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Erbrecht - Testament

| 08.02.2015 21:14 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Als meine Mutter vor 10 Jahren Ihr Testament vor einem Notar gemacht hat, war sie sehr gut situiert. Erben sollte meine Schwester und ich alles zu gleichen Teilen und von unserem Erbe unseren Kindern und Enkeln jedem einen festgelegten Betrag auszahlen.

Dann hat meine Mutter gut gelebt.

Seit 3 Jahren ist sie Pflegestufe 2 und nun 3, dement und
der monatliche Aufwand ist beträchtlich.

Rechnerisch wird Ihr Geld noch für ca. 18 Monate Zuzahlung reichen, dann ist nur noch der Teil übrig, der den Enkeln und Urenkeln ausbezahlt werden soll.

Also wir als Haupterben, die ja auch die Arbeit und Probleme haben, gehen leer aus, da wir ja keinen festgelegten Betrag vermacht bekommen haben.
Kann das richtig sein?

Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer anwaltlichen Erstberatung möchte ich Ihnen Ihre Anfrage auf Grundlage der angegebenen Informationen und Darstellungen wie folgt beantworten:

Eine erste Möglichkeit ist das Testament auszulegen. Sofern sich im Testament eine Andeutung findet, dass die Vermächtnisse an Kinder und Enkel bei fehlender Leistungsfähigkeit in einem bestimmten Verhältnis zu kürzen sind, wäre entsprechend zu verfahren. In der Regel wird das nicht der Fall sein.

In der Folge ist Ihre Vermutung „viel Arbeit, kein Lohn" zutreffend. Das ist nunmal das Risiko als Erbe. Eine Kürzung der Vermächtnisse und Auflagen nach § 2318 BGB käme erst in Betracht, wenn noch irgendein anderer pflichtteilsberechtigter, der nicht auch selbst Erbe ist, bestünde. Ist im Erbfall der Nachlass sogar so verarmt, dass nichtmal alle Auflagen erfüllt werden können, würde eine Testamentsauslegung wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass die Auflagen und Vermächtnisse in Relation zueinander zu kürzen sind.

Ihnen und Ihrer Schwester bliebe jedoch noch, das Erbe auszuschlagen. Weil Sie testamentarisch durch die Vermächtnisse beschwert sind, behalten Sie gemäß § 2303 BGB in Verbindung mit § 2306 Abs. 1 BGB Ihren schuldrechtlichen Pflichtteilsanspruch. Demnach hätten Sie und Ihre Schwester (unterstellt es gibt keinen Vater und keine weiteren Geschwister bzw. deren Abkömmlinge mehr) jeweils einen Geldanspruch in Höhe von ¼-tel des Nachlasses. Diesen müssten die „neuen" Erben zunächst erfüllen, nur der Rest würde zwischen denen aufgeteilt werden. Im Ergebnis wurden also Ihre Kinder und/oder Enkel erben. Diese müssten aber erstmal Ihnen und Ihrer Schwester den Pflichtteil bezahlen, den Rest dürfen diese behalten. Dann haben die die Arbeit, aber auch etwas Geld.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen. Dies gilt jedoch nicht für neue oder nun neu aufgetretene Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Spies, LL.M.
Rechtsanwalt in Düsseldorf

Bewertung des Fragestellers 08.02.2015 | 22:24

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