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Erste Tätigkeitsstätte und Home-Office

02.11.2018 16:16 |
Preis: 50,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


Aus einem Arbeitsvertrag, es handelt sich um eine Tätigkeit im Vertriebsaußendienst mit Leitungsfunktion:

"Der Arbeitnehmer wird ab dem TT.MM.JJJJ als A an unserem Standort in B beschäftigt. Der Arbeitnehmer übt seine Tätigkeit überwiegend vom Home-Office aus, wobei der Arbeitnehmer durchschnittlich mindestens einen Tag pro Woche in B präsent ist. Die Erlaubnis, vom Home-Office zu arbeiten kann mit einer Ankündigungsfrist von 4 Wochen zum Monatsende beidseitig widerrufen werden. Die Inhalte der Tätigkeit sind in der beiliegenden Stellenbeschreibung festgelegt."

In der Stellenbeschreibung findet sich noch die Angabe "Reisebereitschaft bis zu 70%".

Gibt es in diesem Falle im steuerrechtlichen Sinn eine erste Tätigkeitsstätte?
Wenn ja, welche wäre dies?
04.11.2018 | 10:51

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Steuerrechtlich kann ihr häuslichen Arbeitszimmer keine eigene Betriebsbstätte- und somit auch keine erste Tätigkeitsstätte sein- da da ihr Arbeitszimmer nicht zur Sphäre des Arbeitgebers gehört. Sie haben also keine erste Tätigkeitsstätte im Sinne des § 9 Abs. 4 EStG , denn diese kommt nur in Betracht wenn sie einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten, dauerhaft zugeordenet sind. Von einer Dauerhaftigkeit wird ab einer Zuordnung von mindestens 2 Tagen pro Woche oder 2/3 der vereinbarten Arbeitszeit ausgegangen. Dies liegt bei ihnen nicht vor.

Da ihr dauerhafter Leistungserbringung aber ihr Home-office ist, habe sie keine erste Tätigkeitsstätte. Anderes kann nur gelten, wenn ihr Arbeitszimmer nicht in ihrer Wohnung liegt. Nur dann kann ein sogenanntes außerhäusliches Arbeitszimmer als erste Tätigkeitsstätte zählen, aber nur wenn es nicht ihren privat Räumlichkeiten zuzuordnen,sondern z.B. vom Arbeitgeber angemietet ist.

Grundsätzlich ist es aber so, wenn ihnen in der Betriebsstätte ein Arbeisort zur Verfügung steht, dass ihr Arbeitszimmer und Aufwendungen hierfür nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG I.V.m. § 9 Abs. 5 EStG steuerlich nicht mehr über Werbungskosten abzusetzen ist.
Hiervon gibt es Ausnahmen, wenn sie ausschließlich im Home-Office arbeiten und dieses deswegen den Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit bildet. Auch können die Werbungskosten für das Arbeitszimmer voll abzugsfähig sein, wenn sie - wie bei ihnen- an mehr als 3 Tagen im Home-office arbeiten, wenn dort in qualitativer HInsicht eine eine gleichwertige Arbeitsleistung zu der in der Betriebsstätte ( bei ihnen ein Tag pro Woche) von ihnen erbracht wird. Der Tätigkeitsmittelpunkt bestimmt sich also nach dem qualitativen Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit. Dies ist aufgrund der Zeitverteilung anzunehmen, wobei dies mit der 70%-igen Reisetätigkeit schwer abschätzbar ist, was und wie oft dort etwas verlangt wird. Der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit liegt im Home-Office, wenn nach Würdigung der Tätigkeits­merkmale aufgrund des Gesamtbilds der Verhältnisse davon auszugehen ist, dass sie im häuslichen Arbeitszimmer die Handlungen vornehmen und Leistungen erbringen, die für die konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind. Meistens ist dies auch bei Reisetätigkeiten (= außerhäusliche Tätigkeiten) der Fall, auch wenn diese vielleicht zeitlich überwiegen, da sie nicht einer Betriebsstätte des Unternehmers,verbundenen Unternehmen oder vom Arbeitgeber bestimmten Dritten zuzuordnen sind.

Steuerrechtlich bringt ihnen das Vorliegen eines Home-Offices als Mittelpunkt der beruflichen Betätigung beim Dienstwagen Vorteile. Denn ab Verlassen der Wohnung, in der der Arbeitszimmer liegt, bis zu ihrer Rückkehr liegt eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vor, die nach den Reisekostengrundsätzen abgesetzt werden kann. Haben sie einen Firmenwagen, so ist mangels erster Tätigkeitsstätte kein weiterer geldwerter Vorteil nach der Bruttolistenpreisregelung anzusetzen was auch für die Fahrten von der Wohnung zum Betrieb des Arbeitgebers gilt.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Doreen Prochnow

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