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Erwachsenenadoption: Kann Tochter von Großonkel adoptiert werden?


| 17.12.2007 02:06 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Besteht eine Möglichkeit, dass meine Tochter (23 Jahre) von ihrem Großonkel (73 Jahre) adoptiert werden kann?

Zum leiblichen Vater gibt es seit 23 Jahren keinen Kontakt. Er war sehr gewalttätig mir gegenüber, die Vaterschaft wurde gerichtlich festgestellt. Meine Tochter hat im Herbst ein Studium begonnen und sollte für den Bafögantrag Angaben über ihren Vater machen, das war der Zeitpunkt wo wir nach dieser langen Zeit zum ersten Mal wieder mit dem Erzeuger konfrontiert wurden. Da eine Kontaktaufnahme, nach 23 Jahren, absolut unzumutbar aufgrund der Geschehnisse in der Vergangenheit ist, das habe ich dem Amt geschildert, wurde auf die Einkommensnachweise des Erzeugers verzichtet.

Eine Adoption scheint zum Schutz und Wohl meiner Tochter der einzige Weg zu sein, um eine verwandschaftliche Beziehung offiziell zu beenden, damit meine Tochter mit ihm nichts mehr zu tun bekommt. Ich hätte mich schon zur Zeit ihrer Minderjährigkeit darum bemühen sollen.

Der Großonkel hatte letztes Jahr einen Schlaganfall, ist seitdem halbseitig gelähmt und lebt in einem Pflegeheim. Er hat sich 18 Jahre lang um meine Tochter gekümmert, als wäre es sein eigenes Kind. Ist es möglich unter der Berücksichtigung der extrem gewalttätigen Vorgeschichte, dass eine Adoption durch den Großonkel erfolgen kann?

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Sehr geehrte Ratsuchende,


ich halte die von Ihnen angedachte Lösung auf der Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhalts generell für möglich.

Die Annahme Volljähriger als Kind muss gemäß § 1767 Abs. 1 BGB sittlich gerechtfertigt sein. Denn die Herstellung familienrechtlicher Beziehungen zwischen Volljährigen durch Adoption soll nach dem Willen des Gesetzgebers nicht völlig dem Belieben der Beteiligten überlassen werden.

Für die sittliche Rechtfertigung ist es allerdings ausreichend, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits besteht. Nach Ihren Angaben ist dies auch schon seit geraumer Zeit der Fall. Zwar werden die Kontakte aufgrund der Pflegebedürftigkeit des Großonkels jetzt wahrscheinlich nicht mehr so intensiv sein. Jedoch wird - anders als bei der Annahme Minderjähriger - nicht vorausgesetzt, dass auch künftig eine Elternrolle in vollem Umfang wahrgenommen werden kann.

Insofern ist es meines Erachtens auch unschädlich, dass der Großonkel schon betagt und schwerkrank ist.
Eine Grenze bildet die Vorschrift des § 1760 Abs. 2 lit. a BGB, wonach die Annahme unzulässig ist, wenn der Annehmende im Zeitpunkt seiner Willenserklärung sich in geschäftsunfähigem Zustand befindet.

Weitere Voraussetzung ist die Dienlichkeit der Annahme für das Kindeswohl, was sich aus § 1741 Abs. 1 Satz 1 in Verbindung mit § 1767 Abs. 2 Satz 1 BGB. Allerdings kann dies von dem volljährigen Kind selbst entschieden werden.

Bedenken Sie, dass Sie im Falle einer wirksamen Adoption Ihre rechtliche Stellung als Mutter verlieren, und zwar gegebenenfalls auch über den Tod des Großonkels hinaus.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine verständliche erste rechtliche Einschätzung an die Hand geben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 17.12.2007 | 12:07

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Geyer,

vielen Dank für eine erste Einschätzung des Falles. Das beruhigt mich doch schon sehr, dass so eine Adoption überhaupt möglich wäre. Nun würde ich noch gerne wissen, ob meine Tochter im Falle einer Adoption ihren Geburtsnamen behalten könnte, also meinen, oder den Nachnamen des Annehmenden annehmen muss?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.12.2007 | 12:29

Sehr geehrte Ratsuchende,

die alleinige Beibehaltung des Geburtsnamens ist ausgeschlossen. Das angenommene Kind erhält immer den Familiennamen des Annehmenden.
Möglich ist aber gemäß § 1757 Abs. 4 Nr. 2 BGB, dass der Großonkel mit Einwilligung Ihrer Tochter die Erhaltung des bisherigen Familiennamens insoweit beantragt, dass ein Doppelname mit dem Familiennamen des Großonkels gebildet wird (durch Voranstellen oder Hinzufügen).
Einem solchen Antrag ist vom Vormundschaftsgericht grundsätzlich nur stattzugeben, wenn aus schwerwiegenden Gründen des Kindeswohls eine Korrektur geboten ist. In der Regel reicht es für die Beibehaltung aber aus, wenn der Angenommene dadurch die Beziehungen zu seinem Lebensbereich aufrecht erhalten möchte (so z.B. LG Köln FamRZ 1998, 506).

Im Übrigen kann eine öffentlich-rechtliche Namensänderung aus wichtigen Grund beantragt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

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