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Eurex Optionsscheine Postbankübernahme


10.12.2010 08:04 |
Preis: ***,00 € |

Wirtschaftsrecht, Bankrecht, Wettbewerbsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Siegfried Huber-Sierk



Guten Tag,

Sachverhalt:
Nach dem Übernahmeangebot der Deutschen Bank für die Postbank mit € 25 spekulierte ich auf Nachbesserung des Gebots der Deutschen Bank.

Um meine Kasseposition in Aktien abzusichern, rief ich im Eurex-Handel einer europ. Großbank an, ich bin dort Kontoinhaber eines Eurexkontos mit entspechender Margin-Linie und schilderte meine Intention.

Danach gab ich die Order zum Kauf von exakt der Zahl von Kontrakten (Puts), die der Anzahl meiner Aktien entsprach; wie es an der Eurex üblich ist, amerikanische Option, d.h. jederzeit bis zum Verfall zu einem bestimmten Preis ausübbar: für mich als Käufer dieses Rechts, so war mein Wissensstand.

Der Eurex-Händler führte meinen Auftrag aus, obwohl, wie im nachinein bekannt wurde, bereits im September 2010 ein Rundschreiben seitens der Eurex an alle Eurex-Bankenhändler verschickt wurde, welches die sofortige Glattstellung ALLER Postbank-Optionen weit unter den aktuellen inneren Werten durch ad-hoc Meldung zumindestens möglich machte; nicht wahrscheinlich, aber doch möglich.

Jetzt die Frage:
Hat die Bank bzw der Händler, dem ein aktueller Wissensstand unterstellt werden darf und muss, ihre Sorgfaltspflicht gegenüber mir verletzt, indem der Auftrag ausgeführt wurde, ohne jeden Hinweis auf dieses Rundschreiben, welches mein Vorhaben der Absicherung von vorn herein ad absurdum führte? Wie gesagt, ich sprach mit dem Händler über meine Intention.

Mir wurde dieses Rundschreiben seitens der Bank erst bekannt gemacht, NACHDEM MIR die Einstellung der Notierung auffiel, und ich fragte, was da los sei. Hektische Suche, ja, da gebe es eine Mitteilung. 2 Stunden später erhielt ich per Mail das Rundschreiben, leider 3 Tage zu spät.

Es sei ein mögliches Procedere bei Übernahmen und allgemein bekannt, ob ICH das denn nicht wüsste.
Zwar sei es von der Eurex noch nie so gehandhabt worden, alles sei ja sehr bedauerlich, der Markt kalt erwischt worden, uswusw.


Kann da eine Schadenersatzklage wegen Verletzung der Sogfaltspflicht des Händlers und damit der Bank Sinn machen?

1. Unter dem Gesichtspunkt, daß eine Order ausgeführt wurde, deren "Unsinn" mir hätte bekannt sein sollen, dann wohl vor allem dem Händler, denke ich.

2. Unter dem Gesichtspunkt, daß ich von der Bank nicht sofort über die Einstellung des Eurexhandels informiert wurde. Über 50% des Schadens hätten vermieden werden können,
wäre ich taggleich über den Wegfall meiner vermeintlichen Absicherung informiert worden.



-- Einsatz geändert am 10.12.2010 08:51:14

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Sachverhaltsdarstellung im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworte:

In Ihrer Angelegenheit stellt sich durchaus die Frage, ob die Bank, bei der Sie Kunde sind und über die Sie in der von Ihnen geschilderten Weise Ihren Bestand an Postbank-Aktien absichern wollten, aufgrund eines Beratungsfehlers für den von Ihnen erlittenen Schaden haftet.

Ein Beratungsfehler liegt immer dann vor, wenn eine Beratung vertraglich geschuldet wird und im Rahmen dieser Beratung die Pflicht zur ordnungsgemäßen Beratung verletzt wird. Dies hängt natürlich von der Ausgestaltung und dem Umfang der Beratungspflicht im konkreten Einzelfall ab. Maßgebliche Kriterien sind insbesondere das Anlageziel des Kunden und dessen Wissensstand und Risikobereitschaft

Aufgrund Ihrer Angaben ist davon auszugehen, dass eine Beratungspflicht bestanden hat. Dies ergibt sich schon allein daraus, dass Sie Ihrer Bank beziehungsweise dem Händler im einzelnen Ziel und Zweck Ihres Vorhabens darlegten, bevor Sie den Auftrag zum Kauf der Absicherungskontrakte erteilten. Schon allein aufgrund dieser vorausgegangenen Informationen hätte der Händler Sie auf das offensichtlich bestehende Risiko hinweisen müssen. Hierzu bestand umso mehr Veranlassung im Hinblick auf das zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegende Rundschreiben der Eurex an alle Eurex-Bankenhändler.

Die Bank kann sich aufgrund der von Ihnen geschilderten Sachlage nicht im Nachhinein darauf berufen, dass Ihnen das mit Ihrem Vorhaben verbundene Risiko generell und insbesondere im Hinblick auf das Eurex-Rundschreiben hätte bekannt sein müssen. Gerade aufgrund Ihrer Vorabinformation des Händlers war erkennbar, dass Sie sich des Risikos offensichtlich nicht bewusst waren. Die Bank hätte Sie deshalb auf das Risiko und insbesondere auf das Eurex-Rundschreiben, von dem sie erkennbar keine Kenntnis hatten, hinweisen müssen.

Liegt eine Verletzung der Beratungspflicht - hier insbesondere der Pflicht zur Aufklärung über die bestehenden Risiken - vor, dann muss die Bank als Aufklärungspflichtige beweisen, dass der betroffene Anleger die Anlage auch bei richtiger Aufklärung erworben, er also den unterlassenen Hinweis auf die Risiken unbeachtet gelassen hätte.

Schadenersatz aufgrund eines Beratungsfehlers oder einer unterlassenen Aufklärung kommt immer dann in Betracht, wenn die Pflicht zur ordnungsgemäßen Beratung und Aufklärung schuldhaft verletzt worden ist. Eine schuldhafte Pflichtverletzung liegt natürlich immer bei Vorsatz, aber auch bei Fahrlässigkeit vor.

In einem Rechtsstreit sind natürlich immer Beweisfragen sowohl hinsichtlich der Pflichtverletzung wie auch hinsichtlich des eingetretenen Schadens relevant. Der Schadenseintritt, der von Ihnen zu beweisen wäre, dürfte wohl aufgrund ihrer Angaben kein Problem darstellen. In Bezug auf das Vorliegen einer Pflichtverletzung der Bank könnten allerdings Beweisschwierigkeiten dann auftreten, wenn Ihnen - möglicherweise unter Berufung auf den Händler - entgegengehalten wird, dass sie ordnungsgemäß über die Risiken aufgeklärt worden sind. In diesem Fall müssten Sie beweisen, dass die behauptete Risikoaufklärung nicht stattgefunden hat.

Ich hoffe, dass ich Ihnen eine erste rechtliche Orientierung geben konnte. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes erfordert. Im Rahmen dieses Forums können sich die Ausführungen aber nur auf Ihre Schilderungen stützen, und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich empfehle Ihnen daher, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu beauftragen, sofern Sie eine abschließende Beurteilung wünschen. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.

Mit freundlichen Grüßen
Huber-Sierk
Rechtsanwalt
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