnverlust einfordern? Die Meldung des Schadens ist durch die Notdienstzahnärztin bei ihrer Versicherung bereits erfolgt.

Herzlichen Dank für ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. J. R.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Was Sie durchmachen (mussten), ist wirklich schlimm, und ich gehe davon aus, dass Ihnen ein Schmerzensgeldanspruch zusteht.
Das Zusprechen von Schmerzensgeld gelingt allerdings in der Regel nur im gerichtlichen Verfahren. Zu unwägbar und subjektiv sind die Voraussetzungen, abgesehen von der grundsätzlichen Problematik, Schmerzen mittels Geldzahlungen zu kompensieren.

Daher kann ich Ihnen nur Anhaltspunkte anhand von Urteilen (aus jüngerer Zeit) geben, aus denen Sie die annähernde Höhe eines möglichen Schmerzensgeldes ableiten können:

Landgericht Frankfurt (Oder), Urteil vom 1. Dezember 2019, Az.: 11 O 309/11 ): 10.000 € wegen langwieriger, schmerzhafter Behandlung nach groben Fehlern und Uneinsichtigkeit der behandelnden Zahnärztin

OLG München, Endurteil vom 14.09.2016 – 3 U 753/13 : 3.000 € wegen Nervschädigung

Landgericht Köln, Urteil vom 06.09.2016, Az.: 3 O 147/16: 8250 € wegen Zahnverlustes aufgrund schlecht eingepasster Brücke

LG Berlin, Urteil vom 13. 06.2011, 13 b O 49/11: 1.500 € wegen unterlassener Nachsorge nach schmerzhafter Wurzelbehandlung

OLG Koblenz, Urteil vom 19.06.2007, 5 U 467/07 : 6.000 € wegen schadhafter Prothese

OLG Koblenz, Urteil vom 15.11.2006, 5 U 159/05 : 7.000 € wegen mangelhafter Ausführung einer Überkronung

Wie gesagt, Genaueres lässt sich nicht vorhersagen. Sie können (über Ihren Anwalt) einen Betrag nennen, den Sie für angemessen halten, aber letztlich werden Sie um ein Sachverständigengutachten nicht herumkommen.

Wenn noch etwas unklar geblieben ist, fragen Sie bitte nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 09.06.2020 | 19:27

Welche Schmerzensgeldsumme würden sie der Gegenseite als Angebot unterbreiten ?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 09.06.2020 | 19:39

Sehr geehrter Fragesteller, angesichts dessen, dass Sie ja nur aufgrund der fehlerhaften Behandlung durch die Notzahnärztin diese ungeheuren Schmerzen sowie den Verlust des Zähne erleiden mussten, würde ich bei 8.000 € anfangen und im (wohl unvermeidlichen) Verhandlungswege bis 6.000 € "runtergehen". In Deutschland sind Schmerzen "nichts wert", das ist ein Skandal, auch wenn man die in den USA üblichen Exaltationen nicht befürwortet. Hier muss sich die (gerichtliche) Praxis ändern, das kann man aber nur im Einzelfall machen, aber um den geht es ja schließlich. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat die Notfallärztin versagt, weil sie nicht den richtigen Zahn lokalisiert hat. Das empfinde ich schon als "dicken Hund". Auch im Notfall muss man sich auf die Expertise des Arztes verlassen können und darauf, dass lege artis agiert wird. Ich bin insofern ein Verfechter einer angemessenen Satisfaktion, aber ich weiß auch, dass es schwer werden wird und es leider sehr stark auf den Gutachter ankommt.
Nochmals alles Gute!
EvD

Bewertung des Fragestellers 10.06.2020 | 08:48

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Sehr rasche und ausführliche Antwort, in der alle offenen Fragen sehr präzise beantwortet wurden. Ich bin absolut begeistert von Frau v. Dorrien und würde wenn möglich noch einen Stern mehr geben. Absolut top!

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Stellungnahme vom Anwalt:

Ich danke Ihnen sehr für Ihre freundliche Bewertung und hoffe, dass Sie Ihnen nützlich ist!