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Erbanspruch trotz Nichterwähnung im Testament

| 12.07.2018 21:30 |
Preis: 30,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Pflichtteilsansprüche bei Testament.

Sehr geehrte Damen und Herren,

folgender Fall:

Ein verwitweter Vater hat drei Kinder und verfügt im Testament dass Kind 1 und Kind 2 zu 50% Erben sind.
Kind 3 ist geistig nicht gesund (wird durch einen gesetzlichen Betreuer vertreten) und wird im Testament nur als Kind, jedoch nicht als Erbe erwähnt.
Durch Vorvermächnisse erbt Kind 1 ein Haus, und Kind 2 eine dem Wert des Hauses entsprechende Geldsumme.

Erhält Kind 3 trotz der Nichterwähnung den gesetzlichen Pflichtteil, wie wird der berechnet, und ist es richtig dass über die Verwendung des Erbes der Betreuer zu entscheiden hat?

12.07.2018 | 22:16

Antwort

von


(60)
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Sehr geehrte (r) Fragesteller (in),

aufgrund der von Ihnen gemachten Angaben möchte ich Ihre Frage, wie folgt, beantworten.

Durch das Testament hat der Vater hier die willkürliche Erbfolge gewählt, die der gesetzlichen Erbfolge vorgeht. In Ihrem Falll erben nur Kind 1 und 2. Kind 3 geht leer aus.

Allerdings steht Kind 3 der gesetzliche Pflichtteil zu, welches ein reiner Zahlungsanspruch gegen die Erben ist. Der gesetzliche Pflichtteil besteht in Höhe des hälftigen gesetzlichen Erbteils, also die Hälfte von dem, was Kind 3 ohne Testament des Vaters geerbt hätte. Ohne Testamen hätten alle 3 Kinder zu gleichen Teilen, mithin 1/3, geerbt. Die Hälfte hiervon ist 1/6, so dass der Pflichtteilsanspruch der Quote nach 1/6 des Nachlasses zum Todeszeitpunkt des Vaters darstellt.

Die Vorausvermächtnisse werden im Erbfalle im Voraus an die Vermächtnisnehmer ausgekehrt, also vom Nachlass abgezogen. Erst dann werden die Quoten und der Pflichtteilsanspruch berechnet. Kind 3 erhält also 1/6 vom Nachlass nach Abzug der Vorausvermächtnisse als reinen Geldbetrag von den Erben.

Für Kind 3 entscheidet der Betreuer über die Verwendung des Pflichtteils. Bei größeren Beträgen muss der Betreuer jedoch ggf. das Betreuungsgericht um Zustimmung fragen.

Hoffentlich konnte ich Ihnen weiterhelfen. Über eine positive Bewertung von z.B. 5 Sternen würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Schulte
Rechtsanwalt und Datenschutzbeauftragter (TÜV)



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