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Erbschaftssteuer Vorerbe / Nacherbe

| 19.03.2018 21:27 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Roger Neumann


Zusammenfassung: Der Nacherbe ist beim Eintritt des Nacherbfalls erbschaftsteuerpflichtig. Die Erbschafsteuer wird so berechnet, als hätte er vom Vorerben geerbt, § 6 Abs. 2 Satz 1 ErbStG.

Sehr geehrte Rechtsanwälte,

meine Großmutter ist am 11.02.2018 verstorben. Sie und mein Großvater hatten ein notariell beurkundetes Testament, wonach meine Großmutter nach dem Tot meines Großvaters Alleinerbin war.
Meine Mutter soll (NICHT befreite) Vorerbin und ich Nacherbin sein.

Der Nachlass besteht in Höhe von 295.000,00 € aus einem Depot, Sparkonto, etc. sowie einer von mir bewohnten Immobilie im Wert von 95.000,00 €. In dieser Immobilie wohne ich seit ca. 20 Jahren zu einer geringen, vom Finanzamt nicht beanstandeten Miete.

Meine Mutter ist verheiratet. Sie und mein Vater haben eine eigene Immobilie im Wert von ca. 200.000 € und kein nennenswertes Vermögen.

Nunmehr möchte ich wissen, welche Steuerlast mich im Eintritt des Nacherbfalls erwartet und mit welcher Steuerklasse der Nachlass zu versteuern ist bzw. welchen Freibetrag ich haben werde.

Nach Beratung durch einen Notar möchten meine Mutter mir die von mir bewohnte Immobilie schenken. Im Gegenzug stimme ich der Übertragung des Depots und der Sparkonten in das Ehevermögen meiner Eltern zu, sodass ich Alleineigentümerin der Immobilie werde und meinen Eltern zu gleichen Teilen das restliche Vermögen gehören soll. Haben die vorgenannten Transaktionen Einfluss auf die Erbschaftssteuer im Todesfall meiner Mutter oder wird das Nachlassvermögen vom Todestag meiner Großmutter zugrunde gelegt, weil meine Mutter nicht befreite Vorerbin ist?

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage.

Einsatz editiert am 19.03.2018 22:45:20

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Eine abschließende Beurteilung Ihrer beiden Fragen würde eine vollständige Prüfung sowohl des zu Grunde liegenden Testaments als auch der beabsichtigten Übertragungsvereinbarung erfordern.

Unter der Voraussetzung, dass sich in diesen beiden Dokumenten keine Überraschungen verbergen, kann ich Ihre Fragen wie folgt beantworten:

1. Beim Eintritt der Nacherbfolge ist der aus der Vorerbschaft stammende Erwerb so zu versteuern, als würde er vom Vorerben stammen, § 6 ErbStG. Es ist also so zu versteuern, als hätte Ihre Mutter Ihnen die Vermögenswerte Ihrer Großmutter unmittelbar vererbt.

Es gilt also Steuerklasse eins ("I"), § 15 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG und ein Freibetrag von 400.000 €, § 16 Nr. 2 ErbStG.

Für den Betrag, der die 400.000 € übersteigt, gelten die Steuersätze der ersten Spalte der Tabelle (Spalte "I") nach § 19 Absatz 1 ErbStG.

Unter Zugrundelegung der von Ihnen genannten Werte würde sich folgendes ergeben:

Depots und Konten 295.000 €, von Ihnen bewohnte Immobilie 95.000 €, hälftige Immobilie Ihrer Eltern 100.000 €. Das sind zusammen 490.000 €. Sie müssten also eine Erbschaftssteuer von 11 % aus 90.000 € zahlen.

Natürlich können sich die Werte bis zum Eintritt des Nacherbfalls ändern, sodass dies nur ein erster Anhaltspunkt sein kann.

2. Die beabsichtigte Vereinbarung wäre bezogen auf die Übertragung der von Ihnen bewohnten Immobilie steuerrechtlich eine Schenkung, § 7 Abs. 1 Nr. 7 ErbStG. Dies ist auch dann eine Schenkung, wenn Sie im Gegenzug auf Ihr Recht zur Nacherbschaft bezogen auf die übrigen Werte verzichten, vgl. Griesel in: Daragan, Halaczinsky, Riedel, Praxiskommentar ErbStG und BewG, 3. Aufl. 2017 § 7 ErbStG, RdNr. 137, Urteil Finanzgericht München vom 6.11.2002 Aktenzeichen 4 K 5600/00.

Im Moment der Vereinbarung spielt das keine Rolle, weil der Wert des Hauses unterhalb des Freibetrags liegt.

Hinsichtlich des Nacherbfalls ist zu unterscheiden. Stirbt Ihre Mutter innerhalb der nächsten zehn Jahre, so würde diese Schenkung gemäß § 14 ErbStG der weiteren Erbschaft beim Tod Ihrer Mutter hinzugerechnet. Wenn die jetzigen Werte (Depots, Guthaben, hälftige Immobilie) dann noch in voller Höhe vorhanden wären, müssten Sie also im Ergebnis dieselbe Steuer zahlen, als wäre die Vereinbarung nicht getroffen worden. Anderenfalls würde - immer gleichbleibende Werte vorausgesetzt - sich die Erbschaft beim Tode Ihrer Mutter um 95.000 € verringern. Der zugrundezulegende Wert wäre dann 395.000 €, das wäre also knapp unter dem Freibetrag.

Allerdings - ich bin mir bewusst, dass Sie danach nicht gefragt haben - stünde es Ihrer Mutter im Falle dieser Vereinbarung frei, die Beträge ohne Beschränkungen auszugeben und auch andere Personen als Erben einzusetzen.

Abschließend will ich vorsorglich noch darauf hinweisen, dass meine Antwort die aktuelle Rechtslage wiedergibt, Ihre Frage sich aber auf einen ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft richtet. Die anzuwendenden Steuergesetze können sich bis dahin geändert haben.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 23.03.2018 | 11:04

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