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Ersttäter Ladendiebstahl + Zugabe Diebstahl gleicher Laden zuvor

26.01.2019 22:36 |
Preis: 40,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Dietrich


Sehr geehrte Damen und Herren,

am 16.01.2018 wurde ich beim Ladendiebstahl i.H.v. ca. 80€ erwischt. (Fitnessprodukte / Proteinpulver)
Ich gab die Tat sofort zu und wurde auch beschuldigt, bereits am 8.12.2017 im selben Laden einen Diebstahl begangen zu haben. Über eine Höhe des Diebesgutes wurde kein Wort gesagt. Ich kann mich auch nicht genau erinnern, es waren aber ca. 15€.

Ich habe beide Taten sofort zugegeben, 2x 100€ Fangprämie gezahlt und mich im Nachhinein sowohl schriftlich als auch persönlich in der Filiale entschuldigt.

Heute bekam ich Post von der Polizei mit 2 Äußerungsbögen in einem Brief.(einmal bzgl. 08.12. und einmal bzgl. 16.01.)

Ich habe mir noch nie etwas zu schulden kommen lassen, bin 28Jahre und GF einer GmbH. Ort ist Berlin.

Nun meine Fragen:

1. Wie werden die beiden Anzeigen behandelt - als eine oder zwei völlig unabhängige?

2. Ist eine Einstellung des Verfahrens realistisch, oder gelte ich - da 2x Anzeige gestellt wurde - nicht als Ersttäter?

3. Welche Angaben sollte ich im Anhörungsbogen machen? Bei dem Fall vom 16.01 - zu dem ich alles bis ins Detail zugegeben habe - würde ich das Entschuldigungsschreiben und die Quittung der Fangprämie anhängen und mich erneut entschuldigen.

4. Was jedoch mit dem Fall vom 08.12.? Keine Angabe oder sollte ich schreiben, dass es ein niedriger Warenwert war?

Vielen Dank und viele Grüße.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

1. Es handelt sich um zwei Taten, sprich dem Diebstahl in zwei Fällen (juristisch: Tatmehrheit nach § 53 StGB ). Wenn es jedoch vor Gericht geht, dann werden die beiden Taten zusammen abgehandelt und eine Gesamtstrafe ausgesprochen im Falle einer Verurteilung. Die Gesamtstrafe muss geringer ausfallen als die Summe der Einzelstrafen. Zum Beispiel könnten für jeden Diebstahl 20 Tagessätze Geldstrafe (also insgesamt 40) angesetzt werden, woraus sich eine reduzierte Gesamtstrafe von 30 Tagessätzen ergeben könnte.

2. Angesichts der Tatsache, dass zwei Diebstähle in kurzer Zeitspanne begangen wurden, ist eine Einstellung eher unwahrscheinlich. Hier wird die Staatsanwaltschaft davon ausgehen, dass weitere Diebstähle zu befürchten sind und daher recht sicher Anklage erheben. Möglich wäre aber etwa auch ein Strafbefehl (Geldstrafe ohne Gerichtsverhandlung).

3. Keinesfalls sollten Sie noch mehr zugeben. Eigentlich lautet der allgemeine Rat immer komplett zu schweigen. Sie sind nicht verpflichtet den Anhörungsbogen auszufüllen und auch zu einer polizeilichen Vorladung müssen Sie nicht erscheinen. Das Schweigen darf Ihnen nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Allerdings ist bei einem Geständnis dieses strafmildernd zu berücksichtigen (dieses wäre aber auch noch vor Gericht möglich). Die beste Vorgehensweise ist es zu schweigen und einen Anwalt zu beauftragen, der für Sie Akteneinsicht beantragt. Erst dann kann man konkret sagen, was Ihnen genau vorgeworfen wird.

4. Hierzu sollten Sie komplett schweigen. Sie können ja nicht wissen, was Ihnen überhaupt nachgewiesen werden kann. Wenn der Gegenstand nur 15 Euro wert war, fällt dies in den Bereich des Diebstahls geringwertiger Sachen nach § 248a StGB . Die Grenze wird hier meist bei 50 Euro gezogen von der Rechtsprechung. Der andere Diebstahl war deshalb nicht geringwertig.

Wenn Sie aber die Chancen maximieren möchten, dass es nicht zu einem Gerichtsverfahren kommt, dann könnten Sie selbst die Zahlung einer Geldstrafe im Rahmen eines Strafbefehles vorschlagen und alles offiziell zugeben. Dazu rät man als Anwalt aber normalerweise nicht.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Dietrich
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 26.01.2019 | 23:41

Vielen Dank für ihre ausführliche Antwort.

Was ist der essentielle Unterschied zwischen Anklage und Strafbefehl? Bei einem Strafbehel wird ja sicher eine Geldstraße i.H.v. etwa 1,5 Monatsgehätern ingesamt fällig. Also eine Strafe in Form von Tagessätzen, ist das korrekt?´Schon eine hohe Strafe m.M.n.

Was könnte bei einer Anklage vor Gericht schlimmeres passieren?

Weiterhin habe ich ja bereits beide Taten zugegeben, ein offizielles Geständnis und damit eine Verringerung der Wahrscheinlichkeit zur Anklage ist doch daher eigentlich sinnvoll?

Vielen lieben Dank für ihre Hilfe, ehrlich.

Viele Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.01.2019 | 00:02

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Der Vorteil des Strafbefehls ist, dass Sie sich ein Gerichtsverfahren ersparen. Wenn Sie dort verurteilt werden, tragen Sie auch noch zusätzlich die Kosten des Gerichtsverfahrens. Wenn der Strafbefehl eine zu hohe Geldstrafe ausweist, bestünde auch die Möglichkeit nur gegen die Höhe Einspruch einzulegen - dann kommt es allerdings zu einem Gerichtstermin. Der Strafbefehl ist nicht per se höher als die Geldstrafe vor Gericht. Es kann auch genau anders herum sein.

Etwas wirklich Schlimmeres droht Ihnen vor Gericht nicht. Eine Freiheitsstrafe ist hier sehr unwahrscheinlich, wenn Sie zuvor nicht in Erscheinung getreten sind. Es sind nur die zusätzlichen Kosten und der Faktor Stress, Scham etc.

Auch wenn Sie beide Taten gestanden haben, weiß man nicht was man Ihnen letztendlich nachweisen können wird. Hätten Sie bisher gar nichts gesagt, würde ganz klar der Rat lauten weiterhin zu schweigen. Aber von Anfang an alles zuzugeben, wenn Sie sich ohnehin sicher sind, dass man es Ihnen vollumfänglich nachweisen kann, ist sicherlich in Ihrem Fall dann keine allzu schlechte Wahl, um einen milden Ausgang zu erreichen. Geständnis, Wiedergutmachung und gezeigte Reue mildern die Strafe. Sollte es in Richtung Kleptomanie gehen, wäre es auch hilfreich, sich um eine Therapie zu bemühen. Dies haben Sie nicht erwähnt, aber angesichts der geringen Werte und der Tatsache dass Sie GF einer GmbH sind und es damit wohl nicht um die Geldersparnis ging, ist das nicht ganz fernliegend.

Viele Grüße
Alexander Dietrich

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