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Erbschaft bei Testament mit Formfehler

| 20. September 2022 12:36 |
Preis: 52,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


17:17

Mein Onkel ist am 26.4.2022 gestorben. Er hat ein Testament hinterlassen und 2 Freunde per Schriftstück als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Ich und mein Bruder sind die nächsten Angehörigen und bekamen ein Schreiben vom Nachlassgericht.

In der Testamentseröffnungs-Niederschrift vom 20.6.2022 steht: "Es wurden folgende Auffälligkeiten festgestellt: Das Testament ist maschinengeschrieben und genügt damit nicht den Formvorschriften des § 2247 BGB." Auch der Vertrag mit den Testamentsvollstreckern ist formal ungültig. Im Testament bedachte mein Onkel 20 Menschen zu gleichen Teilen mit seinem Vermögen (Geld).

Mein Bruder und ich wurden vom Gericht aufgefordert Namen/Adressen von Kindern des Erblassers, seinen Geschwistern und deren Abkömmlinge mitzuteilen. Haben wir gemacht. Mein Bruder bat das Gericht schriftlich darum zu prüfen, ob das Testament des Onkels für gültig erklärt werden könne. Er will den Willen des Onkels erfüllen und hat keinen Zweifel, dass dieses Testament der letzte Wille des Onkels ist. (Mein Bruder hat kein Eigeninteresse, im Testament wird er explizit ausgeschlossen)

Das Gericht forderte daraufhin von den "Testamentsvollstreckern" weitere Unterlagen. Es gab weitere 2 Testamente (leicht modifizierten Inhalts). Ebenfalls maschinengeschrieben, von Hand leicht ergänzt.

Am 25.8.2022 wurden diese beiden Testamente eröffnet. In der Eröffnungs-Niederschrift heißt es: "Es wurden folgende Auffälligkeiten festgestellt: Das Testament genügt nicht den Formvorschriften des § 2247 BGB. Die Anlage 10 enthält zahlreiche handschriftlichen Ergänzungen und Berichtigungen. Auch diese ist jedoch nicht unterschrieben." (In der Anlage 10 wird beschrieben, wie sein Barvermögen verteilt werden soll)

Ich habe beim Nachlassgericht angerufen und gefragt, was all das nun bedeutet. Wer erbt, und was ist zu tun? Antwort: "Ich darf keine Rechtsauskunft geben, Sie können ja einen Anwalt beauftragen." Ich fragte, ob ich einen Erbschein beantragen kann, und ob dann geprüft wird. Antwort: "ja, dann wird geprüft".

Gemäß der gesetzlichen Erbfolge wären mein Bruder und ich die Erben. Meine Idee ist, einen Erbschein zu beantragen, um Antwort zu bekommen, ob die gesetzliche Erbfolge gilt. Mein Bruder will nicht aktiv werden. Falls sich herausstellen sollte, dass er Erbe ist, würde er das Erbe nach Abzug der Erbschaftssteuer gemäß dem Willen des Onklels weitergeben.

Was meinen Sie? Danke fürs Mitdenken und eine Antwort

20. September 2022 | 14:05

Antwort

von


(2037)
Marktstraße 17/19
70372 Stuttgart
Tel: 0711-7223-6737
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Aussagen des Nachlassgerichts stimmen, sodass die Testamente (form-)unwirksam und damit nichtig sind, weshalb in der Tat die gesetzliche Erbfolge zur Geltung kommt. Insoweit können Sie auch für sich einen sogenannten Teilerbschein beantragen, der Sie als Miterben ausweist. Ihr Bruder muss das nicht zwingend. Dann bliebe es bei Ihrem Erbschein samt Ausweisung Ihrer Erbquote.

Ihr Bruder kann mit seinem Anteil machen, was er möchte, sofern er mit Ihnen eine Nachlassauseinandersetzung in die Wege leitet.

Eine Erbengemeinschaft besteht nur auf Zeit, da sie sich auseinandersetzen soll, wobei jeder Miterbe daran mitzuwirken hat.

Die Miterben werden nicht etwa gemeinschaftliche Eigentümer an den Nachlassgegenständen, sondern nur am gesamten Nachlass. Jeder Miterbe kann daher über seinen Anteil am Nachlass (den sog. Erbteil oder Erbanteil) verfügen, nicht jedoch über seinen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen. Deshalb müssen alle Miterben an der Auseinandersetzung mitwirken, betrifft es nun Sachen (Immobilien, Antiquitäten und andere dingliche Gegenstände) oder Bar- Konto- und Bausparvermögen.

Der einzelne Erbe kann also nur gemeinsam mit den übrigen Erben über die Vermögensmasse verfügen.

Auch darf sich ein Erbe ohne die Zustimmung der übrigen Erben keinen Gegenstand aus der Vermögensmasse herausnehmen. Die Erbengemeinschaft verwaltet den Nachlass gemeinsam.

Eine Erbengemeinschaft kann grundsätzlich auf drei Arten auseinandergesetzt werden.

1.
Durch eine schuldrechtliche Erbauseinandersetzung nach § 2042 BGB

2.
Durch eine Erbanteilsübertragung nach § 2033 BGB

3.
Durch das einvernehmliche Ausscheiden eines Erben aus der Erbengemeinschaft (sogenannte Abschichtung).

Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen, § 2042 BGB.

Das Problem, wenn sich ein oder mehrere Miterben dieser Auseinandersetzung verweigern, wird durch eine sogenannte Teilungsklage gelöst:

Kommen die Erben nicht zu einer Einigung, hat jeder einzelne Erbe die Möglichkeit, die Erbengemeinschaft aufzulösen.

Er kann die anderen Miterben auf Zustimmung zu einem Teilungsplan verklagen.

Bei Immobilien wäre auch die Möglichkeit der Teilungsversteigerung gegeben.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Daniel Hesterberg

Rückfrage vom Fragesteller 26. September 2022 | 10:37

Ich habe noch nicht verstanden, was wir nun konkret tun können.

Mein Bruder will, dass seine Hälfte der Erbschaft an die vom Onkel vorgesehenen "Erben" weitergeleitet wird. Ich werde meinen Anteil nicht weiterleiten. Wir sind einvernehmlich, mein Bruder gibt mir jegliche Vollmacht, möchte mir alles Weitere überlassen, Auch die Weiterleitung seines Erbteils. Er möchte möglichst nichts mit der Erbschaftssteuer zu tun haben.

Welche der 3 von Ihnen genannten Möglichkeiten der Erbauseinandersetzung ist nun für uns am einfachsten, und wie muss ich konkret vorgehen?
"1. Durch eine schuldrechtliche Erbauseinandersetzung nach § 2042 BGB
2. Durch eine Erbanteilsübertragung nach § 2033 BGB
3. Durch das einvernehmliche Ausscheiden eines Erben aus der Erbengemeinschaft (sogenannte Abschichtung)."

Wie ich es verstehe:
1. § 2042 BGB: Ich beantrage mit Vollmacht meines Bruders einen Erbschein und jeder übernimmt seinen Anteil
2. Erbanteilsübertragung nach § 2033 BGB: Mein Bruder überträgt mir das Erbe. Macht nur Sinn, wenn er dann mit der Erbschaftssteuer nichts zu tun hat. Der Unterschied zur Abschichtung ist mir nicht klar. Wie müssen wir vorgehen?
3. Abschichtung: Würde mein Bruder favorisieren, weil er dann wahrscheinlich am wenigsten mit der ungeliebten Angelegenheit zu tun hat. Auch nicht mit der Erbschaftssteuer. Was müssen wir tun?

Vielen Dank für die Antwort und ein freundlicher Gruß


Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 26. September 2022 | 17:17

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre abgegebene Bewertung und Ihre Rückmeldung, die ich gerne wie folgt beantworte:

Hier wäre an die Alternative 1, der schuldrechtliche Auseinandersetzungsvertrag, oder die Alternative 3, die Abschichtung, zu denken und dieser am besten anwaltlich oder durch eine Notar umzusetzen - im Einzelnen:
Soweit dabei eine Immobilie zu übertragen ist, ist zwingend ein Notar einzuschalten. Aber wie gesagt, bei einer Abschichtung ginge es auch ohne Notar. Allein schon zur richtigen Verteilung des Nachlasses im Sinne des Onkels (auch wenn seine Testamente formunwirksam sind), wäre eben eine anwaltliche Hilfe oder notarielle Hilfe meines Erachtens nach unerlässlich.

Richtig, ein Erbschein können Sie beide beantragen, Sie auch für Ihren Bruder mittels einer Vollmacht von ihm.

Für weitere Einzelheiten stehe ich gerne hier im Wege eine Direktanfrage unter Anrechnung der hier gezahlten Vergütung zur Verfügung. Denn die Einzelheiten können jetzt leider nicht im Rahmen dieser Erstberatung im Einzelnen erklärt werden, danke für Ihr Verständnis.

Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Hesterberg
Rechtsanwalt


Bewertung des Fragestellers 20. September 2022 | 14:21

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