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Fahrradunfall wegen Fußgänger auf gemeinsamen Geh- und Radweg

| 27.04.2010 01:39 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Hallo Zusammen,

für eine möglichst hilfreiche Antwort, versuche ich möglichst bildhaft und umfangreich zu schildern.

folgende Situation, gestern um ca. 16:30 Uhr:

Ich fuhr auf einem verkehrsicheren Tourenrad mit ca. 20 Km/h (Tachoerfahrung) auf einem mindestens 5 Meter breiten gemeinsamen Fuß- und Radweg (Zeichen 240) und hielt dabei etwa 1 Meter Abstand zum rechten Wegrand. Mit mir fuhr ein Freund (zum Unfallzeitpunkt hinter mir). Der Weg verläuft einseitig parallel einer Autobahn, zu dieser getrennt von einer durchgehenden Schallschutzmauer. Zur anderen Seite parallel fließt ein Fluß. Mindestens 50m je vor und nach der Stelle des im folgenden beschriebenen Unfalls verlief der Weg schnurgerade und ohne Steigung/Gefälle. Links und rechts ein Grünstreifen mit nur flachem Gebüsch. Somit gab es weit und breit weder Einmündungen noch motorisierten Verkehr und der gesamte unmotorisierte Verkehr war von allen Verkehrsteilnehmern ohne Ablenkung weiträumig gut zu überschauen (all dies viell. relevant zum Stichwort: Angemessenheit der Geschwindigkeit). Zu dem war klare Sicht bei hoch stehender Sonne (keine Blendung).
Es waren viele Radfahrer in beide Richtungen unterwegs (etwa alle 50 Meter je in beide Richtungen). Etwa ebenso viele Rollerblade-Fahrer und nur verhältnismäßig wenige Fußgänger.
Vor mir schon von weitem sichtbar eine Joggerin, die während meiner längeren Beobachtung kontinuierlich ganz am rechten Wegrand joggte. Gerade deshalb viel sie mir (bis dahin) angenehm rücksichtsvoll auf.

Zum Unfall selbst und den Folgeereignissen im Zusammenhang:

Als ich gerade zum Überholen der Joggerin ansetzte und dazu den Abstand zum Wegrand auf etwa 1,70 Meter (später nach dem Unfall mit Schuhlängen zwischen Wegrand bis zu den Bremsspurstreifen ermittelt) erhöht hatte - ich befand mich zu diesem Zeitpunkt noch geschätzte 2 bis 3 Meter hinter ihr - drehte sie sich ohne jegliche vorankündigende Anstalten zu machen (keine Temporeduktion, kein Schulterblick, keinerlei Bewegungsveränderung) mit einem mal 90 Grad nach links und lief mitten in die Fahrbahn hinein. Ich machte reflexartig eine Vollbremsung (mit beiden Händen gleichzeitig) und überschlug mich daher fast augenblicklich über das sofort stillstehende Vorderrad (kräftige Hydraulikbremsen). Vor dem Salto sah ich nur noch die Joggerin in einer Schrecksekunde ihren Blick zu mir wendend und ihren nächsten Schritt schneller machend, so daß ich den Salto gerade noch so an ihr vorbei schlagen konnte/mußte, ohne sie auch nur zu berühren. Nach dem ich nach einer Schrecksekunde die Orientierung wieder gefunden hatte und im Begriff war, meinen Körper wieder aus dem Rad zu befreien, sah ich die Joggerin 10 Meter weiter in die entgegengesetzte Richtung als zuvor weiter joggen. Nach einem kurzen Funktionstest meiner Gliedmaßen und Befragung meines Freundes nach dessen Wohlergehen (es gelang ihm der Sturz ohne Salto halb rechts auf mir), bat ich ihn, ob seiner geringeren Schäden, der Flüchtigen hinterherzufahren um sie aufzuhalten. Da mein Fahrrad scheinbar noch fahrtüchtig war, folgte ich, sobald ich meine beim Sturz vom Lenker gerissenen Teile eingesammelt hatte. Die Joggerin zeigte keinerlei Anzeichen von Reue, eher Gleichgültigkeit mit den Worten: "ich will aber erst zu Ende Joggen, ich kann nicht einfach zwischendrin anhalten, daß mache ich immer so". Mein Freund hatte auch noch mitbekommen, wie sie von Unfallzeugen auf Rollerblades angerufen wurde, sie könne doch nicht einfach weiterlaufen, als sei nichts passiert, ob sie sich nicht wenigstens mal nach mir umsehen wolle, wie es mir erginge. Sie zeigte darauf keine Reaktion. Sie gestand während der Verfolgung mehrfach ein, daß sie den Unfall mitbekommen bzw. meinen Sturz gehört hatte. Ich folgte ihr schließlich bis nach Hause, da ich sie mit Worten nicht zum Anhalten bewegen konnte aber von ihr immerhin erfuhr, daß sie erst 16 Jahre alt sei. Von der Mutter bekam ich ebenfalls keinerlei Reue zu hören. Stattdessen lediglich allgemein gehaltene Vorwürfe, daß die Radfahrer auf diesem Wege doch alle viel zu schnell fahren und regelmäßig auch noch die Fußgänger anschnautzen würden. Selbst wenn mir etwas passiert sei, sei sie da völlig leidenschaftslos. Ich sei ja selbst schuld. Dabei habe ich wirklich ruhig und sachlich und nicht einmal vorwurfsvoll mit ihr gesprochen. Immerhin ließ sie sich auf meine Forderung ein, mir ihren vollständigen Namen zu geben, für den Fall daß der Unfall für mich bis dahin nicht abschätzbare Folgen nach sich ziehen würde.

Mein (verhältnismäßig geringfügiger) Schaden:

Ich selbst habe Schürfwunden an Händen, Ellenbogen, Knie und Wade. Außerdem Zerrungen o.ä. an den Oberarmen.
Mein am Lenker montiertes recht teures Navi hat massiven Schaden erlitten. Eine Zusatz-LED-Lampe am Lenker, der Lenker selbst (den man ohnehin nach jedem Sturz austauschen soll) und Bremsgriffe nebst Schaltungszügen wurden ebenfalls beschädigt. Eine genauere Analyse am Fahrrad habe ich noch nicht vorgenommen. Es fährt noch. Radtrikot und -handschuhe sind Müllreif.
Die Polizei habe ich (dummerweise?) nicht gerufen.

Meine Fragen:

1.) Wie ist die Schuldfrage (ggf. Schuldverteilung) unter Berücksichtigung der geschilderten Einzelumstände zu sehen (da die Joggerin sich nicht ein einziges Mal umgeschaut hatte, bevor sie dann völlig unvorhersehbar joggend einen Haken in Weg hinein geschlagen hat)?
2.) Hat die Unfallflucht Einfluss auf die Schuldfrage oder wie wirkt sich sonst rechtlich aus?
3.) Welche Chancen habe ich auf Schadensersatz für den Materialschaden und ggf. Schmerzensgeld für etwaige Folgeschäden (Entzündung einer Wunde o.ä.)?
4.) soll man in solchen Fällen immer die Polizei rufen?
5.) Welche Schritte muß ich unternehmen, um für Punkt 3. etwas erreichen zu können?
6.) Welche Fristen bestehen ggf. für die möglichen Schritte?
5.) genügt mein Unfallbeteiligter Freund als Zeuge (er hat den Unfall ja voll mitbekommen und auch die Reaktion und geistige Haltung seitens der Joggerin)?

Ich hoffe, es findet sich jemand, den mein Text nicht erschlägt und der mir meine Fragen für eine erste Einschätzung beantworten kann.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit bis hierhin.

Freundliche Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihre Frage anhand des geschilderten Sachverhaltes und der Auslobung des Mindesteinsatzes wie folgt beantworten:

1.
Bei Unfällen zwischen Radfahrer und Fußgänger greift auf keiner Seite eine Haftung für die Betriebsgefahr, daher werden nur Verschuldenstatbestände gegeneinander abgewogen, Nach Ihrer Schilderung war das überraschende Hineintreten der Joggerin in Ihre Fahrbahn nicht vorhersehbar, so dass davon ausgegangen werden kann, dass im Grunde ein Fall des rein einseitigen Verschuldens vorliegt. Zwar gilt für Sie als Radfahrer ein erhöhtes Rücksichtnahmegebot gegenüber Fußgängern bei gemeinsamen Geh- und Radwegen (Zeichen 240 zu § 41 Abs. 2 Nr. 5 StVO - waagerechter Trennstrich), nach Ihrer Schilderung sind Sie diesem jedoch nachgekommen, zumal Sie die Joggerin bereits im Vorfeld beobachtet hatten. Demgegenüber geschah dann das Hineinlaufen für Sie vollkommen unerwartet und zwang Sie zur Vollbremsung. Hiermit konnten Sie weder rechnen, noch den dann erfolgten Unfall in irgendeiner Form vermeiden. Vor diesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass die Joggerin die alleinige Schuld und Haftung trifft, diese hätte sich spätestens vor ihrer abrupten Richtungsänderung umschauen und vergewissern müssen, dass kein weiterer Verkehr hierdurch gefährdet wird.

2.
Eine etwaige relevante Unfallflucht hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Schuldfrage. Sollte es insoweit zu einem Verfahren kommen, gilt der Rechtsgrundsatz, dass dieses keinerlei Präjudizwirkung für einen eventuellen Schadensersatzprozess hat.

3.
Soweit das alleinige Verschulden der Joggerin feststeht und belegt ist, können Sie vollen Schadensersatz im Wege der Naturalrestitution verlangen, § 249 Abs.1 BGB. Folglich bekämen Sie in erster Linie die erforderlichen Reparaturkosten ersetzt. Daneben haben Sie angesichts der Verletzungen gemäß §§ 823, 253 BGB einen Schmerzensgeldanspruch, welcher jedoch angesichts der Art der Verletzungen voraussichtlich nur im unteren Bereich angesiedelt sein dürfte (schätzungsweise ca. 500,00 €).

4.
Bei Personenschäden sollte immer die Polizei herbeigerufen werden.

5.
Zunächst müssen Sie die Reparaturkosten beziffern, z.B. auf Basis eines Kostenvoranschlags. Wegen der Verletzungen müssen Sie in ärztliches Attest einholen und sich in Behandlung begeben, deren Verlauf zu dokumentieren ist. Hiernach empfiehlt sich zunächst die Ausbringung eines außergerichtlichen Anspruchsschreibens unter Bezifferung Ihrer Ansprüche gegenüber der Unfallgegnerin. Zugleich sollten Sie diese dabei auffordern, falls vorhanden, Anschrift und Versicherungsnummer einer eventuell bestehenden Privathaftpflichtversicherung mitzuteilen und dieser unverzüglich eine Schadensmeldung zukommen zu lassen.

6.
Im Grunde sind keine besonderen Fristen einzuhalten. Die Schadensmeldung gegenüber einer eventuell vorhandenen Haftpflichtversicherung muss nur unverzüglich erfolgen, ansonsten gilt eine dreijährige Verjährungsfrist hinsichtlich Ihrer Ansprüche.

7.
Für den Unfallhergang, die Kausalität und die Schadenshöhe sind Sie im Zweifel vollumfänglich darlegungs- und beweisbelastet. Für den Nachweis des Unfallhergangs etc. ist die Zeugenaussage Ihres Freundes selbstverständlich ein geeignetes Beweismittel.


Abschließend bitte ich Sie, folgendes zu bedenken: Diese Plattform kann und will eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen. Zu einer umfassenden persönlichen Beratung gehört, dass Mandant und Rechtsanwalt gemeinsam alle relevanten Informationen erarbeiten. Das kann diese Plattform nicht leisten. Hier soll nur eine erste Einschätzung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts gegeben werden. Das Weglassen oder Hinzufügen von Umständen kann die rechtliche Beurteilung bereits nicht nur unerheblich verändern.

Abschließend hoffe ich, Ihnen weitergeholfen zu haben und würde mich über eine positive Bewertung durch Sie freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Thomas Joschko
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 27.04.2010 | 12:08

Sehr geehrter Herr Joschko,

zunächst mal vielen Dank für Ihre ausführlichen, gut verständlichen und anwendbaren Antworten. Damit habe ich ein gutes Gefühl, an wen ich mich wenden kann, wenn es ernst wird.

Mir ist ein Fehler gleich zu Beginn in meinem Text aufgefallen. Der Unfall ereignete sich am Sonntag. Ich schrieb "gestern" als es Montag am späten Abend war. Als ich die Frage abeschickt hatte, war es aber schon Dienstag früh, so daß der Eindruck entstand, der Unfall habe sich am Montag ereignet.

Sie haben unter Punkt 5. und 6. erwähnt, daß eine unverzügliche Schadensmeldung durch die Unfallverursacherin an ihre Haftpflichtversicherung erfolgen muß. Ich muß ja erst noch zum Arzt zwecks Untersuchung und Attestierung meiner Verletzungen. Außerdem muß für die entstandenen Sachschäden noch ein Gutachten/Kostenvoranschlag erfolgen, der ja auch etwas Zeit braucht. Dann erst könnte ich ja das von Ihnen empfohlene aussergrichtliche Anspruchsschreiben ausbringen.

Meine (letzten) Fragen hier:
1. was heißt in diesem Zusammenhang "unverzügliche Meldung an die Haftpflichtversicherung"? Aus Sicht des Unfallverursachers unverzüglich nach Bekanntwerden des Anspruches?
2. Wieviel Zeit habe ich für das Aufstellen einschließlich schriftlicher Bekanntgabe meiner Ansprüche an den Unfallverursacher?

Vielen Dank noch einmal.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.04.2010 | 13:40

Sehr geehrter Fragesteller,

nur der Unfallverursacher muss im Zweifel seiner eigenen Versicherung den Schaden rechtzeitig melden, damit diese die Leistungen nicht wegen Obliegenheitsverletzung verweigern kann. Dies wirkt sich also nur auf das Innenverhältnis zwischen diesem und der Versicherung aus, nicht Ihnen gegenüber. In der Regel bedeutet unverzüglich dabei einen Zeitraum von durchschnittlich zwei Wochen. Für das Aufstellen und die Geltendmachung Ihrer Ansprüche gibt es ansonsten keine gesetzliche Zeitvorgabe.

Mit freundlichen Grüßen

RA Thomas Joschko

Bewertung des Fragestellers 27.04.2010 | 11:23

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

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"RA Thomas Joschko ist auf alle meine Fragen klar und verständlich sowie lösungsorientiert eingegangen. Ich weis dadurch, welche Schritte ich als nächstes unternehmen muß, um eine reelle Chance zu haben zu "meinem Recht" zu gelangen. Vielen Dank dafür Herr Joschko!"
FRAGESTELLER 27.04.2010 5/5,0
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Sehr geehrter Herr Anwalt, vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Sie haben mir damit sehr geholfen, weil Ihr Text ausführlich und sehr gut verständlich ist. Ich konnte ihn sofort so an meinen Mieter abschicken. Mit freundlichen ... ...
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