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Erbfolge bei einem Ersatzerben - Ersatzerbe trotz namentlich genannte Erben?

| 01.09.2016 21:14 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Zusammenfassung: Testamente sind bei Unklarheiten auszuelegen.
Der Pflichtteilsanspruch beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Hallo,

folgende Situation:
„A" ist kürzlich gestorben und hinterlässt eine Doppelhaushälfte. Im Testament wurden namentlich seine beiden Kinder „1" und „2" genannt, die zu gleichen Teilen erben sollten.

Nun ist „1" bereits vor einiger Zeit gestorben und hinterlässt eine Ehefrau und ein Kind (Kind1). Das Testament von „A" wurde nach dem Tod von „1" nicht geändert.

Nach eigener Recherche haben sich alle Parteien zusammengesetzt und gingen davon aus das „2" eine Hälfte erbt und die Hälfte die eigentlich „1" zusteht, direkt an Kind1 geht.

Beim Nachlassgericht sagte man uns nun dass die Erbquote/Erbfolge Auslegungssache sei und rein theoretisch auch „2" alleine erben könnte. Daher kann der Erbschein nur von einem Notar eröffnet werden, der dann auch die Erbquote/Erbfolge festlegt.

Unsere Fragen:
1. Wie ist im oben genannten Fall die Erbfolge / Erbquote??

2. Im Falle das „2" beim Notar den Erbschein beantragt und sich als Alleinerbe eintragen lässt, wie stehen die Chancen für Kind1 die Erbquote erfolgreich anzufechten??

3. Wann (Fristen?) und wo müsste so ein Einspruch erfolgen??

4. Falls Frage zwei keine Aussicht auf Erfolg haben sollte, steht Kind1 nicht mindestens ein Pflichtteil zu?

Sehr geehrter Fragesteller,

da befinden Sie sich ja in einer kniffligen Situation.
Ein Testament soll Auskunft darüber geben, wie der Erblasser über sein Vermögen verfügen will. Schlecht ist es, wenn trotz Testament der eigentliche Wille des Erblassers nicht feststeht.
In diesem Fall muss man versuchen zu erforschen, was der Erblasser denn eigentlich wollte.
Am besten wäre eine Äußerung des Erblassers vor möglichst vielen Zeugen, in der er verkündet hat, was er denn genau will.
So etwas kommt bestimmt einmal vor, ist mir aber in meiner über 20 jährigen Praxis noch nie begegnet.
Gibt es solche Äußerungen nicht, so muss man mit weniger deutlichen Hinweisen vorlieb nehmen. War der Erblasser ein Familienmensch? Hatte er mit dem Kind von 1 ein gutes Verhältnis?
Oder aber, hatte er mit dem Kind vielleicht überhaupt keinen Kontakt?
Alles dies kann Aufschluss darüber geben, was der Erblasser tatsächlich wollte. Nur auf diesen tatsächlichen Willen des Erblassers kommt es an.
Sie schildern: „ Nach eigener Recherche haben sich alle Parteien zusammengesetzt und gingen davon aus das „2" eine Hälfte erbt und die Hälfte die eigentlich „1" zusteht, direkt an Kind1 geht."
Dies spricht erst einmal dafür, dass der Erblasser es tatsächlich auch so gewollt hat. Schildern Sie dies dem Notar. Für den ist es wichtig entsprechende Angaben zu bekommen, um das Testament richtig auslegen zu können. Ich vermute aufgrund Ihrer Angaben, dass der Notar einen Erbschein auf 2 und das Kind von 1 als gemeinsame Erben ausstellen wird.

Sollte 2 einen Erbschein nur für sich als Alleinerbe beantragen und auch ausgestellt bekommen, so können Sie dagegen gerichtlich vorgehen. In diesem Fall rate ich Ihnen unverzüglich einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Sollten Sie vor Ort keinen geeigneten Kollegen kennen, so kann ich Sie im Rahmen meiner überörtlichen Tätigkeit gerne vertreten. In diesem Fall würden die Kosten dieser Beratung auf die weiteren Kosten angerechnet.
Nach Ihrer Schilderung gehe ich aber vorerst davon aus, dass dies nicht nötig werden wird.

Sollte es dazu kommen, dass der Notar einen Erbschein für 2 als Alleinerben ausstellt und sollte Kind 1 dies nicht gerichtlich angreifen, so stände Ihm ein Pflichtteilsanspruch zu. Der Pflichtteilsanspruch ist ein reiner Anspruch auf Geld. Einen Anteil am Haus kann Kind 1 dann nicht bekommen. Der Pflichtteilsanspruch beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Nach den von ihnen angegebenen Umständen wäre dies ¼ des Erbes.
Ich möchte abschießend darauf hinweisen, dass dieses Forum lediglich die Funktion hat, einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine vollständige und persönliche Rechtsberatung kann hierdurch nicht ersetzen werden. Auch führt das Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen unter Umständen zu einer völlig anderen rechtliche Beurteilung.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Tampier
Rechtsanwalt

Rückfrage vom Fragesteller 01.09.2016 | 22:47

Erst einmal vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Weitere Hintergrund Infos:

„A" war an Alzheimer/Dement erkrankt und hat sich meiner Meinung nach, nach dem Tod von „1" nicht mehr bzgl Testament und Erbe geäußert. Es bestand ein normales Verhältnis zwischen „A" und KIND1 (Volljährig). Besuche, später im Altersheim, fanden regelmäßig (alle 1-2Monate) und zu Geburtstagen statt. Generell bestand bisher ein normales bis gutes Verhältnis in dem gesamten Familienverbund.
Der Abschnitt: „Nach eigener Recherche haben sich alle Parteien zusammengesetzt.." bezog sich auf „2" und KIND1.
Aus Ihrer Antwort entnehme ich, dass ein gemeinsamer Besuch („2" und KIND1) beim Notar Sinn macht um Unklarheiten direkt vor Ort und zusammen zu klären.

Um einem Rechtsstreit wegen des Familienfriedens vorzubeugen, erlauben Sie mir folgende Rückfragen:

1. Was könnte man als Beleg für ein "normales" Verhältnis dem Notar vorlegen?? Die Besuche wurden nicht dokumentiert, könnten aber ggf. von der Ehefrau von „1" bezeugt werden, des weiteren gibt es ein paar wenige Fotos.

2. Was könnte der Notar (wird von „2" beauftragt) für Gründe für eine Alleinerbschaft vorbringen und wie könnte man diese Gründe direkt vor Ort noch entkräften? Oder kommt es nur auf das Verhältnis zwischen „A" und KIND1 an??

3. Gibt es eine Möglichkeit den Erbschein ohne Notar zu eröffnen (da wir uns ja bisher eigentlich einig waren)? oder ist ein Erbschein zwingend notwendig da ein Grundstück im Spiel ist??

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 01.09.2016 | 23:25

Sehr geehrter Fragesteller,
erst einmal muss man zwischen Geschäftsfähigkeit und Testierfähigkeit unterscheiden. Auch ein Geschäftsunfähiger kann einen Willen bilden, wer später sein Vermögen erben soll.
Von hier aus kann ich nicht beurteilen, ob der Erblasser in der Lage war, einen entsprechenden Willen zu bilden, wer sein Erbe sein sollte. Dies können Sie aber vor Ort selbst beurteilen.
Entsprechende Angaben sind für den Notar hilfreich. Ansonsten sollten Sie auf die Einigung zwischen 2 und Kind 1verweisen und angeben, dass der Erblasser nach Ihrer gemeinsamen Ansicht ) sein Vermögen an beide vererben wollte.
Erst wenn de r Notar weitere Nachfragen stellt oder Zweifel äußert, sollten Sie im alles mitteilen, was für ein gemeinsames Erbrecht spricht. Dies ist dann nicht mehr eine rein rechtliche Frage, es kommt vielmehr auf die tatsächlichen Umstände an. Diese kennen Sie und 2 am besten,
Wichtig ist hier etwa das Verhältnis von Kind 1 zu dem Erblasser. Dies scheint mir gut gewesen zu sein. Sollte der Notar irgendwelche Zweifel daran äußern, dass 2 und Kind 1 Erbe geworden sind, so sollten Ihm die entsprechenden Informationen gegeben werden.

Eine Beratung die noch mehr auf den Einzelfall eingeht, ist leider im Rahmen diese Forums nicht möglich. Ich hoffe Ihnen aber genügend Anhaltspunkte gegeben zu haben, damit Sie ihr Ziel erreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Tampier
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 02.09.2016 | 12:38

Sehr geehrter Fragesteller,

ergänzend zu meiner Antwort möchte ich noch klarstellen, dass Sie gegenüber dem Notar eine Nachweispflicht haben. Sie müssen diesem gegenüber belegen, dass der Erblasser wollte, dass sein Enkel mit erbt. Ansonsten wird der Notar eine Auslegungsregel aus dem BGB hinzu ziehen müssen.
Nach § 2094 BGB muss er dann davon ausgehen, dass 2 Alleinerbe geworden ist.
Ich gehe aufgrund Ihrer Schilderung aber davon aus, dass Sie gegenüber dem Notar alles entsprechend schildern und belegen können.
Mit freundlichen Grüßen
M.Tampier
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 03.09.2016 | 07:45

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