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Erbrecht - Erbverzichtserklärung

| 02.10.2014 14:51 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


Guten Tag,
gerne bitte ich Sie um Ihre Auskunft zu folgendem Fall.
Ich habe mehrere Geschwister. Ein Geschwisterteil/Bruder ist seit Jahren schwer suchtkrank und zudem verschuldet. Er lebt schon seit Jahren von div. staatlichen Leistungen (Harz4 - Rente).
Div. Gefängnisaufenthalte wegen Suchtthemen und Schulden sind bereits abgesessen. Eine Besserung der Suchterkrankung kann aus ärztlicher Sicht inzwischen praktisch ausgeschlossen werden.
Wir suchen nun zusammen mit meinen Eltern nach einer Lösung im Erbfall.
Was müsste von unserer Seite getan werden, dass mein suchterkrankter Bruder nach Wunsch meiner Eltern nichts erbt ( Zusatzinfo: er hat ein Kind). Größere Summen sind über die Jahre bereits an ihn geflossen um ihn zu unterstützen, diese sind aber nicht formell belegbar.
Sollte eine kpl. Enterbung nicht möglich sein (Morddrohungen gab/gibt es zwar in Eskalationszeiten, sind aber kein stabiler Standard), denken wir an folgende Variante:
Ich, also ein Geschwisterteil, (alternativ: meine Eltern) kaufe/n eine Wohnung, die er/Bruder gegen eine geringe Mindestmiete auf Lebenszeit nutzen kann. Bisher hat/hatte er große Schwierigkeiten überhaupt eine Bleibe (längerfristig) aufgrund seiner persönlichen Disposition zu bekommen. Seine Zustimmung erscheint damit wahrscheinlich.
Notariell soll er dann einen Erbverzicht beurkunden in dem ihm das Recht auf lebenslange Nutzung des Objekts zugesichert wird. Ziel wäre hier auch, dass kein Geld an ihn fliesst, da dieses dann sehr wahrscheinlich zur Schuldentilgung der Gläubiger eingesetzt werden müsste oder in die Finanzierung von Suchtmitteln fliessen würde.

Nun unsere Fragen:
- Sehen Sie zu der Erbverzichtserklärung eine sinnvolle Alternative bei der aktuellen Sachlage ? Beim Thema Vor-/Nacherbe müsste er ja im Erbfall dem zustimmen, was je nach seiner dann vorliegenden Situation womöglich nicht sinnvoll von ihm entschieden werden kann. Ziel wäre damit am liebsten vor dem Erbfall Klarheit zu schaffen.
- Wer würde eine solche Erklärung aufsetzen ? Können wir das auch ? Was sind die Mindestanforderungen und wer muss das vor der notariellen Beurkundung prüfen ? Welche Wartezeiten und Kosten beim Notar sind ggf. für eine solche Beurkundung zu erwarten ?
- Erscheint es sinnvoller, wenn eher ich Eigentümer des Mietobjektes wäre oder eher meine Eltern ( im Falle meiner Eltern wären ja im Erbfall alle verbleibenden Geschwister hier erbberechtigt und damit auch verpflichtet die notariell beurkundete Thematik einzuhalten, es sei denn meine Eltern formulieren ein Testament, das hier genaue Regelungen enthält – oder ?)
- Spricht etwas dagegen, dass ein geringer Mietpreis angesetzt wird, der in etwa dem Hausgeld/den Ausgaben entspricht ?
- Kann mein Bruder auch in solch einer Konstellation Wohngeld/staatliche Hilfe bzgl. Wohnkosten beantragen oder steht die geplante notarielle Vereinbarung dem entgegen ?
- Spricht etwas dagegen eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er wiederholt (ggf. klarer zu spezifizieren) vorsätzlich oder fahrlässig Sachbeschädigung am/im Objekt betreiben. Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?
- Spricht etwas dagegen, eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er für einen noch zu definierenden Zeitraum die festgelegte Mindestmiete nicht entrichten ? Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?
- Könnte von den Mitbewohnern, die ebenfalls in dem Objekt wohnen würden wie mein Bruder in irgendeiner Weise Druck etc. ausgeübt werden, dass er dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen könnte/oder könnten ich/meine Eltern (also der/die Eigentümer) gezwungen werden, ihn dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen zu lassen ( aufgrund seiner Erkrankung ist eine Auffälligkeit im Umgang, die womöglich auch auf polizeiliche Einsätze hinauslaufen könnten, nicht auszuschliessen. Aufenthalte in einer Fachklinik sind z.B. zu erwarten und würden ja nur eine zeitweise Unterbrechung der Unterbringung in dem geplanten Objekt bedeuten und damit keinen kompletten Abbruch der Unterbringung/Nutzung des Objektes.
- Da er ja staatliche Leistungen erhalten hat bzw. erhält: inwiefern ist der Staat an einer Rückforderung interessiert und könnte dieses Thema hier zu überlegen sein ?
- Früher hatte ich und meine Eltern eine Vorsorgevollmacht von meinem Bruder – diese gilt inzwischen nicht mehr; in Eskalationszeiten wird er damit von einer staatlich eingesetzten Person betreut. Gibt es hier diesbezüglich etwas zu beachten ?
- Weiter würden wir gerne verstehen, ob sein Kind für den Fall, dass er den Erbverzicht mit der o.g. Nutzung akzeptieren würde noch in irgendeiner Art und Weise gegenüber meinen Eltern erbberechtigt wäre.

Was wäre in diesem Fall noch zu beachten ?

Danke für Ihre Hinweise.

Mit freundlichem Gruss


Einsatz editiert am 02.10.2014 15:26:52
02.10.2014 | 16:35

Antwort

von


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Sehr geehrte Fragestellerin,

eine komplette Enterbung wäre nur dann möglich, wenn er die Eltern tatsächlich versuchte umzubringen (§ 2339 BGB). Eine "bloße Drohung" reicht dafür (leider) noch nicht aus.

Zu Ihren Fragen:

- Sehen Sie zu der Erbverzichtserklärung eine sinnvolle Alternative bei der aktuellen Sachlage ? Beim Thema Vor-/Nacherbe müsste er ja im Erbfall dem zustimmen, was je nach seiner dann vorliegenden Situation womöglich nicht sinnvoll von ihm entschieden werden kann. Ziel wäre damit am liebsten vor dem Erbfall Klarheit zu schaffen

Der Bruder sollte auf jeden Fall erst einmal enterbt werden, damit er auf den Pflichtteil reduziert wird. Die Eltern könnten darüber hinaus auch ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten an die jeweiligen Kinder verschenken, wobei allerdings die 10 Jahresfrist einzuhalten wäre. Erst nach zehn Jahren wäre darauf kein Pflichtteil mehr an den Bruder zu zahlen, mit jedem vergangenen Jahr jeweils 10% (vgl. § 2325 BGB).

Alternativ wäre dann noch das Wohnungsangebot zu betrachten, wenn die Eltern entweder ihr Vermögen nicht bereits jetzt verschenken möchten oder aber zu befürchten ist, dass ein naher Todesfall eintreten wird.


- Wer würde eine solche Erklärung aufsetzen ? Können wir das auch ? Was sind die Mindestanforderungen und wer muss das vor der notariellen Beurkundung prüfen ? Welche Wartezeiten und Kosten beim Notar sind ggf. für eine solche Beurkundung zu erwarten ?

Dies muss vor einem Notar passieren, da der Erbverzicht notariell beurkundet werden muss. Die Kosten richten sich nach dem Vermögen, wobei ca. 5-10% der Summe als Honorar fällig wird.Dies ist aber aufgrund der Gebührenordnung und mangels weiterer Angaben eine sehr grobe Schätzung.


- Erscheint es sinnvoller, wenn eher ich Eigentümer des Mietobjektes wäre oder eher meine Eltern ( im Falle meiner Eltern wären ja im Erbfall alle verbleibenden Geschwister hier erbberechtigt und damit auch verpflichtet die notariell beurkundete Thematik einzuhalten, es sei denn meine Eltern formulieren ein Testament, das hier genaue Regelungen enthält – oder ?)

Besser wäre es, wenn die Eltern es Ihnen schenken würden. In diesem Falle hätten Sie einereits den Erbverzicht und falls das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte, noch die Schenkung, die sodann nach zehn Jahren sowieso nicht mehr in die Erbmasse fällt.


- Spricht etwas dagegen, dass ein geringer Mietpreis angesetzt wird, der in etwa dem Hausgeld/den Ausgaben entspricht ?

Überhaupt nicht. Hierin sind Sie absolut frei. Wenn aber das Sozialamt sowieso die Kosten übernehmen sollte, dann kann auch die ortsübliche Miete genommen werden.

- Kann mein Bruder auch in solch einer Konstellation Wohngeld/staatliche Hilfe bzgl. Wohnkosten beantragen oder steht die geplante notarielle Vereinbarung dem entgegen?

Auch staatliche Hilfen kann er beantragen, allerdings könnte es zu Problemen kommen, wenn die potentielle Erbschaft höher ist und er vorsätzlich auf Vermögen verzichtet. Allerdings könnte man dann damit entgegenwirken, dass man die Miete tatsächlich niedriger ansetzt, beispielsweise auf 50% der ortsüblichen Miete, um am Ende Probleme für Ihren Bruder zu vermeiden.

- Spricht etwas dagegen eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er wiederholt (ggf. klarer zu spezifizieren) vorsätzlich oder fahrlässig Sachbeschädigung am/im Objekt betreiben. Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?

Das kann man machen. Für die rechtssichere Formulierung ist allerdings auch der Notar zuständig. Dies könnte allerdings auch von einem Rechtsanwalt vorbereitet werden. Wichtig ist dabei die Bestimmtheit der Auflistung Straftaten und dass diese konkret beschrieben werden (Vorsatz/Fahrlässigkeit, Paragraphen, rechtskräftige Verurteilung, Einstellung des Verfahrens usw.). Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass eine Ausformulierung den Fragerahmen sprengen würde und deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, da hierbei die Haftung auch erhöht ist, wenn dies nicht richtig formuliert wird.

- Spricht etwas dagegen, eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er für einen noch zu definierenden Zeitraum die festgelegte Mindestmiete nicht entrichten? Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?

Auch dagegen spricht nichts. Auch hier müssten konkrete Zahlen genannt werden und der Zahlungsverzug darf nicht unverschuldet sein. Sodann gilt das bereits eben Gesagte.
Wenn Sie eine solche Ausformulierung von mir wünschen sollten, bitte ich um einen kurzen Hinweis.


- Könnte von den Mitbewohnern, die ebenfalls in dem Objekt wohnen würden wie mein Bruder in irgendeiner Weise Druck etc. ausgeübt werden, dass er dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen könnte/oder könnten ich/meine Eltern (also der/die Eigentümer) gezwungen werden, ihn dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen zu lassen ( aufgrund seiner Erkrankung ist eine Auffälligkeit im Umgang, die womöglich auch auf polizeiliche Einsätze hinauslaufen könnten, nicht auszuschliessen. Aufenthalte in einer Fachklinik sind z.B. zu erwarten und würden ja nur eine zeitweise Unterbrechung der Unterbringung in dem geplanten Objekt bedeuten und damit keinen kompletten Abbruch der Unterbringung/Nutzung des Objektes.


Sollte er ein eingetragenes Wohnrecht haben, können die Mitbewohner rechtlich nichts machen, außer die eigene Miete mindern oder kündigen, wenn es zu ernsteren Problemen kommen sollte.

- Da er ja staatliche Leistungen erhalten hat bzw. erhält: inwiefern ist der Staat an einer Rückforderung interessiert und könnte dieses Thema hier zu überlegen sein ?

Hierzu gilt das oben Gesagte, dass er sich mit dem Erbverzicht eventuell schadensersatzpflichtig machen könnte. Entgegengewirkt könnte mit der vorherigen Schenkung der Immobilie an einer der anderen Kinder, um das Gesamterbe zu mindern und im Wege eines niedrigeren Mietzinses.


- Früher hatte ich und meine Eltern eine Vorsorgevollmacht von meinem Bruder – diese gilt inzwischen nicht mehr; in Eskalationszeiten wird er damit von einer staatlich eingesetzten Person betreut. Gibt es hier diesbezüglich etwas zu beachten ?

Hierbei kommt es darauf an, wie weit die Vorsorgevollmacht reicht. Es kann sein, dass der Betreuer bzw. das Betreuungsgericht dem Erbverzicht noch zustimmen müssten, wenn er nicht mehr voll geschäftsfähig sein sollte.

- Weiter würden wir gerne verstehen, ob sein Kind für den Fall, dass er den Erbverzicht mit der o.g. Nutzung akzeptieren würde noch in irgendeiner Art und Weise gegenüber meinen Eltern erbberechtigt wäre.

Nein, dieses Kind ist außen vor, da es nur seinen Eltern gegenüber erbberechtigt ist, oder aber dann, wenn von Ihnen keiner mehr Ihre Eltern beerben würde.

Bei weiteren Fragen oder wenn Sie bei diesem Fall Hilfe brauchen sollten, stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung, da meine Kanzlei auch auf bundesweite Mandate ausgerichtet ist.

Mit freundlichen Grüßen


Hoffmeyer, LL.M.
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 07.10.2014 | 22:39

Gute Tag Herr Hoffmeyer,

vielen Dank für Ihre Antworten - es gibt dazu doch noch ein paar Verständnisnachfragen:

- Sehen Sie zu der Erbverzichtserklärung eine sinnvolle Alternative bei der aktuellen Sachlage ? Beim Thema Vor-/Nacherbe müsste er ja im Erbfall dem zustimmen, was je nach seiner dann vorliegenden Situation womöglich nicht sinnvoll von ihm entschieden werden kann. Ziel wäre damit am liebsten vor dem Erbfall Klarheit zu schaffen.

Der Bruder sollte auf jeden Fall erst einmal enterbt werden, damit er auf den Pflichtteil reduziert wird. Die Eltern könnten darüber hinaus auch ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten an die jeweiligen Kinder verschenken, wobei allerdings die 10 Jahresfrist einzuhalten wäre. Erst nach zehn Jahren wäre darauf kein Pflichtteil mehr an den Bruder zu zahlen, mit jedem vergangenen Jahr jeweils 10% (vgl. § 2325 BGB).

******Verständnisfrage: Verstehe ich das richtig, dass mit jedem vergangenen Jahr 10% weniger angerechnet wird, heisst nach z.B. 7 Jahren sind noch 30% des Schenkungsvolumens zu betrachten ?

Alternativ wäre dann noch das Wohnungsangebot zu betrachten, wenn die Eltern entweder ihr Vermögen nicht bereits jetzt verschenken möchten oder aber zu befürchten ist, dass ein naher Todesfall eintreten wird.

- Wer würde eine solche Erklärung aufsetzen ? Können wir das auch ? Was sind die Mindestanforderungen und wer muss das vor der notariellen Beurkundung prüfen ? Welche Wartezeiten und Kosten beim Notar sind ggf. für eine solche Beurkundung zu erwarten ?

Dies muss vor einem Notar passieren, da der Erbverzicht notariell beurkundet werden muss. Die Kosten richten sich nach dem Vermögen, wobei ca. 5-10% der Summe als Honorar fällig wird.Dies ist aber aufgrund der Gebührenordnung und mangels weiterer Angaben eine sehr grobe Schätzung.

******Verständnisfrage: Verstehe ich das richtig, dass ich und/oder auch ein Rechtsanwalt den Schriftsatz aufsetzen könnten und der Notar be-/überarbeitet ggf. ?
Und verstehe ich das richtig, dass es hier keine Mindestanforderungen gibt ?
Verstehe ich das richtig, dass die Notarkosten sich auf das aktuelle Vermögen beziehen und nicht auf das Vermögen, welches sich evtl. im Erbschaftsfall ergeben würde.

- Erscheint es sinnvoller, wenn eher ich Eigentümer des Mietobjektes wäre oder eher meine Eltern ( im Falle meiner Eltern wären ja im Erbfall alle verbleibenden Geschwister hier erbberechtigt und damit auch verpflichtet die notariell beurkundete Thematik einzuhalten, es sei denn meine Eltern formulieren ein Testament, das hier genaue Regelungen enthält – oder ?)

Besser wäre es, wenn die Eltern es Ihnen schenken würden. In diesem Falle hätten Sie einereits den Erbverzicht und falls das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte, noch die Schenkung, die sodann nach zehn Jahren sowieso nicht mehr in die Erbmasse fällt.

- Spricht etwas dagegen, dass ein geringer Mietpreis angesetzt wird, der in etwa dem Hausgeld/den Ausgaben entspricht ?

Überhaupt nicht. Hierin sind Sie absolut frei. Wenn aber das Sozialamt sowieso die Kosten übernehmen sollte, dann kann auch die ortsübliche Miete genommen werden.

- Kann mein Bruder auch in solch einer Konstellation Wohngeld/staatliche Hilfe bzgl. Wohnkosten beantragen oder steht die geplante notarielle Vereinbarung dem entgegen ?

Auch staatliche Hilfen kann er beantragen, allerdings könnte es zu Problemen kommen, wenn die potentielle Erbschaft höher ist und er vorsätzlich auf Vermögen verzichtet. Allerdings könnte man dann damit entgegenwirken, dass man die Miete tatsächlich niedriger ansetzt, beispielsweise auf 50% der ortsüblichen Miete, um am Ende Probleme für Ihren Bruder zu vermeiden.

- Spricht etwas dagegen eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er wiederholt (ggf. klarer zu spezifizieren) vorsätzlich oder fahrlässig Sachbeschädigung am/im Objekt betreiben. Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?

Das kann man machen. Für die rechtssichere Formulierung ist allerdings auch der Notar zuständig. Dies könnte allerdings auch von einem Rechtsanwalt vorbereitet werden. Wichtig ist dabei die Bestimmtheit der Auflistung Straftaten und dass diese konkret beschrieben werden (Vorsatz/Fahrlässigkeit, Paragraphen, rechtskräftige Verurteilung, Einstellung des Verfahrens usw.). Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass eine Ausformulierung den Fragerahmen sprengen würde und deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, da hierbei die Haftung auch erhöht ist, wenn dies nicht richtig formuliert wird.

- Spricht etwas dagegen, eine Klausel aufzunehmen, dass die Zusicherung der lebenslangen Nutzung erlischt, sollte er für einen noch zu definierenden Zeitraum die festgelegte Mindestmiete nicht entrichten ? Was müsste man beim Formulieren einer solchen Klausel beachten ?

Auch dagegen spricht nichts. Auch hier müssten konkrete Zahlen genannt werden und der Zahlungsverzug darf nicht unverschuldet sein. Sodann gilt das bereits eben Gesagte.
Wenn Sie eine solche Ausformulierung von mir wünschen sollten, bitte ich um einen kurzen Hinweis.

- Könnte von den Mitbewohnern, die ebenfalls in dem Objekt wohnen würden wie mein Bruder in irgendeiner Weise Druck etc. ausgeübt werden, dass er dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen könnte/oder könnten ich/meine Eltern (also der/die Eigentümer) gezwungen werden, ihn dort (auf Dauer) nicht mehr wohnen zu lassen ( aufgrund seiner Erkrankung ist eine Auffälligkeit im Umgang, die womöglich auch auf polizeiliche Einsätze hinauslaufen könnten, nicht auszuschliessen. Aufenthalte in einer Fachklinik sind z.B. zu erwarten und würden ja nur eine zeitweise Unterbrechung der Unterbringung in dem geplanten Objekt bedeuten und damit keinen kompletten Abbruch der Unterbringung/Nutzung des Objektes.

Sollte er ein eingetragenes Wohnrecht haben, können die Mitbewohner rechtlich nichts machen, außer die eigene Miete mindern oder kündigen, wenn es zu ernsteren Problemen kommen sollte.

- Da er ja staatliche Leistungen erhalten hat bzw. erhält: inwiefern ist der Staat an einer Rückforderung interessiert und könnte dieses Thema hier zu überlegen sein ?

Hierzu gilt das oben Gesagte, dass er sich mit dem Erbverzicht eventuell schadensersatzpflichtig machen könnte. Entgegengewirkt könnte mit der vorherigen Schenkung der Immobilie an einer der anderen Kinder, um das Gesamterbe zu mindern und im Wege eines niedrigeren Mietzinses.

- Früher hatte ich und meine Eltern eine Vorsorgevollmacht von meinem Bruder – diese gilt inzwischen nicht mehr; in Eskalationszeiten wird er damit von einer staatlich eingesetzten Person betreut. Gibt es hier diesbezüglich etwas zu beachten ?

Hierbei kommt es darauf an, wie weit die Vorsorgevollmacht reicht. Es kann sein, dass der Betreuer bzw. das Betreuungsgericht dem Erbverzicht noch zustimmen müssten, wenn er nicht mehr voll geschäftsfähig sein sollte.

******Verständnisfrage: wie können wir wissen, ob er derzeit einen Betreuer hat/wo kann man das sicher erfragen ?

- Weiter würden wir gerne verstehen, ob sein Kind für den Fall, dass er den Erbverzicht mit der o.g. Nutzung akzeptieren würde noch in irgendeiner Art und Weise gegenüber meinen Eltern erbberechtigt wäre.

Nein, dieses Kind ist außen vor, da es nur seinen Eltern gegenüber erbberechtigt ist, oder aber dann, wenn von Ihnen keiner mehr Ihre Eltern beerben würde.

******Verständnisfrage: Verstehe ich das richtig, dass auch für den Fall, dass mein Bruder vor meinen Eltern versterben sollte seine Nachkommen keine erbrechtlichen Ansprüche gegenüber meinen Eltern geltend machen können, wenn mein Bruder einen Erbverzicht erklärt hat ? Oder haben Nachkommen meines Bruders in keinem Fall erbrechtliche Ansprüche gegenüber meinen Eltern ?

Sollten Sie weitere Hinweise haben, sind wir dankbar - mit freundlichem Gruss

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.10.2014 | 23:04

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihren Nachfragen:

Eine weitere Alternative zu dem Mietangebot als die Schenkungsmöglichkeit sehe ich nicht, um frühzeitig Klarheit zu schaffen, zumal eine Vor- und Nacherbschaft ebenfalls nicht den Pflichtteil beschränkt.

-------------------------------------------
******Verständnisfrage: Verstehe ich das richtig, dass mit jedem vergangenen Jahr 10% weniger angerechnet wird, heisst nach z.B. 7 Jahren sind noch 30% des Schenkungsvolumens zu betrachten ?

Korrekt.

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Ein Anwalt kann den Vertrag vorher aufsetzen, der Notar sodann beurkunden.
Mindestanforderungen nur insofern, als die Urkunde schlüssig sein muss und die Gegenstände genau bezeichnet sein müssen. Es muss schon juristisch klar und eindeutig formuliert sein.
Der "Streitwert" nach dem sich die Gebühren richten ist der Wert des Verzichtes, sprich der Pflichtteil (Hälfte des gesetzlichen Erbteils beim Todesfall) des Vermögens, oder nur ein Bruchteil (je nach Anzahl der Miterben) des Gesamtvermögens.

Die mögliche Betreuung können Sie beim Betreuungsgericht (Amtsgericht am Wohnort des potentiell Betreuten) schriftlich erfragen.

Wenn ihr Bruder den Erbverzicht erklärt hat, ist dieser zunächst aus der Reihenfolge ausgeschlossen und es erben nur noch die direkten Nachfahren des Verstorbenen bzw. die Geschwister. Erst wenn diese ebenfalls entweder ausschlagen/verzichten oder nicht mehr leben sollten, würde der Enkel erben. Solange diese aber noch da sind, schließen die ERben der ersten Ordnung (direkte Nachkommen) die Erben der zweiten Ordnung vollständig aus.

Bei weiteren Fragen oder wenn Sie bei diesem Fall weitere rechtliche Hilfe brauchen sollten,
schreiben Sie mich bitte direkt per E-Mail an, da diese Plattform nur eine einmalige Nachfrage erlaubt, ich Ihnen aber auch weiterhin bei kostenfreien Nachfragen zur Verfügung stehen möchte und meine Kanzlei auch auf bundesweite Mandate ausgerichtet ist.

Über eine ggf. positive Bewertung würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Hoffmeyer, LL.M.
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 08.10.2014 | 22:35

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