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Erbrecht - Missbrauch Kontovollmacht


| 13.09.2017 21:17 |
Preis: 70,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Guten Tag,

nachdem in 2011 meine Mutter verstarb, ist mein Vater in 2014 zusammen mit meinem Bruder und dessen thailändischer Frau nach Thailand ausgewandert. Um dies zu finanzieren, wurden die beiden Häuser meines Vaters verkauft. Mein Bruder ist komplett mittellos. Da mein Vater mittlerweile pflegebedürftig ist, bekam mein Bruder noch vor Auswanderung nach Thailand volle Kontovollmacht von meinem Vater und ist zudem auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt worden. Weiterhin wurden m.W. sämtliche Gelder aus dem Verkauf der beiden Häuser (ca. 700k Euro) nach Thailand transferiert. Da mein Bruder unseren Vater davon überzeugte ein gemeinsames Konto würde ausreichen, habe ich nun die Befürchtung, dass sich nach dem Ableben meines Vaters das gesamte Vermögen entweder auf einem Konto meines Bruders oder seiner Frau befindet und mein Erbe gleich Null ist. Was kann ich tun um dies zu verhindern? Soweit ich informiert bin muss mein Bruder als Testamentsvollstrecker Rechenschaft über sämtliche Kontobewegungen ablegen. Ist mein Bruder zur Herausgabe meines Erbteils verpflichtet, auch wenn sich das Vermögen nicht mehr auf einem Konto meines Vaters befindet? Und was passiert, wenn sich mein Bruder auch noch eine Schenkungsurkunde über das gesamte Vermögen von meinem Vater hat unterschreiben lassen?

Grüße
Linus-van-Pelt
13.09.2017 | 22:05

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte Ihre Frage auf Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben. Bitte beachten Sie, dass schon geringe Abweichungen im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Bewertung führen können.

Zur Beantwortung Ihrer Frage gehe ich davon aus, dass Ihr Vater deutscher Staatsangehöriger ist (und bleibt) und daher deutsches Erbrecht anwendbar ist.

Als Testamentsvollstrecker obliegt es alleine Ihrem Bruder die Erbmasse zu verwalten. Dies bedeutet umfassende Zugriffsrechte und die ordnungsgemäße Verwaltung aller Vermögenswerte. Besondere Betonung liegt hier auf "ordnungsgemäß". Ein "Zur-Seite-schaffen" von Geld zu Lasten eines Erben würde zu einer Haftung des Testamentsvollstreckers führen. Der Testamentsvollstrecker hat auch umfangreiche Pflichten. Dies sind nicht nur Informationspflichten sondern auch beispielsweise die Pflicht ein Vermögensverzeichnis zu erstellen.

Wenn Ihr Vater zum Zeitpunkt seines Todes alles Geld auf dem Konto Ihres Bruders untergebracht hat, so ist dieser dadurch nicht uneingeschränkt Eigentümer geworden.
Beispiel: Ihr Bruder hat kein Vermögen, Ihr Vater verfügt über 700.000 €. Die beiden eröffnen ein gemeinsames Konto, Wert 700.000 €. Ihr Vater stirbt: Das gesamte Geld ist zu verteilen.

Leider wird es nicht ganz so einfach sein, da zwischen Kontoeröffnung und Erbfall zahlreiche Kontobewegungen zu verbuchen sein werden. Diese müssten dann unter Mitwirkung Ihres Bruders aufgeschlüsselt werden. Anders gesagt: Es muss ermittelt werden wieviel von dem Geld zum Zeitpunkt des Todes tatsächlich Ihrem Vater gehörte. Die Stellung des Testamentsvollstreckers ist hier für Ihren Bruder nicht vorteilhaft. Vielmehr kommt für Sie, im Falle der Veruntreuung eine weitere Anspruchsgrundlage hinzu, Schadensersatz gegen den Testamentsvollstrecker.

Ihr Bruder muss Ihnen Ihren Erbteil auszahlen, die Schwierigkeit wird darin bestehen Ihren Erbteil zu ermitteln.

Wenn Ihr Bruder behauptet (oder es sogar beweisen kann), dass Ihm das gesamte Vermögen als Schenkung übertragen wurde greift hier die Abschmelzregelung. Mit jedem Jahr wird die Schenkung mit 10 % weniger im Vermögen des Erblassers berücksichtigt. Beispiel: Ihr Vater schenkt Ihrem Bruder im Jahre 2010 100.000 €. Sein sonstiges Vermögen beläuft sich auf 200.000 €. Stirbt er 2010 so ist die Erbmasse 300.000 €. Bei gleicher Erbquote erhält jeder 150.000 €. Ihr Bruder hat bereits 100.000 € erhalten, sein Anspruch ist auf 50.000 € beschränkt. Stirbt Ihr Vater 2017 werden 70 % der Schenkung nicht mehr angerechnet. Die Erbmasse liegt folglich bei 230.000 €. Jeder erhält 115.000 €, ihr Bruder muss sich 30.000 € anrechnen lassen. Nach 10 Jahren ist die Schenkung völlig abgeschmolzen. Die Erbmasse liegt nur noch bei 200.000 € usw.

Hat Ihr Bruder das gesamte Vermögen geschenkt bekommen und sind 10 Jahre vergangen so bleibt kein verteilungsfähiges Vermögen übrig. Allein die Überweisung an Ihren Bruder oder ein gemeinsames Konto sind für die Annahme einer Schenkung aber nicht ausreichend.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass, sollte Ihr Vater sie wirksam enterbt haben, Ihnen nur ein Pflichtteil (die Hälfte des gesetzlichen Erbteils) zusteht. In diesem Fall müssten Sie einen Pflichtteilsergänzungsanspruch gegen Ihren Bruder geltend machen. Ansonsten gelten die oben gemachten Ausführungen unter Anpassung der Quote.

Ich hoffe, Ihre Frage umfassend beantwortet zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein, nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfrageoption.

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt


Bewertung des Fragestellers 14.09.2017 | 09:40


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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 14.09.2017
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