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Fahrtenbuch: Selbständig mit mehreren Filialen/Gewerbe und Wohnsitz in einer Filiale

02.03.2013 18:56 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Zusammenfassung: Qualifizierung eines Home Office als Betriebsstätte; Fahrten zwischen mehreren Betriebsstätten

Hallo,

folgender Sachverhalt:

Selbständiger Unternehmer mit 3 Betriebsstätten / 2 Gewerben, umsatzsteuerlich vereint.

Filiale 1: Hauptgewerbe bilanziert mit 1 weiteren Betriebsstätte
Filiale 2: Betriebsstätte des Gewerbe 1, in der Bilanz von 1 enthalten
Filiale 3: eigenes Gewerbe, gewerblicher Anteil im Wohnhaus des Unternehmers von wo er aus auch Arbeiten durchführt sowie per Homeoffice für die Filiale 1 arbeitet, es existiert eine eigene Gewerbeanmeldung mit GUV-Rechnung

Problemfall:
zu 70% arbeitet der Unternehmer für das Hauptgewerbe (Filiale 1), dies aber größtenteils vom Homeoffice aus, dazu ist der Unternehmer zu 60% in der Filale 3 ansässig (Gewerberäume im Haus)

Dennoch fährt er regelmäßig von der Filiale 3 (Haus) zu Filiale 1 für Kontrollzwecke.

Parallel fährt der Unternehmer auch Filiale 2 an, welche Betriebsstätte der Filiale 1 ist, aber örtlich woanders liegt.

Fragestellungen:
- Ist die regelmäßige Arbeitsstätte Filiale 1 oder 3? Zeitlich ist der Unternehmer zu 70% in Filiale 3, arbeitet aber für Filiale 1.

- Sofern der Unternehmer in Filiale 3 arbeitet, dann aber in Filiale 1 fährt, würde das Finanzamt "Wohnung => Arbeit" unterwerfen, liegt jedoch nicht eine Fahrt zwischen zwei Betriebsstätten vor oder gilt hier der Weg zur regelmäßigen Arbeitsstätte, egal ob der Unternehmer vorher 5h in Filiale 3 gearbeitet hat?

- Wenn der Unternehmer von der Wohnung oder Filiale 3 in die Filiale 2 fährt, liegt hier eine geschäftliche Fahrt vor, oder ist dies eine weitere Arbeitsstätte und damit "Wohnung=>Arbeit" (Urteil, dass nur eine regelmäßige Arbeitsstätte erlaubt ist?).

Ich finde kein Urteil, wo ein Unternehmer mit mehreren Filialen auch vom Wohnhaus aus gewerblich tätig ist und seine Filialen anfährt, welche Strecken dann gewerblich und welche privat als "Wohnung=>Arbeit" gelten.

Einsatz editiert am 04.03.2013 17:26:56

Einsatz editiert am 06.03.2013 08:10:22

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Zunächst ist zu klären, ob es sich bei Ihrer Filiale 3, also den Gewerberäumen, die Sie in Ihrem Haus bereithalten, um eine Betriebsstätte handelt. Hier hat der BFH mit Urteil vom 19.09.1990, Az.: X R 44/89 festgestellt, dass ein in einem Einfamilienhaus eingerichtetes Arbeitszimmer einem Einfamilienhaus nicht den Charakter des Privaten nimmt und deshalb trotz „Home Office" keine Betriebsstätte darstellt. Bei einer Betriebsstätte nach § 12 AO muss es sich demgemäß um eine feste Geschäftseinrichtung handeln, die der unternehmerischen Tätigkeit dient. Für Arbeitnehmer hat der BFH dies mit Urteil vom 09.06.2011 Az.: VI R 55/10 bestätigt. Damit stellt ein häusliches Arbeitszimmer keine Betriebsstätte des Arbeitgebers dar, wenn die Räume sich in unmittelbarer Nähe zu den Wohnräumen befinden, räumlich keine abgeschlossene Einheit bilden und von den übrigen Räumen der Wohnung nicht getrennt sind. Hier hat der BFH auch dargelegt, dass es nur eine regelmäßige Arbeitsstätte geben kann. Diese Rechtsprechung wird analog auch auf Selbständige zu übertragen sein. Es ist zu erwarten, dass der BFH eine Änderung der Reisekostenrechtsprechung anstrebt. Da Sie keine genauen Angaben zu den räumlichen Verhältnissen machen, kann ich nicht beurteilen, ob Ihre Filiale ggf. als Betriebsstätte anerkannt werden würde oder aber als „Wohnung" qualifiziert würde. Um dies zu beurteilen, prüfen Sie am besten, ob bestenfalls eine bauliche Trennung von Wohnung und Betriebsstätte vorliegt, diese sich also bspw. „nur" auf demselbem Grundstück befinden oder zumindest deutlich räumlich abgetrennt sind. In jedem Fall müsste klar erkennbar sein, dass die Privatsphäre hinter den betrieblichen Belangen zurücktritt.

Wenn Sie mit diesen Abgrenzungskriterien zu der Entscheidung kommen, dass bei Ihnen eine Betriebsstätte vorliegt, dürfte folgendes gelten:

Unterhält ein Unternehmer mehrere Betriebsstätten sind die Fahrten zwischen diesen Betriebsstätten sogenannte innerbetriebliche Fahrten. Das heißt die Fahrten stellen weder Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb noch Auswärtstätigkeiten dar. Die, am besten mit einem Fahrtenbuch nachzuweisenden Kosten, sind daher voll als Betriebsausgaben abziehbar.
Dies gilt auch für den von Ihnen geschilderten Fall, dass Sie an einer Betriebsstätte Ihren Wohnsitz haben. Wie Sie selbst schon recherchiert haben gibt es dazu keine neue Rechtsprechung. Sie sollten sich in dem Falle auf die Urteile des BFH vom 13.07.1989 Az.: IV R 55/88, vom 31.5.1978 Az.: I R 68/78 und vom 29.3.1979 Az.: IV R 137/77 berufen. Aufwendungen für Fahrten zwischen Betriebsstätten können demnach voll als Betriebsaufgaben abgezogen werden.

Ist Ihr Home Office hingegen als Wohnung anzusehen, sind die Fahrten auch als Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte anzusetzen und sind daher wie Aufwendungen von Arbeitnehmern zu berücksichtigen.

Ich hoffe Ihnen damit Ihre Fragen – soweit im Rahmen dieses Portals möglich- beantwortet zu haben.

Bei Rückfragen nutzen Sie gern die kostenlose Nachfragemöglichkeit. Über eine positive Bewertung würde ich mich freuen.

Abschließend möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass die Beantwortung Ihrer Frage ausschließlich auf Grundlage Ihrer Schilderung erfolgt. Die Antwort dient lediglich einer ersten rechtlichen Einschätzung, die eine persönliche und ausführliche Beratung durch einen Steuerberater/ Rechtsanwalt vor Ort in einem Mandantengespräch nicht ersetzen kann. Das Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben kann möglicherweise zu einer anderen rechtlichen Beurteilung führen. Eine endgültige Einschätzung der Rechtslage ist nur nach umfassender Sachverhaltsermittlung – am Besten nach Vorlage aller für die Beurteilung notwendigen Unterlagen – möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 06.03.2013 | 10:29

Sehr geehrte Frau Haberland,

vielen Dank für die Antwort.

Bezüglich Ihrer Schilderung wäre von einer Wohnung auszugehen, da die Räumlichkeiten nicht separat zugänglich sind.

Somit verbleibt jedoch die Frage, wie es sich bei der Anfahrt der Filialen handelt, die KEINE regelmäßige Arbeitsstätte sind.

Fahrten von Wohnung (Filiale 3) in Filiale 1 (regelmäßige Arbeitsstätte) wäre demnach Wohnung / Arbeit. Wie verhält es sich jedoch, wenn ich wie beschrieben von Wohnung in Filiale 2 fahre, was NICHT die regelmäßige Arbeitsstätte ist? Bzw. wenn ich von der Filiale 1 in die Filiale 2 und dann in die Wohnung fahre?

Es kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein, dass ich bei Anfahrt der Filiale 2 (Bspw. 200 km entfernt) auf dem Rückweg über Filiale 1 fahren muss, damit die Fahrt nicht mit 200km als Wohn/Arbeit gilt?

MfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.03.2013 | 13:04

Sehr geehrter Fragesteller,

die Fahrten zwischen Wohnung und mehreren Betriebsstätten sind nach § 4 Abs. 5 S. 1 Ziff. 6 EStG nur begrenzt als Betriebsausgaben abziehbar.

Da bei Ihnen mehrere Betriebsstätten vorliegen, kann bei der pauschalen Berechnung (s.o.) der nicht abziehbaren Betriebsausgaben die Entfernung zur näher gelegenen Betriebsstätte zugrunde gelegt werden. Die Fahrten zur weiter entfernt gelegenen Betriebsstätte sind zusätzlich mit 0,002 % des Listenpreises pro Entfernungskilometer anzusetzen. Das heißt Sie müssen bei den Fahrten von zu Hause zu der näher gelegenen Betriebsstätte (Ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte) die 0,03% der pauschalen Berechnung annehmen und für die weiter entfernten (nicht regelmäßigen) Betriebsstätten rechnen Sie mit 0,002%. Dabei verringern sich die anzusetzenden Entfernungskilometer der weiter entfernten Betriebsstätte um die Kilometer zwischen Ihrer Wohnung und der regelmäßigen Betriebsstätte.

Die Fahrten zwischen den einzelnen Betriebsstätten sind hingegen voll beruflich veranlasst und daher insgesamt als Betriebsausgabe abziehbar.

Eine genaue Berechnung ist mangels Angaben (Bruttolistenpreis Geschäftsfahrzeugs, km zwischen den einzelnen Betriebsstätten, Tagen im Jahr an den Sie fahren) nicht möglich und würde auch den Rahmen dieses Portals sprengen. Ihr Steuerberater wird Ihnen eine genaue Berechnung erstellen können, so dass Sie vor Überraschungen mit dem Finanzamt sicher sind.

Bei weitergehenden Fragen können Sie mich gern unter Anrechnung Ihrer bereits geleisteten Vergütung über meine Homepage kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

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