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Erbe und Wohnsitz im Ausland, Erbschein?

20.06.2009 20:07 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Sehr geehte Damen und Herren,

meine Eltern besitzen eine Eigentumswohnung, ein Sparbuch mit rund 8.000 EUR und einige Bausparverträge. Die Eigentumswohnung sowie das Sparbuch sind auf "Eheleute X" eingetragen und für die Bausparverträge ist jeweils der Ehepartner als Begünstigter eingetragen.

Ich selber habe meinen Wohnsitz von Deutschland in die Niederlande verlegt und bin in Deutschland seit einem Jahr nicht mehr registriert.

Meine Fragen sind nun folgende:
- Wie wird das Erbe aus Eigentumswohnung, Bausparverträgen und Sparbuch verteilt?

- Steht mir gesetzlich ein Pflichtteil zu oder geht der Anteil meiner Mutter zu 100% an mich?

- Greift eine Erbschaftssteuer wenn ich nicht mehr in Deutschland wohne?

- Muss und kann ich einen Erbschein beantragen?

Wenn ich meinen Vater richtig verstanden habe, dann würde er gern den Teil meiner Mutter zu 100% an mich überschreiben. Ich möchte mir mein Erbe jedoch nicht auszahlen lassen, jedoch soll es "irgendwo" schriftlich (notariell?) eingetragen werden. Muss meine Mutter vielleicht auch noch etwas unterschreiben?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen
NP

-- Einsatz geändert am 20.06.2009 20:12:33

Sehr geehrter Ratsuchender,

gemäß Ihren Angaben darf ich Ihnen Ihre Fragen wie folgt beantworten:

1. Wenn Ihre Eltern Deutsche sind (und im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, also den Güterstand nicht durch notarielle Vereinbarung geändert haben) und das gesamte Vermögen in Deutschland ist, gilt deutsches Erbrecht. Unterstellt, Ihre Eltern haben keinerlei testamentarische Verfügung getroffen und Sie sind das einzige Kind, würde beim Tod eines der Elternteile 50 % der überlebende Elternteil erben, Sie als Sohn die weiteren 50 %.

Dies gilt für den jeweils hälftigen Anteil an Wohnung und Sparbuch (denn Ihre Eltern besitzen dies ja jeweils zusammen; vererbt wird also nur die Hälfte der Wohnung bzw. die Hälfte des Sparbuchs; von dieser Hälfte also erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte und damit 25 % vom Ganzen, in gleicher Höhe erben Sie).

Sofern bei den Bausparverträgen die Bauspardarlehen noch nicht in Anspruch genommen wurden und nur das reine Bausparguthaben vorhanden ist, fällt dieses nicht in den Nachlass, falls - wie Sie schildern - der jeweils andere Elternteil als Begünstigter eingetragen ist. Das vorhandene Bausparguthaben geht damit - außerhalb des Nachlasses - an den als Begünstigten eingetragenen überlebenen Ehegatten. Sie partizipieren hieran nicht.

2. Wenn Ihre Eltern wie erwähnt kein Testament errichtet haben, gilt wie ausgeführt die gesetzliche Erbfolge und Sie erben 50 % des Vermögens des Versterbenden. Einen Pflichtteilsanspruch hätten Sie nur, wenn Sie - beispielsweise durch Testament - enterbt wurden. Der Pflichtteilsanspruch ist aber nur halb so groß wie der gesetztliche Erbanteil, so dass Sie bei der hier geschilderten gesetzlichen Erbfolge einen entsprechend größeren Anteil erhalten.

3. Das deutsche Erbschaftssteuergesetz sieht den Anfall von Erbschaftssteuer vor, wenn (beispielsweise) der Erblasser (also derjenige, der verstorben ist und dessen Vermögen vererbt wird) ein sog. Inländer ist (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Der Anfall von Erbschaftssteuer ist also unabhängig von Ihrem Wohnsitz im Ausland.

Allerdings gibt es sowohl für den überlebenden Ehegatten als auch Sie als Abkömmling steuerliche Freibeträge: diese betragen für den Ehegatten Euro 500.000 und für Sie Euro 400.000. Dies bedeutet, dass das gesamte Vermögen des erstversterbenden Elternteils (also die Hälfte der Wohnung + das hälftige Sparbuch) zusammen einen höheren Wert als Euro 800.000 haben müssten, damit Sie überhaupt Erbschaftssteuer zahlen müssten (denn Sie erben ja die Hälfte, die mehr wert sein müsste als Ihr Freibetrag von Euro 400.000).

4. Einen Erbschein müssen Sie nach dem Erbfall nicht unbedingt beantragen, sondern nur, falls Sie Ihre Erbenstellung irgendwie nachweisen müssten, beispielsweise bei Banken. Dies hängt dann vom Einzelfall ab.

5. Sofern Sie 100 % des Vermögens Ihrer Mutter erben sollen, könnte diese Sie in einem Testament als Alleinerben einsetzen. Sie würden dann die hälftige Wohnung erben und die Hälfte des Sparbuchguthabens. Den Wert der hälftigen Wohnung müssten Sie sich selbstverständlich nicht auszahlen lassen, sondern könnten zusammen mit Ihrem Vater je zur Hälfte Eigentümer der Wohnung sein/bleiben; gleiches gilt für den Sparbuchanteil. Erbe werden Sie aber trotzdem. Voraussetzung ist wie erwähnt, dass Ihre Mutter ein entsprechendes Testament errichtet. Hierfür sollte sie sich aber unbedingt anwaltlich beraten lassen, um rechtlich korrekt vorzugehen.

Für diesen Fall (nämlich dass Sie Alleinerbe werden) hätte Ihr Vater allerdings einen Pflichtteilsanspruch, den Sie als Alleinerbe erfüllen müssten.

Aus diesem Grunde und weil Sie offensichtlich Beweggründe haben, ein derartiges Erbe nicht sofort antreten zu wollen, wäre es sicherlich empfehlenswert, wenn sich Ihre Eltern vor Eintritt des Erbfalles von einem spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen. Dann können alle diese Details berücksichtigt und durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit vorstehenden Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung ermöglichen konnte. Naturgemäß ist für eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes und vor allem möglicher Unterlagen erforderlich. Im Rahmen dieses Forums können sich meine Ausführungen jedoch lediglich auf Ihre Schilderungen stützen und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich kann Ihnen bzw. Ihren Eltern bei der von Ihnen geschilderten Problemstellung nur empfehlen, einen spezialisierten Rechtsanwalt zu beauftragen, um sowohl rechtliche als auch ggf. steuerliche Unwägbarkeiten auszuschließen. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.

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