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Fahrlässiger Ladendiebstahl - Was soll ich tun?


16.11.2008 12:43 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Tanja Stiller



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hoffe Sie können mir dringend weiterhelfen. Mir ist vor ein paar Tagen eine sehr peinliche Sache passiert.
Ich war in einem Drogeriemarkt einkaufen und hatte drei kleine Artikel in der Hand, die ich dann an der Kassen bezahlte. Leider benutzte ich keinen Einkaufswagen!
An der Kasse hatte ich dann vergessen, eine kleine Lidschatten-Dose aufs Band zu legen. Ich hielt diesen kleinen Lidschatten (zusammen mit meinem Schlüsselbund) wären des Kassiervorgangs in meiner linken Hand. Ich hatte in der Firma einen sehr stressigen Tag hinter mir und war in Gedanken ganz wo anders und hatte den Lidschatten in meiner Hand vergessen. Nach dem Bezahlen nahm ich dann die anderen drei Artikel und ging aus dem Laden. Vor der Ladentür wurde ich dann von einem Hausdetektiv aufgehalten. Ich bin im ersten Moment sehr erschrocken und habe recht patzig reagiert. Zum einen, weil ich gar nicht wusste was er von mir wollte und zum anderen weil er auf den ersten Blick eine sehr erschreckende Gestalt ist. (Ein sehr dunkler Ausländer mit vernarbten Gesicht).
Im nächsten Moment war mir dann klar was passiert ist. Er bat mich zusammen mit einer Angestellten des Drogerie-Marktes ins Büro.
Dort war er sehr unfreundlich zu mir und fragte mich wo die anderen!! Sachen sind, die ich gestohlen hatte!Ich habe ständig gesagt, dass es mir sehr leid tut und dass es ein Versehen war. Aber er sagt, dass er mir das alles nicht glaubt. Er lachte nur hämisch und hat angefangen meine Handtasche zu durchsuchen. Die ganze Situation war ziemlich demütigend.
Nachdem er in meiner Handtasche keine weiteren Waren finden konnte, hat er sich etwas beruhigt. Er hat danach meine Personalien und den Vorgang niedergeschrieben, und bat mich um meine Unterschrift. Daraufhin meinte er, dass ich nun eine Strafanzeige wegen Diebstahl bekomme. Ich habe mehrmals versucht mit ihm zu reden, ob der Drogerie-Markt nicht von einer Anzeige absehen könnte, aber er hat sich auf stur gestellt und meinte dass das letztendlich nur die Filialleiterin entscheiden könnte (aber die war zu diesem Zeitpunkt nicht da).

Er hat auch immer wieder betont, wie „professionell“ ich das doch gemacht habe und dass er mir einfach nicht glaubt. Für mich war die ganze Situation total schlimm und ich wäre am liebsten im Boden versunken.

Ich selbst bin 34 Jahre alt, komme aus Bayern und arbeite in einer verantwortungsvollen Position in einem größeren Finanzunternehmen und habe mir in meinem Leben noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Mich belastet die ganze Sache so sehr , dass ich seit dem Vorfall innerlich nicht mehr zu Ruhe komme.

Nun meine Fragen an Sie:

- Wie geht die ganze Sache nun weiter? Mit welcher Strafe habe ich im schlimmsten Fall zu rechen? Geht die Sache direkt an die Staatsanwaltschaft oder erst zur Polizei. Wie ist dort der weitere Weg? Was muss ich beachten? Der Kaufpreis des Lidschattens liegt bei ca. 8.- EUR?

- Macht es Sinn, wenn ich der Filialleiterin einen Entschuldigungsbrief schreibe. Ich habe die Dame am nächsten Tag nach dem Vorfall angerufen aber Sie wollte mir am Telefon nicht viel dazu sagen, außer dass jeder Diebstahl bei Ihnen angezeigt wird.
Ich habe ihr auch angeboten, dass ich der Filiale eine Strafe zahle, aber das wollte Sie nicht

- Wäre es besser, wenn ich aussage, dass es doch ein Diebstahl war, obwohl dem nicht so ist ? Ich habe den Lidschatten wirklich aus Fahrlässigkeit in meiner Hand „vergessen“. ( Ich habe mir gedacht, vielleicht wirkt es ja reumütiger wenn ich einen „Diebstahl“ zugebe)

- Bekomme ich nun einen Eintrag in polizeiliche Führungszeugnis? Das wäre wirklich am schlimmsten für mich und für meine berufliche Tätigkeit.

- Wäre es sinnvoll, wenn ich mich wegen der Sache bei der Polizei von selbst melde, und eine Anzeige gegen mich erstatte? Würde das vielleicht strafmildernd wirken?


Über Ihre schnelle Antwort würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank im Voraus.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für die Einstellung Ihrer Frage.

Zuerst möchte ich Sie daraufhin weisen, dass dieses Forum lediglich eine erste rechtliche Orientierung bieten soll, die in keinem Fall die Beratung durch eine Kollegin/ einen Kollegen vor Ort ersetzen kann.
Durch Hinzufügen oder Weglassen von Sachverhaltsangaben kann die rechtliche Beurteilung komplett anders ausfallen und somit zu einem anderen Ergebnis führen.

Ihre Frage beantworte ich aufgrund, der von Ihnen erhaltenen Angaben und dem eingesetzten Betrag wie folgt:

Gemäß § 242 Abs.1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

Allerdings wird nach § 248a StGB der Diebstahl geringwertiger Sachen nur auf ANTRAG verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Einen „fahrlässigen“ Diebstahl gibt es nicht.

Da Sie nach Ihren Angaben den Lidschatten nicht absichtlich nicht bezahlt haben, ist meines Erachtens der Tatbestand des Diebstahls NICHT erfüllt.
Sie hätten VORSÄTZLICH gehandelt haben müssen.
Vorsatz setzt WISSEN UND WOLLEN der Tatbestandsverwirklichung voraus.
Man müsste Ihnen also nachweisen können, dass Sie den Lidschatten nicht bezahlen wollten.

Aufgrund der Geringwertigkeit der Sache und dem Umstand, dass Sie nicht vorbestraft sind, wird höchstwahrscheinlich die Angelegenheit eingestellt.
Ohne Akteneinsicht ist es allerdings äußerst schwierig, eine seriöse Einschätzung vorzunehmen. Dies bitte ich zu beachten!
Sollte es wider Erwarten zu einen Verurteilung kommen, denke ich, dass lediglich eine sehr geringe Geldstrafe verhängt wird.

Der Drogerie-Markt wird nun Anzeige und Strafantrag gegen Sie bei der Polizei machen.
Danach wird die Polizei die Akte an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Bearbeitung schicken.
Die Polizeibeamten sind die Ermittlungsbeamten für den Staatsanwalt.
Die Polizei wird Sie zur Beschuldigtenvernehmung vorladen.
Der Staatsanwalt entscheidet dann, ob er die Sache einstellt oder vor Gericht anklagt.

Selbstverständlich können Sie einen Entschuldigungsbrief an die Filiale schreiben. Sie sollten aber bei der WAHRHEIT bleiben!!!
Sie sollten erklären wie es zu allem gekommen ist und dass Sie den Lidschatten bezahlen wollten.
Betonen Sie, dass es sich um ein VERSEHEN gehandelt hat!

Da meines Erachtens (wenn überhaupt) lediglich eine geringe Geldstrafe in Betracht kommt, wird diese nicht mit mehr als 90 Tagessätzen anzusetzen sein.
Geldstrafen unter 90 Tagessätzen werden NICHT ins Führungszeugnis eingetragen, soweit KEINE weitere Verurteilung vorliegt.

Sie sollten also vorerst mal die Nerven behalten!
Warten Sie ab bis Sie Post von der Polizei bekommen.
In diesem Fall können Sie entscheiden, ob Sie einen Anwalt/ eine Anwältin vor Ort einschalten möchten oder nicht.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen und eine erste rechtliche Orientierung bieten konnte.


Mit freundlichen Grüßen

Tanja Stiller
Rechtsanwältin




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