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Erbfall/Testament

27.03.2008 18:27 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Böhler


Unmittelbar nach dem Tod unseres alleinlebenden Vaters hat mein Bruder das Haus, zu dem er einen Schlüssel besitzt, durchsucht und - wie er erzählte - ein verschlossenes Testament gefunden, das er dem Nachlassgericht zuleiten wollte. Eine Woche später teilte er mit, er habe das verschlossene Testament geöffnet und übergab mir eine Kopie eines 35 Jahre alten Schriftstücks, in dem steht, dass der Sohn (Anmerkung: mein Bruder) Alleinerbe sein soll und seine Geschwister x (Anmerkung: zwischenzeitlich verstorben) und y (Anmerkung:ich) den Pflichtteil erhalten sollen. Dabei bemerkte er, er hätte vorgehabt, das Testament zu vernichten, falls es für uns beide ungünstig gewesen wäre.
Einerseits kommen mir die Umstände der Testamentbeschaffung und -eröffnung als auch der Umstand, dass unser Vater in den letzten 35 Jahren trotz gravierender Lebenseinschnitte (Scheidung, Tod eines Abkömmlings, Geburt von Enkeln etc.) keine aktualisierten testamentarischen Verfügungen getroffen haben soll, merkwürdig vor. Ich hege den Verdacht, habe aber bisher keinen Beweis, mein Bruder habe aus dem Haus womöglich mehrere Testamentversionen mitgenommen und mir die für ihn günstigste präsentiert.

Fragen: 1. Hat das Vorgehen meines Bruders strafrechtliche Rele-
vanz?

2. Hätte angesichts der Umstände der Testamentbeschaf-
fung/-eröffnung eine Testamentsanfechtung mit Verweis
auf möglicherweise vorhanden gewesene später datierte
testamentarische Verfügungen, Aussicht auf Erfolg?

3. Kommt das Nachlassgericht von sich aus auf alle Ab-
kömmlinge zu, wenn dort wider Erwarten ein Testament
hinterlegt worden ist oder soll von mir dort nachge-
fragt werden?

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Schilderung summarisch gerne wie folgt beantworte:

1)
Sollte Ihr Bruder tatsächlich aktuellere Testamente beseitigt haben, kann er sich wegen Urkundenunterdrückung gemäß § 274 Abs. 1 Nr. 1 StGB strafbar gemacht haben. Eine Verurteilung wird nur dann erfolgen, wenn die Tat nachgewiesen werden kann. Gemäß § 2259 Abs. 1 BGB besteht die Pflicht, ein aufgefundenes Testament unverzüglich beim Nachlassgericht abzuliefern.

2)
Eine Anfechtung des Testaments allein wegen des Verdachts auf mögliche spätere Testamente hat leider keine Erfolgsaussicht. Die Anfechtbarkeit des Testaments ist in den §§ 2078 ff. BGB geregelt – möglicherweise lassen sich Anhaltspunkte für einen Irrtum Ihres Vaters finden. Ich rate Ihnen, einen Rechtsanwalt mit der Detailprüfung des Falles zu beauftragen; in diesem Zusammenhang stehe ich gerne zur Verfügung. Wenn im übrigen ein aktuelleres Testament „auftauchen“ sollte, wäre das jetzt von Ihrem Bruder vorgelegte Testament nach § 2254 BGB widerrufen.

3)
Sobald das Nachlassgericht vom Tode des Erblassers Kenntnis erlangt, hat es gemäß § 2260 Abs. 1 S. 1 BGB einen Termin zu Eröffnung eines von ihm verwahrten Testaments zu bestimmen. Dazu wären Sie als gesetzliche Erbin zu laden., § 2260 Abs. 1 S. 2 BGB. Da auch beim Nachlassgericht Versehen möglich sind, schadet es nichts, dort nachzufragen, sofern nach einem Monat nach dem Tod des Erblassers keine Terminsladung eingegangen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt

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