Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Fall von Verbrauchertäuschung?

| 28.02.2014 11:42 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Zusammenfassung:

Auch bei einem Gebrauchtwagenkauf, hält nicht jeder Gewährleistungsausschluss. Insbesondere bei zurück gedrehten Tachos bestehen gute Chancen zur Rückabwicklung des Vertrages.

Ich habe im Dezember 2011 einen Gebrauchtwagen BMW X5 gekauft mit einem km-Stand von 135.000 km und einer Gesamtlaufleistung lt. Vorbesitzer von 135.000 km. Die Anzeige fand ich im Internet bei mobile.de und in der Anzeige war in Form von Fotos dargestellt, das sich der Gebrauchtwagen bei einem "Autohaus BMW Service Sch." befindet. Weiterhin wird auch als Link auf die Internetseite und den Fahrzeugbestand dieses Autohauses verwiesen, bei diesem Fahrzeugbestand war auch der von uns im späteren gekaufte PKW aufgelistet.

Es gab gleich nach dem Kauf Ärger mit den Bremsen und der Fahrersitzheizung. 3 Wochen nach dem Kauf wurden die Bremsen in einem richtigen Vertragsautohaus von BWM vorn komplett erneuert, weil dies sicherheitsrelevant gewesen war.

Ein Brandfleck im Leder der Sitzfläche wurde mir als "Zigaretten-Brandfleck" verkauft und hingenommen. In Wahrheit wurde aber die Sitzheizung an dieser Stelle so heiß, das man sich richtig die Oberschenkel verbrannt hat.
Vom Autoverkäufer wurde abgewiegelt, es sei ein "Gewerbekauf o. Gewähr" , ausserdem hätte der BMW Service Sch. als Autohaus damit nichts zu tun, weil der Verkäufer "Sch. und S. Handels GmbH" sei, die nur im gleichen Autohaus sitzen. (die beiden Namen "Sch." sind identisch)

Damals habe ich die Sache nicht weiter verfolgt.

Nun mußte im November+Dezember 2012 eine größere Reparatur des Bremssystems durchgeführt werden, es wurde alle Bremsleitungen wegen Verrottung ausgetauscht und der Bremskraftverstärker wegen Wasser und Rost im Inneren getauscht - Kosten 3.507,00 € zzgl. Nutzungsausfall.
Darauf hin schrieb ich den BMW Kundenservice bei Hersteller BMW an, wie das denn bei einem 6 Jahre alten Auto, vor allem BMW, sein kann und ob es eine Kulanzregelung geben kann.

Der BMW Kundenservice antwortete mir darauf hin am 06.02.2014 schriftlich, das nach Ihren Informationen aus der Fahrzeug-Historie mit dem Auto erheblich mehr km zurückgelegt worden sein müssen, als von mir bei der letzten Reparatur im Dezember 2012 angegeben worden ist.

Darauf hin fuhr ich zu Werksvertretung/Niederlassung von BMW in B. und dort zeigte man mir die Fahrzeughistorie, in der zu erkennen war, das der km-Stand sich im Juli 2009 bei 125.000 befand, was auch mit der Aussage von der GTÜ in Stg. übereinstimmt, denn dort wurde im Auftrag der "Sch. und S. Handels GmbH" als HALTER die damalige Hauptuntersuchung im August 2009 neu gemacht mit 125.200 km.
Im Oktober 2009 sprang dann laut BMW Fahrzeug-Historie der km-Stand plötzlich wieder auf 52.350 km und stieg dann wieder kontinuierlich bis zu den 135.000 km an, die in meinem Kaufvertrag stehen. Es fehlen also ca. 73.000 km.

Das Auto wurde im August 2009 nach der Hauptuntersuchung an einen Geschäftsführer der Eurof. GmbH verkauft, der das Auto dann 2 Jahre und 3 Monate gefahren ist, bis November 2011 und unsere Firma, als ich, hat diesen Wagen dann im Dezember 2011 wie gesagt mit 135.000 km gekauft.

Das Auto hat also der gleiche Händler "Sch. und S. Handels GmbH" wieder angekauft und mir dann gekauft.
Es muß also zumindest geahnt haben, das der km-Stand nicht stimmen konnte und hätte eine tiefgründigere Begutachtung durchführen müssen, weil er wußte das das Auto auch in der Türk. war und die gefahrenen 9.800 km in 2 Jahren und 3 Monaten nie stimmen konnten.

Nach meinem Telefonat mit diesem Vorbesitzer hat sich herausgestellt, das dieser türk. Geschäftsführer der Eurof. GmbH den türk. Geschäftsführer der "Sch. und S. Handels GmbH" persönlich kannte und auch den damaligen Autoan- und verkäufer und das das Auto große Probleme hatte und in der Türkei war.

Jetzt meine Fragen.

1.
Ist es Verbrauchertäuschung, wenn ich aufgrund der äußeren Form einer Gebrauchtwagenanzeige im Internet (siehe ganz oben) und wegen meines eigenen Willens, einen Gebrauchtwagen nur bei einem BMW Service zu kaufen, durch "Vorspielung" falscher Tatsachen und durch Unterlassung der Aufklärung, mich in meiner Kaufabsicht negativ zu beeinflussen?
Der zustande gekommene Kaufvertrag wurde mit einem Stempel "Sch. und S. Handels GmbH - BMW Gebrauchtfahrzeuge" abgestempelt, wobei hier auch noch der Schriftzug des ersten Namens "Sch." exakt genau so aussah, wie der Namenszug "BMW Service Sch." auf der Internetseite des Autohauses.
Anschrift und Adressen waren gleich. Der Schreibtisch des Autoverkäufers befand sich mitten in den Ausstellungsräumen des Autohauses.
Ich hatte keine Ahnung, das der Verkäufer nicht das Autohaus selbst war.

2. Haftet der Geschäftsführer des Autohauses "BMW Service Sch." genauso wie der Geschäftsführer der "Sch. und S. Handels GmbH" (Verkäufer), weil in seiner Werkstatt zumindest der gekaufte Wagen Auslieferungsfertig gemacht wurde ( und zwar sehr schlecht) und weil er in irgendeiner Art und Weise an dem km-Standsbetrug durch Beihilfe/Unterlassung mitgewirkt haben könnte?

Es steht fest, das ich den Wagen zurückgeben werde und den Kaufvertrag rück abwickeln möchte inkl. Schadensersatz.
Anzahlung, monatliche Darlehns-Raten und Werkstattkosten zzgl. Zinsen;
Zulassungsgebühren;
Gewinnausfall für unseren Geschäftsführer wegen Recherchearbeiten und Gutachten, Werkstattbesuche/-gespräche;
Nutzungsausfallkosten während der Werkstattauffenthalte des Autos;
(alle Reparaturen waren altersbedingt und auf den hohen tatsächlichen km-Stand zurückzuführen)
kommende Kosten für unseren Steuerberater, der das Auto wieder ausbuchen muß;
Vermögensfolgeschaden;
Schmerzensgeld für meine Frau und mich, weil wir uns anfangs ca. 3 Mal die Oberschenkel auf dem Fahrersitz durch die Sitzheizung verbrannt haben und danach den betreffenden Knopf mit einem roten Klebeband gegen Benutzung verdeckt haben.

3.
Gäbe es noch mehr rechtmäßige Schadensersatzansprüche, z.B. die gezahlten Steuern und Versicherungsprämien?

Mit freundlichen Grüßen
A. M.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich werde nicht sofort auf Ihre Fragen eingehen, sondern Ihnen erst einmal die in Betracht kommenden Ansprüche Ihrerseits erläutern. Ihre Fragen werden in dieser Darstellung enthalten sein, ich werde Sie aber auch am Ende noch einmal zusammenfassend beantworten. Ferner wirft Ihr Fall einige juristische Probleme auf, die Sie zwar nicht erfragt haben, auf die es aber hinzuweisen gilt.

I. Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Autos

Zunächst kommt ein Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises und Rückgabe des Autos aus § 346 BGB: Wirkungen des Rücktritts I, § 437 BGB: Rechte des Käufers bei Mängeln , § 434 BGB: Sachmangel , § 433 BGB: Vertragstypische Pflichten beim Kaufvertrag in Betracht.

1. Das setzt zunächst einen Rücktrittsgrund voraus. Dieser kann in den verschiedenen von Ihnen geschilderten Mängeln bestehen, da Mängel ein gesetzlichen Rücktrittsgrund darstellen können (§ 437 Nr. 2).

Am einfachsten wird es hier sein, auf den zurück gedrehten Wegstreckenzähler abzustellen, der einen unbehebbaren Mangel darstellt.

Ein Mangel ist grob gesagt, die Abweichung des Ist-Zustandes vom Soll-Zustand der Kaufsache, § 434 BGB: Sachmangel . Das Fahrzeug sollte eine Laufleistung von 135 T Km haben, hat aber tatsächlich eine viel höhere. Diese Abweichung muss auch im Zeitpunkt des Übergabe des Fahrzeugs vorgelegen haben, der Jurist spricht hier von Gefahrübergang. Aber auch das ist hier der Fall.

2. Falls ein Mangel vorliegt, ist dem Verkäufer normalerweise zuerst eine Frist zu Behebung des Mangels zu setzen, bevor man vom Vertrag zurücktreten kann, § 323 BGB: Rücktritt wegen nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachter Leistung . An dieser Stelle sehen Sie schon, warum es einfach ist, auf die Fahrleistung abzustellen, als auf die defekten Bremsen, oder die Sitzheizung. Die Fahrleistung kann der Verkäufer nämlich nicht "nachbessern" (Der Versuch den Wegstreckenzähler zurück zu drehen, ist kein geeignetes Mittel).
Falls aber die Nachbesserung unmöglich ist, könnte der Verkäufer noch versuchen, Nachzuerfüllen. Aber auch das wird bei diesem Fahrzeug ausscheiden. Bei Gebrauchtwagen ist zwar nicht von vornherein auszuschließen, dass eine geschuldete Sache geliefert werden kann.

Der Bundesgerichtshof führt hierzu aus (BGH <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%2007,%201346" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 29.11.2006 - VIII ZR 92/06: Begriff der Übernahme der Garantie für die Beschaffenheit eine...">NJW 07, 1346</a>):
"Die weitere Voraussetzung des Rücktritts nach § 437 BGB: Rechte des Käufers bei Mängeln , § 326 BGB: Befreiung von der Gegenleistung und Rücktritt beim Ausschluss der Leistungspflicht , dass der Verkäufer
nach § 275 BGB: Ausschluss der Leistungspflicht nicht zu leisten braucht, ist erfüllt, weil es sich bei der Abweichung zwischen
der vereinbarten und der tatsächlichen Laufleistung um einen unbehebbaren Mangel handelt. Die Nachlieferung eines anderen, gleichwertigen Motorrads scheidet zwar nicht schon deshalb aus, weil es sich um einen Stückkauf handelt. Jedoch ist beim Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs die Lieferung eines gleichwertigen Ersatzfahrzeugs nur ausnahmsweise möglich ..."

Das wird in der Regel aber nicht vorliegen, könnte aber bei entsprechendem Vortrag der Gegenseite problematisch werden. Dazu müsste aber substantiiert vorgetragen und bewiesen werden, dass ein solches Auto zur Verfügung stünde.

Da folglich sowohl die Nachbesserung als auch die Nachlieferung unmöglich sind, müssen Sie auch keine Frist zu Nacherfüllung, § 326 BGB: Befreiung von der Gegenleistung und Rücktritt beim Ausschluss der Leistungspflicht setzen.

3. Da bei Ihnen wohl die Gewährleistung ausgeschlossen wurde, müsste man vor allem anhand des Kaufvertrages prüfen, in wie weit dieser Ausschluss bestand hat. Ist die Laufleistung im Vertrag angegeben, wird aber nach oben zitiertem Urteil womöglich davon auszugehen sein, dass der Ausschluss sich gerade nicht auf die Laufleistung bezieht, das wäre der einfachste Weg. Würde dieser scheitern, könnte man, als zweite Angriffsreihe hier § 444 BGB: Haftungsausschluss anführen:

"§ 444 Haftungsausschluss
Auf eine Vereinbarung, durch welche die Rechte des Käufers wegen eines Mangels ausgeschlossen oder beschränkt werden, kann sich der Verkäufer nicht berufen, soweit er den Mangel arglistig verschwiegen oder eine Garantie für die Beschaffenheit der Sache übernommen hat."

Beide Alternativen wären hier zu prüfen. Das Problem an der Arglistigkeit ist, dass Sie dafür beweispflichtig sind. Sie müssen also beweisen, dass der Verkäufer vom manipulierten Wegstreckenzähler gewusst hat (nicht: "hätten wissen können" das reicht nicht). Indizien können dafür ausreichen, aber auch hier bestünde eine prozessuale Unsicherheit. Ich gehe jedoch davon aus, dass mittels der von Ihnen ermittelten Umstände ein Beweis gelingen kann. Auch eine Garantieübernahme kommt in Betracht:

Aus dem obigen Urteil des BGH:
"Die Frage, ob Angaben des Verkäufers zur Laufleistung eines gebrauchten Kraftfahrzeugs lediglich als Beschaffenheitsangabe (§ 434 BGB: Sachmangel ) oder aber als Beschaffenheitsgarantie (§ 444 BGB: Haftungsausschluss ) zu werten sind, ist unter Berücksichtigung der beim Abschluss eines Kaufvertrags über ein Gebrauchtfahrzeug typischerweise gegebenen Interessenlage zu beantworten. Beim Privatverkauf eines Gebrauchtfahrzeugs ist die Angabe der Laufleistung in der Regel lediglich als Beschaffenheitsangabe und nicht als Beschaffenheitsgarantie zu verstehen. Von einer stillschweigenden Garantieübernahme kann beim Privatverkauf eines Gebrauchtfahrzeugs nur dann ausnahmsweise auszugehen sein, wenn über die Angabe der Laufleistung hinaus besondere Umstände vorliegen, die beim Käufer die berechtigte Erwartung wecken, der Verkäufer wolle für die Laufleistung des Fahrzeugs einstehen. Alleine die Besonderheiten des Kaufs über das Internet mittels eines von eBay zur Verfügung gestellten Bietverfahrens rechtfertigen diese Annahme nicht."

Ich halte es für überwiegend wahrscheinlich, dass aus einem der genannten Gründe ein Gewährleistungsausschluss nicht hinsichtlich der Laufleistung eingreift.

Zuletzt in diesem Sinne OLG Düsseldorf <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202013,%20761" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Düsseldorf, 15.11.2012 - 3 W 228/12: Haftung eines Kfz-Händlers für die in einer Internetan...">NJW-RR 2013, 761</a>-763.

4. Schließlich müssten Sie den Rücktritt auch noch erklären.

Nach all dem haben Sie einen Anspruch auf Rückzahlung des vollen Kaufpreises.

II. Ansprüche auf Schadensersatz

Aus der niedrigeren Laufleistung folgen auch Schadensersatzpflichten des Verkäufers, da ein Mangel eine Pflichtverletzung darstellt und die Nacherfüllung, wie Sie oben sehen können, unmöglich ist. Der Anspruch auf Schadensersatz folgt damit aus: § 280 BGB: Schadensersatz wegen Pflichtverletzung , 3, § 283 BGB: Schadensersatz statt der Leistung bei Ausschluss der Leistungspflicht , § 437 BGB: Rechte des Käufers bei Mängeln . Hier können Sie die Differenz verlangen, die anfällt, wenn Sie ein Fahrzeug, wie es im Kaufvertrag vereinbart wurde, zu einem höheren Preis anschaffen müssen. Auch kann hier der Gewinnausfall möglicherweise ersetzt verlangt werden.

Nicht als Schadensersatz können Sie hier geltend machen, die Darlehnsraten, die Zulassungs- und Versicherungskosten etc. Das liegt daran, dass der Schadensersatz Sie so stellen soll, wie Sie stünden, wenn der Verkäufer ordnungsgemäß erfüllt hätte. Dann wären all diese Kosten aber ebenfalls angefallen. Für alle weiteren Positionen die Sie genannt haben, wird sowieso eine detaillierte Aufstellung benötigt, so dass ich hier nur pauschale Angaben machen kann.

III Ansprüche auf Aufwendungsersatz
Um Ihnen den Schreck zu nehmen, der vermutlich beim Lesen des letzten Absatzes entstanden ist: Sie können, und das wird für Sie wohl günstiger sein, Darlehnskosten, Werkstattkosten, Steuern, Versicherung etc. (grob also alles was auch bei ordnungsgemäß Vertragserfüllung angefallen wäre) als vergebliche Aufwendungen nach § 284 BGB: Ersatz vergeblicher Aufwendungen ersetzt verlangen. Falls Sie sich für diese Alternative entscheiden, können Sie aber keinen Schadensersatz mehr verlangen. Das liegt daran, dass Sie sich sonst widersprüchlich verhalten würden. Sie können vom Verkäufer nur entweder verlangen, so gestellt zu werden, als hätte er ordnungsgemäß erfüllt (dann Schadensersatz) oder als hätten Sie nie mit ihm zu tun gehabt (dann Aufwendungsersatz).
Auch hier wird man sich jede einzelne Schadensposition (beziffert und genau beschrieben) anschauen müssen um am Ende eine Entscheidung zu treffen.

IV Schadensersatz wegen der Brandverletzung
Hinsichtlich der Brandverletzung werden Sie unabhängig von der oben dargestellten Entscheidung möglicherweise einen Anspruch auf Schadensersatz nach § 280 BGB: Schadensersatz wegen Pflichtverletzung haben. Dieser entfällt auch nicht durch die Wahl der Aufwendungen. Jedoch wird dieser Anspruch nur schwer durchzusetzen sein. Sie müssen nämlich genau darlegen und ggf. mittel Sachverständigen beweisen, welchen Umfang die Verletzungen hatten.

V Wer haftet?
Die Frage, wer der oben von mir immer nur Verkäufer Genannte, überhaupt ist, ist anders als Sie meinen nicht ganz so wichtig. Sie haben jedenfalls einen den Sie sicher auf Rückzahlung in Anspruch nehmen können:
Sch. und S. Handels GmbH. Dieser haben Sie ja auch den Kaufpreis überwiesen.
Es kann durchaus eine Irreführung darstellen, wenn nach all den äußeren Umständen eigentlich "Autohaus BMW Service Sch." auftritt. Hier müsste man sich aber die genauen Umstände des Einzelfalles anschauen. Günstigenfalls hätte man einen zusätzlichen Schuldner. Allein die Namen sind nach meiner Einschätzung jedoch noch nicht irreführend.

VI Strafrechtliche Fragen
1. Irgendjemand hat sich wohl wegen § 22b StVG: Missbrauch von Wegstreckenzählern und Geschwindigkeitsbegrenzern "Missbrauch von Wegstreckenzählern und Geschwindigkeitsbegrenzern" strafbar gemacht haben. Eine Beihilfe des Autohauses könnte in Betracht kommen. Hilft Ihnen bei der Rückabwicklung wenig. Mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft würde man aber wohl Ermittlungen auslösen, die für den Zivilprozess günstige Feststellungen treffen könnten.

2. Auch ein Betrug käme durchaus in Betracht, hier gilt ähnliches wie unter 1.

3. Eine anwaltlich vorbereitete Anzeige könnte also durchaus noch etwas bringen

VII Zusammenfassung
1. Sie haben gute Aussichten, sowohl den Kaufpreis zurück zu erlangen, als auch alle sonstigen vergeblichen Aufwendungen oder möglicherweise Schadensersatz (er auch unter engen Voraussetzungen Aufwendungen enthalten kann, was aber wiederum im Einzelfall geprüft werden müsste)

2. Zu Ihren Fragen:
Frage 1: Ob eine Täuschung vorliegt, kann hier abschließend anhand der gegebenen Informationen nicht beurteilt werden. Allein die verwendeten Namen deuten noch nicht in diese Richtung. Auch das sich beide Unternehmen am selben Ort befinden, ist noch nicht ausreichend.

Frage 2: Der Geschäftsführer der Sch. und S. Handels GmbH haftet in der Regel nicht, sondern die GmbH. Die Werkstatt des Autohauses haftet selbst womöglich auch nicht. Das Verschulden der Werkstatt wird sich aber die GmbH zurechnen lassen müssen, so dass diese letztlich für die Fehler der Werkstatt einzustehen hat.

Zu den aufgezählten Schadenspositionen (unter dem Vorbehalt der genauen Prüfung und Darlegung der Schadenshöhe):

Anzahlung, monatliche Darlehns-Raten und Werkstattkosten zzgl. Zinsen; (Kann als Aufwendungsersatz verlangt werden)
Zulassungsgebühren; (Kann als Aufwendungsersatz verlangt werden)
Gewinnausfall für unseren Geschäftsführer wegen Recherchearbeiten und Gutachten, Werkstattbesuche/-gespräche; (Kann als Aufwendungsersatz oder mglw. als Schadensersatz verlangt werden, bedarf aber einer noch genaueren Darstellung, welcher Gewinn da konkret entgangen ist)
Nutzungsausfallkosten während der Werkstattauffenthalte des Autos; (Kann unabhängig vom Aufwendungsersatz als Schadensersatz verlangt werden)
kommende Kosten für unseren Steuerberater, der das Auto wieder ausbuchen muß; (Kann als Aufwendungsersatz verlangt werden)
Vermögensfolgeschaden;(müssen genau beziffert werden können)
Schmerzensgeld für meine Frau und mich, weil wir uns anfangs ca. 3 Mal die Oberschenkel auf dem Fahrersitz durch die Sitzheizung verbrannt haben und danach den betreffenden Knopf mit einem roten Klebeband gegen Benutzung verdeckt haben.(Kann unabhängig vom Aufwendungsersatz als Schadensersatz verlangt werden)

Zu Frage 3: Ja auch die Steuern und die Versicherungsprämien können wohl als Aufwendungsersatz geltend gemacht werden.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 28.02.2014 | 13:57

Noch eine Ergänzung: Sollten Sie das Fahrzeug für Ihr Unternehmen angeschafft haben, wäre ggf. ein Ausschluss der Mängelrechte nach § 377 HGB zu erörtern:

§ 377 HGB
(1) Ist der Kauf für beide Teile ein Handelsgeschäft, so hat der Käufer die Ware unverzüglich nach der Ablieferung durch den Verkäufer, soweit dies nach ordnungsmäßigem Geschäftsgang tunlich ist, zu untersuchen und, wenn sich ein Mangel zeigt, dem Verkäufer unverzüglich Anzeige zu machen.
(2) Unterläßt der Käufer die Anzeige, so gilt die Ware als genehmigt, es sei denn, daß es sich um einen Mangel handelt, der bei der Untersuchung nicht erkennbar war.
(3) Zeigt sich später ein solcher Mangel, so muß die Anzeige unverzüglich nach der Entdeckung gemacht werden; anderenfalls gilt die Ware auch in Ansehung dieses Mangels als genehmigt.
(4) Zur Erhaltung der Rechte des Käufers genügt die rechtzeitige Absendung der Anzeige.
(5) Hat der Verkäufer den Mangel arglistig verschwiegen, so kann er sich auf diese Vorschriften nicht berufen.

Falls Sie dem nicht nachgekommen sind, was ich anhand Ihres geschilderten Falles nicht beurteilen kann, würden sich die oben dargestellten Mängelrechte nur dadurch retten lassen, dass der Verkäufer die Laufleistung arglistig verschwiegen hat. Darauf bin ich oben schon eingegangen.

Sollten Sie alle Mängel unverzüglich gerügt haben und das Fahrzeug ordnungsgemäß untersucht haben, ergeben sich keine Einschränkungen zu oben gesagtem.

Bewertung des Fragestellers 02.03.2014 | 10:23

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"

Danke für die umfangreichen Ausführungen, genauso hatte ich auch schon recherchiert. Ich hatte alle Mängel bereits schriftlich angezeigt und mit Hilfe vom BMW Werkskundendienst gehe ich davon aus, das es eine Einigung in meinem Sinne geben wird. Ansonsten melde ich mich bei Ihnen.

"