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Erbe ausschlagen wegen möglicher Überschuldung

24.11.2015 09:06 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Zur Ausschlagung einer Erbschaft.

Der Vater von H. ist Ende September d.J. verstorben, was H. zufällig über das Internet erfuhr, da kein Kontakt mehr zum Vater bestand und H. im Ausland lebt. Beim Nachlassgericht (ca. 1 Monat später) konnte, oder wollte man nichts genaueres sagen zum Nachlass, lediglich, dass zwei Halbgeschwister diesen ausgeschlagen haben. Es ist H. nicht bekannt, ob der Vater über Vermögen (früher hieß es er habe ein Aktiendepot) oder Grundbesitz besaß.Nun die Fragen:
- Gilt die Frist von 6 Wo das Erbe auszuschlagen, sobald das Nachlassgericht in der Kenntnis ist, dass H. von dem Tod des V. weiß (Datum, als H. vor Ort im Nachlassgericht war), oder erst nach Erhalt eines 'Erbscheines' o.ä.?
- Wie kann H. eruieren,ob Vermögen (Konto,Aktien,Grundbesitz o.ä.) vorhanden ist, bzw. wie hoch evtle. Schulden sind, da sie ja zumindest Pflichtteilanspruch hat?
- In welcher Form muss das evtle. Ausschlagen des Erbes erfolgen? Genügt eine schriftliche Erklärung an das Nachlassgericht (z.B.per Einschreiben)?
- Wie ist im besten Fall generell vorzugehen?

Vielen Dank und freundliche Grüße
im Auftrag von H.
24.11.2015 | 10:18

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1.
Die Ausschlagungsfrist beginnt nach § 1944 Abs. 2 BGB "mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt".

Dies dürfte der Zeitpunkt des Besuches von H. beim Nachlassgericht sein. Die Erteilung eines Erbscheins ist nicht erforderlich.

Darauf hinzuweisen ist jedoch, dass die Ausschlagungsfrist nach § 1944 Abs. 3 BGB SECHS MONATE beträgt, wenn sich der Erbe bei Beginn der Frist im Ausland aufhält.

Wenn Fristbeginn der Besuch beim Nachlassgericht war, würde die Fristverlängerung aber nicht eingreifen.

2.
H. könnte durch einen Rechtsanwalt beim Nachlassgericht Einsicht in die dortigen Nachlassakten nehmen lassen.

3.
Nach § 1945 Abs. 1 BGB erfolgt die Ausschlagung durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht. Die Erklärung ist ZUR NIEDERSCHRIFT des Nachlassgerichts oder IN ÖFFENTLICH BEGLAUBIGTER FORM abzugeben.

Ein Einschreiben würde nicht genügen.

Am einfachsten wäre vermutlich, wenn H. das Nachlassgericht aufsuchen könnte.
Anderenfalls müßte er zu einem Notar..

4.
Wie generell am besten vorzugehen ist, hängt davon ab, wieviel Zeit bis zum Ablauf der Ausschlagungsfrist verbleibt.

Verbleibt noch ausreichend Zeit, würde ich empfehlen, durch einen Rechtsanwalt Einsicht in die Nachlassakten nehmen zu lassen.

Nachdem bereits 2 Erben ausgeschlagen haben, spricht wohl einiges für eine Überschuldung des Nachlasses. Wenn die Ausschlagungsfrist alsbald abläuft sollte H. die Erbschaft ohne nähere Kenntnis vom Nachlass ausschlagen


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Reinhard Moosmann


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