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Erbe von Haus, indem man schon jahrelang Miete an die Eltern bezahlt hat

02.09.2005 12:02 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Unsere Eltern haben zwei Häuser und drei Kinder. Das Elternhaus erhalten einmal meine beiden Brüder zusammen. Ich (Tochter) erhalte das andere Haus / Einfamilienhaus. In diesem wohnen wir bereits und zahlen ganz normal Miete. Das Haus (erbaut 2001)mit Grundstück ist ca. 375.000 Euro wert und wir bezahlen (bis meine Eltern gestorben sind) ca. voraussichtlich 25-30 Jahre lang ganz normale Miete.
Wenn nun die Eltern gestorben sind und das Erbe unter uns drei gleichmäßig verteilt werden soll, zu welchem Wert wird dann das Haus angerechnet? Wenn man nämlich die Miete zusammen zählt, haben wir ja wertmäßig das Haus ja bereits abbezahlt. Oder wird dann nur ein Teil des Zeitwertes des Hauses als Erbteil gerechnet??
Oder ist die "lebenslange" Miete des Hauses unabhängig/neutral von dem Erbe zu sehen?
Wir überlegen nämlich gerade, ob es sinnvoller wäre, ein eigenes Haus zu kaufen und dieses abzubezahlen. Dann haben wir am Ende unser eigenes Haus sowie das Erbe meiner Eltern.
Herzlichen Dank für Auskunft

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

In dem Falle, dass alle drei Kinder nach dem Tode Ihrer Eltern gleichberechtigte Erben sein werden, erfolgt die Aufteilung des Erbes auch an alle drei Kinder zu gleichen Teilen entsprechend dem Wert des Nachlasses zur Zeit des Eintritts des Erbfalles.

Eine Anrechnung der von Ihnen bis dahin gezahlten Mieten auf den dann ermittelten Zeitwert des von Ihrer Familie bewohnten Hauses wird nicht vorgenommen. Denn die Mietzahlungen erfolgen nicht in Anbetracht eines späteren Erbes sondern als Entgelt für die Nutzung des gemieteten Hauses. (Bei einem anderen Mietverhältnis könnte der Mieter auch nicht die Übereignung des Mietobjekts verlangen, auch wenn die Summe der erfolgten Mietzahlungen nach entsprechender Mietdauer den Wert des Mietobjekts übersteigt.)

Die Mietzahlungen könnten allenfalls, so noch nicht durch die Eltern aufgebraucht, zu einer Erhöhung des Nachlasswertes und damit auch Ihres Erbteils führen.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen geholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen


Ingo Kruppa
Rechtsanwalt
www.kruppa-ruprecht.de

Nachfrage vom Fragesteller 03.09.2005 | 11:21

Sehr geehrter Herr Kruppa,
vielen Dank für die Antwort. Wie sieht es denn mit Wertsteigerungen aus, die wir selbst bezahlt und/oder getätigt haben? Wir haben z.B. den kompletten Innenausbau selbst erledigt. Desweiteren pflegen wir auch selbst den Garten, bepflanzen ihn und mähen den Rasen.
Vielen Dank für Ihre Mühe und ein schönes Wochenende.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.09.2005 | 13:15

Sehr geerhrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Gegebenenfalls können Sie für von Ihnen im Rahmen des Mietverhältnisses vorgenommene Investitionen einen Ausgleich bei dessen Beendigung verlangen. Das würde allerdings voraussetzen, dass Sie mit Ihren Eltern (als Vermieter) eine entsprechende Vereinbarung getroffen haben. Anderenfalls werden Sie an eventuellen Wertsteigerungen des von Ihnen gemieteten Hauses im Falle einer Erbschaft nur anteilig und mittelbar mit der Erhöhung des Wertes des Nachlasses insgesamt und damit auch Ihres Erbteils partizipieren.

Vielleicht wäre es günstig, wenn Sie mit Ihren Eltern die Problematik Ihrer Investitionen besprechen. Gegebenenfalls sollte im Rahmen eines Testaments sichergestellt werden, dass Ihr Anteil an der Wertsteigerung des von Ihnen gemieteten Hauses auch Ihnen zugute kommt. Möglich wäre auch eine Ergänzung des Mietvertrages, dass von Ihnen vorgenommene Wertsteigerungen im Falle der Beendigung des Mietverhältnisses abgegolten werden.

Vor weiteren umfangreichen Investitionen im gemieteten Wohnhaus sollten Sie in jedem Falle zu Ihrer Absicherung entsprechende Vereinbarungen mit Ihren Eltern treffen, um sich entsprechende Ausgleichszahlungen für den Fall, dass die Investitionen bei Beendigung des Mietverhältnisses noch nicht abgewohnt sind, zu sichern.

Ich wünsche Ihnen auch noch ein schönes Wochenende und verbleibe

mit freundlichen Grüßen


Ingo Kruppa
Rechtsanwalt
www.kruppa-ruprecht.de

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