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Erstellung und Veröffentlichung von Athletenbildnissen bei Bodybuilding-Wettkämpfen


| 26.11.2015 12:24 |
Preis: ***,00 € |

Medienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um Ihre juristische Einschätzung zur Erstellung und Veröffentlichung von Bildmaterial bei Amateur-Wettkämpfen im Bereich des Bodybuildingsports.


Folgender Sachverhalt liegt zugrunde:
1. Bodybuilding-Wettkämpfe werden öffentlich ausgetragen, Zuschauern ist der Besuch gegen Entgelt gestattet.
2. Die teilnehmenden Athleten stellen sich sportarttypisch knapp bekleidet (Bikini, Posingslip/Badeshorts) einem Gremium von Kampfrichtern. Dies sowohl alleinstehend als auch in Gruppen.
3. Der Veranstalter gewährt (kommerziell tätigen) Medienpartnern das Recht Bild- und Videomaterial von den Sportlern zu erstellen.
4. Die Veröffentlichung dieses Bild- und Videomaterials durch die Medienpartner erfolgt ganz überwiegend in Internetmedien, insbesondere in Youtube und Facebook.


Meine Fragen hierzu sind:
1. Darf von den teilnehmenden Athleten Bildmaterial angefertigt werden, das die Athleten einzeln und dabei deren Körperteile in Großaufnahme zeigt, ohne dass deren Zustimmung vorliegt?
Falls eine Zustimmung erforderlich ist: In welcher Form muss diese vorliegen?
2. Darf das Bildmaterial, das einzelne Athleten einzeln und dabei deren Körperteile in Großaufnahme zeigt, ohne deren Zustimmung von kommerziell tätigen Akteuren veröffentlicht werden?
3. Liegt bereits dadurch eine Kommerzialisierung der Athletenbildnisse vor, dass im Bildhintergrund Sponsoren-Logos deutlich sichtbar sind?
4. Welche Ansprüche haben Athleten gegen die kommzerziellen Verwerter ihrer Bildnisse, wenn die Athleten der kommerziellen Verwertung nicht wirksam zugestimmt haben?


Herzlichen Dank vorab für die Beantwortung meiner Fragen!
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zu 1. und 2.

Für die Verbreitung und Veröffentlichung der Bilder (egal ob zu kommerziellen oder nicht kommerziellen Zwecken) ist grundsätzlich die Einwilligung des Abgebildeten erforderlich, siehe § 22 KunstUrhG. Die Einwilligung ist an keine bestimmte Form gebunden, sie kann mündlich oder sogar konkludent (=durch schlüssiges Verhalten) erteilt werden. Da im Streitfalle aber der Verwender beweisen muss, dass ihm die entsprechenden Verwertungsrechte eingeräumt wurden, empfiehlt sich dringend das Einholen einer schriftlichen Einwilligung. Muster finden Sie im Internet z.B. unter dem Stichwort "Model Release", bei einer umfangreicheren Nutzung empfiehlt sich aber die individuelle Erstellung einer solchen Vereinbarung durch einen Rechtsanwalt.

Zu 3.

Hierüber lässt sich streiten, allerdings dürfte es hierauf auch nicht ankommen, da § 22 KunstUrhG auch eine Einwilligung bei nicht-kommerzieller Verwendung verlangt. Man könnte dann lediglich überlegen, ob eine der Ausnahmen des § 23 KunstUrhG greift -allerdings ist die Einschätzung des Gerichts im Streitfalle schwer prognostizierbar, sodass eine explizite Einwilligung vor Verwendung der deutlich sicherere Weg wäre.

Zu 4.

Bei unerlaubter Nutzung hat der Abgebildete neben einem Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch ggf. auch Anspruch auf Schadensersatz, z.B. Abschöpfung des mit dem Bild erzielten Gewinns oder Zahlung einer fiktiven Lizenzgebühr (Lizenzanalogie).


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 26.11.2015 | 13:58

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Wilking,

vielen Dank. Eine Nachfrage zu Ihrer Antwort auf die Fragen mit den Ziffern 1. und 2.:

Ist eine Einwilligung der Athleten in die Veröffentlichung von Bildmaterial bereits dadurch als durch „schlüssiges Verhalten" erteilt anzusehen, dass die Athleten überhaupt an einem Bodybuilding-Wettkampf teilnehmen, weil dort ÜBLICHERWEISE Bildmaterial zur Veröffentlichung angefertigt wird?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.11.2015 | 14:12

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Ja, davon ist regelmäßig zumindest dann auszugehen, wenn die Athleten bewusst vor der Kamera posieren bzw. keinen Widerspruch gegen das direkte Fotografieren ihrer Person äußern. Allerdings umfasst diese konkludente Einwilligung üblicherweise nur die Veröffentlichung im Rahmen der Berichterstattung über den Wettbewerb, nicht dagegen eine unbeschränkte kommerzielle Auswertung der Bilder - hierfür sollte stets eine ausdrückliche Einwilligung des Abgebildeten eingeholt werden.

Aus Beweisgründen empfehle ich aber grundsätzlich für jede Nutzung eine schriftliche Einwilligung im Vorfeld unterschreiben zu lassen, soweit dies möglich ist.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 26.11.2015 | 14:15


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