Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Familienheimfahrten & doppelte Haushaltsführung für Eheleute im elterlich. Eigenheim

16.01.2011 15:18 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Mein Mann und ich arbeiten und wohnen seit 2 Jahren beide in LB und sind dort auch hauptwohnsitzlich gemeldet.

Alle 2 Wochen und im Urlaub fahren wir nach E (500km) um dort meine Eltern, Familie und Freunde zu sehen. In E haben meine Eltern ein Eigenheim, in dem wir 2 Zimmer bewohnen, uns Küche, Bad, etc. aber mit meinen Eltern teilen.

Da wir erst 2010 geheiratet haben, konnte ich für 2009 noch die Familienheimfahrten von LB nach E steuerlich geltend machen.
Damit wäre nun meine erste Frage, ob ich diese Familienheimfahrten auch nach unserer Hochzeit (also ab Mai 2010) noch geltend machen kann.
Ich habe gelesen, dass diese Regelung angeblich nur für Alleinstehende gilt... Für mich persönlich hat sich jedoch trotz der Eheschließung nichts an meiner engen persönlichen Verbindung zu meiner ursprünglichen Heimat und meinen Eltern geändert, sodass ich nach wie vor meinen Lebensmittelpunkt in E sehe und damit auch alle meine Familienheimfahrten in 2010 ansetzten würde. Da mein Ehemann mit mir nach Hause gefahren ist, würden wir die Fahrten dann auch doppelt - also beide - ansetzen.
Wie sehen Sie diesen Sachverhalt - können wir die Fahrten geltend machen oder gibt es Regelungen, die uns den Anspruch darauf aberkennen würden?


In diesem Jahr verändert sich unsere Situation zudem noch ein wenig mehr - wir werden beide berufsbedingt von LB. nach H. ziehen. Die Entfernung zum Eigenheim meiner Eltern verringert sich dann auf 200km, sodass wir planen, noch häufiger (wöchentlich) dort hin zu fahren, weil nun mal dort meine Familie, gemeinsame Freunde und (Schwieger-)Eltern leben.

Als einziges Kind meiner Eltern wird das Haus später zu meinem Eigentum, sodass ich also auch zukünftig Besitzstand in E. haben werde.

Unser Ziel ist deshalb, bereits heute unseren gemeinsamen Hausstand (Familienwohnung) dort hin zu verlegen, da wir ohnehin regelmäßig vor Ort sind und uns bereits heute nachweisbar an den entstehenden Kosten und Arbeiten am Haus beteiligen. Ich sehe damit unseren Lebensmittelpunkt in E. Ich möchte aber nochmals wiederholen, dass wir dort momentan keine eigene Wohnung (abgeschlossen, mit Sanitäranlage und Küche) bewohnen, sondern lediglich 2 Zimmer. Das entsprechende Urteil vom Bundesfinanzhof (21.4.2010, VI R 26/09 ), dass dazu etwas sagt, bezieht sich aber leider wieder nur auf einen alleinstehenden Arbeitnehmer...

Deshalb meine Frage - ist aus Ihrer Sicht diese Argumentation, dass in E unser Lebensmittelpunkt ist/ sein wird trotzdem zulässig?

Falls die fehlende Wohnung ein Problem für unser Konstrukt darstellen sollte, wären wir auch bereit, einen Ausbau im Haus vorzunehmen, sodass eine abgeschlossene Wohnung entsteht. Würde das ggf. etwas an der Situation ändern?

Ich hoffe auf Ihre fachkundige Unterstützung und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich beantworte Ihre Frage aufgrund Ihrer Angaben wie folgt:

Durch die Heirat hat sich ihr Hausstand nach LB verlegt. Damit können Sie wegen doppelter Haushaltsführung keine Werbungskosten geltend machen.

Die Werbungskosten i.S.d. § 9 Abs. 1 S.3 Nr. 5 S.1 setzt voraus, dass der Stpfl. an einem anderen Ort als an seinem Beschäftigungsort einen eigenen Hausstand unterhält. Dies fordert Innehaben einer Wohnung. Das Unterhalten eines eigenen Hausstandes ist mehr als das Vorhalten einer Wohnung für Besuche oder Ferienaufenthalte. Die Wohnung muss zumindest Küche oder eine Kochgelegenheit haben(FG München vom 27.05.2008). Die Wohnverhältnisse könne auch sehr einfach sein sein(BFH Az.: VI R 82/02 ).

Sie können zwar die Wohnung insoweit ausbauen oder ausstatten, das wird aber nicht nützen, weil sie sich an Ihrem Beschäftigungsort mit Ihrem Ehemann aufhalten.

Um die Annahme zu rechtfertigen, die Arbeitnehmerin unterhält trotz ihrer Wohnes am Beschäftigungsort einen eigenen Hausstand in einer anderen Wohnung, muss sich diese als Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen darstellen(BFH Az.: VII R 10/07 ). Bei verheirateten Arbeitnehmern ist Lebensmittelpunkt regelmäßig der Aufenthalts- und Wohnort der Familie(Familienhausstand) (BFH 6 R 5/88).
Ihr Aufenthaltsort ist LB, weil Sie dort über 183 Tage im Jahr verbringen. Sie wohnen auch dort.

Ausnahmen können sich nur bei Aufhebung der Ehegemeinschaft oder beim Zusammenleben mit einem anderen Partner in einem anderen Ort ergeben(BFH Az. VI R 60/05 ). Das bedeutet für Sie und Ihren Ehemann, dass sie einen Hausstand in LB haben, weil diese Ausnahme hier nicht eingreift.

Leben berufstätige Ehegatte am Beschäftigungsort in einer gemeinsamen Wohnung und behalten sie an ihrem Heimatort ursprüngliche eigenen Immobilie bei, die sie an den Wochenenden aufsuchen, befindet sich der Haupthausstand am Beschäftigungsort(FG Hamburg vom 06.11.2007, Kirchhof/ von Beckerath, EStG, § 9 Rn. 74).

Auch danach ist Ihr Hausstand in LB. Somit können Sie keine Aufwendungen für Heimfahrten geltend machen, anderes als Alleinstehende.

Das war eine erste Einschätzung der Rechtslage.

Rückfrage vom Fragesteller 16.01.2011 | 19:12

Sehr geehrter Herr Koca,

Ihre Ausführungen sind mir an manchen Stellen nicht ganz nachvollziehbar bzw. hatte ich meine Fragen eventuell auch nicht ganz präzise gestellt, sodass ich gerne nochmals auf die Rückfrageoption zurück greifen möchte.
Meine erste Frage bezog sich auf die Aufwendungen, die mir für die Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte entstehen.
Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, können nach § 9EStg, Satz 4 Fahrtkosten zwischen der weiter entfernt liegenden Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte berücksichtigt werden, sofern die weiter entfernt liegende Wohnung den Mittelpunkt der Lebensinteressen bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird. Da wir Stand heute alle 2 Wochen diese Fahrten durchführen, ist das doch auch ein Indiz dafür, dass dort unser Lebensmittelpunkt ist. Würde das nicht ausreichen, um die regelmäßigen Fahrtkosten zwischen der Wohnung in E nach LB zu begründen?
Unter § 9EStg, Satz 5 heißt es dann weiter, dass auch Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung geltend gemacht werden können. Ich war bis jetzt der Meinung, dass doppelte Haushaltsführung (unter Satz 5, §9 EStg) und die Fahrtkosten zw. Wohnung und Arbeitsstätte (unter Satz 4, §9 EStg) zwei verschiedene Dinge sind.
Somit wären wir bei meiner 2. Frage – dem eigenen Hausstand
Sie sagen: [… ] setzt voraus, dass der Stpfl. an einem anderen Ort als an seinem Beschäftigungsort einen eigenen Hausstand unterhält. Dies fordert Innehaben einer Wohnung […] .
Wenn wir nun einen Ausbau vornehmen, handelt es sich um eine solche Wohnung .
Sie schrieben weiter :" Leben berufstätige Ehegatte am Beschäftigungsort in einer gemeinsamen Wohnung und behalten sie an ihrem Heimatort ursprüngliche eigenen Immobilie bei, die sie an den Wochenenden aufsuchen, befindet sich der Haupthausstand am Beschäftigungsort(FG Hamburg vom 06.11.2007, Kirchhof/ von Beckerath, EStG, § 9 Rn. 74)."
Ich habe mir das Urteil durchgelesen und kann ihre Argumentation nicht nachvollziehen.
Zusammenfassend beinhaltet das Urteil die Aussage, dass wenn beide Ehegatten berufstätig sind und eine gemeinsame Wohnung am Beschäftigungsort haben, kommt eine doppelte Haushaltsführung nur in Betracht, wenn die bisherige Wohnung am Heimatort auch weiterhin als Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen anzusehen ist. Indizien dafür sind die Größe und Ausstattung der Wohnung, das Vorhandensein sanitärer Anlagen, Anzahl der Heimfahrten, etc.
Wenn wir wöchentlich nach Hause fahren, eine eigene Wohnung besitzen und uns auch sonst beide zusammen dort aufhalten, sollte doch eine doppelte Haushaltführung zu begründen sein?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 16.01.2011 | 21:14

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich beantworte Ihre Nachfrage wie folgt:

Sie haben zuerst folgendes gefragt: "Damit wäre nun meine erste Frage, ob ich diese Familienheimfahrten auch nach unserer Hochzeit (also ab Mai 2010) noch geltend machen kann." Jetzt haben Sie das verdeutlicht wie folgt: "Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, können nach § 9EStg, Satz 4 Fahrtkosten zwischen der weiter entfernt liegenden Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte berücksichtigt werden, sofern die weiter entfernt liegende Wohnung den Mittelpunkt der Lebensinteressen bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird. Da wir Stand heute alle 2 Wochen diese Fahrten durchführen, ist das doch auch ein Indiz dafür, dass dort unser Lebensmittelpunkt ist. Würde das nicht ausreichen, um die regelmäßigen Fahrtkosten zwischen der Wohnung in E nach LB zu begründen?"

Nein.

Gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 3 Aufwendungen für die Wege vom Beschäftigungsort zum Ort des eigenen Hausstands und zurück (Familienheimfahrten) können jeweils nur für eine Familienheimfahrt wöchentlich abgezogen werden. Nach Satz 4 wird dann die Höhe der Werbungskosten hierfür bestimmt. Sie wäre für jeden Stpfl. geltend zu machen, wer die Kosten der Doppelführung hätte.

Ihr Beschäftigungsort ist LB und Ihr Hausstand ist nach der Heirat auch dort. Ich habe das schon ausgeführt.

Ich gehe davon aus, dass Sie vom Urteil vom 30.10.2008 sprachen.

BFH, Urteil vom 30.10.2008 - VI R 10/07

Der Hausstand i.S. von § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG ist der Haushalt, den der Arbeitnehmer am Mittelpunkt seiner Lebensinteressen führt, also sein Haupt- bzw. bei Ehegatten der Ehegatten- oder Familienhausstand (BFH-Urteile vom 14. Juni 2007 VI R 60/05 , BFHE 218, 229 , BStBl II 2007, 890 ; vom 9. August 2007 VI R 10/06 , BFHE 218, 380 , BStBl II 2007, 820 ). Eine doppelte Haushaltsführung ist nicht gegeben, wenn der Beschäftigungsort der Lebensmittelpunkt ist. Ob der Hausstand gegenüber der Wohnung am Beschäftigungsort der Lebensmittelpunkt bzw. der Ort ist, an dem die Ehegatten in häuslicher Gemeinschaft i.S. des § 1353 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zusammenleben, erfordert eine Abwägung und Bewertung aller Umstände des Einzelfalls. Indizien können sich aus einem Vergleich von Größe und Ausstattung der Wohnungen sowie aus Dauer und Häufigkeit der Aufenthalte in den Wohnungen ergeben (BFH-Urteil vom 4. November 2003 VI R 170/99 , BFHE 203, 386 , BStBl II 2004, 16 , m.w.N.).

Indizien sind Größe und Ausstattungen der Wohnungen. Es kommt darauf an, welche Wohnung besser ausgestattet ist und welche größer ist, wie häufig Sie jeweils dort sind. Die Hauptwohnung wird besser ausgestattet sein. Wie Ihre Wohnung in LB ausgestattet ist, weiß ich nicht, so kann ich diese Wohnungen auch nicht vergleichen.

Es müsste nach Stand der Dinge offensichtlich sein, dass dort nicht der Lebensmittelpunkt in E sein kann, insbesondere nicht für Ihren Ehemann. Wenn Sie wöchentlich hin fahren, wären Sie 8 Tage monatlich dort, bzw, jeden Tag an dem Sie nicht beschäftigt sind. Das wäre ein Indiz. Sie müssten die Wohnung ferner so ausstatten, dass die Wohnung in E auch so für einen Dritten besser und komfortabler aussieht, und die in LB schlechter aussehen lässt.

Die Regel besagt, dass der Haupthausstand in LB ist, eine Ausnahme zu begründen, hängt von weiteren Umständen ab. Es wäre unter Umständen denkbar, dass der Wohnort in E als der Haupthausstand anerkannt wird. Diese liegen zurzeit nicht vor.

Da Sie lediglich weitere Tage an Ihrem Heimatort verbringen werden und eine Küche und Bad ausbauen wollen, wird an sich nicht ausreichen. Das Finanzamt hätte alles verglichen und gesagt, welche Wohnung eher die Hauptwohnung ist. Dann drängt sich natürlich auch die Frage auf, ob Sie diese wöchentliche Fahrten auch mit einem eventuellen Nachwuchs einhalten können, und wie lange Sie unter diesen Umständen die Haushalte führen könnten.

Ich hoffe, dass dies jetzt ausreichend geklärt worden ist.



Ergänzung vom Anwalt 16.01.2011 | 17:00

Sämtliche Verweise auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes sind aus dem EStG-Kommentar von Kirchhof/ Bearbeiter: von Beckerath, , § 9 Rn. 72- 74, sowie die Ausführungen im obigen Text übernommen.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 16.01.2011 | 17:03

Richtig wäre es gewesen:

Sämtliche Verweise auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes sowie die rechtlichen Ausführungen im obigen Text sind aus dem EStG-Kommentar von Kirchhof/ Bearbeiter: von Beckerath, , § 9 Rn. 72- 74 übernommen.

Ergänzung vom Anwalt 16.01.2011 | 17:31

Ich habe jetzt verweise überprüft und ergaben sich folgende Abweichungen:

BFH 6. Senat Urteil vom 30.10.2008,
Aktenzeichen: VI R 10/07 ( nicht VII R 10/07 )

BFH 6. Urteil vom 27.07.1990 Aktenzeichen: VI R 5/88 (nicht 6 R 5/88).



FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 90319 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle Antwort, auch bei der Nachfrage, alles beantwortet! Super ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnell und gut ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
alles gut ...
FRAGESTELLER