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| 03.03.2017 15:24 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Ich bin das einzige Kind meines Vaters (vorehelich). Er zahlte monatlich seine Alimente und das war es. Wir kannten uns persönlich nicht. Nun verstarb im vorigen Jahr erst die Frau meines Vaters und 3 Wochen später er selbst. Es gibt ein 13 Jahre altes Testament, in welchem die Schwägerin der Frau als Alleinerbin eingesetzt wurde. Beide Verstorbenen beteuern im Berliner Testament, daß sie kinderlos sind. Durch Abschrift aus dem Geburtenbuch konnte ich beweisen, wer ich bin und ich möchte nun meinen Pflichtteil. Es wird nun schon ein halbes Jahr gemauert und verzögert, was das Zeug hält.
Offiziell geht es um 50.000 Euro. Mein Anwalt rät mir, das Testament anzufechten. Ich hab aber Angst, daß ich hinten herunterfalle und dann noch Gerichtskosten von meinem hälftigen Anteil zahlen muß.
Was kostet so eine Anfechtung und wie lange könnte sich das dann noch ziehen, bis ich mein Geld bekomme? Was würden Sie mir raten?

Sehr geehrte Ratsuchende,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Ganz ehrlich? … genau dazu wird es kommen.

Mit einer Anfechtung des Testaments kann man nur erfolgreich sein, wenn hierin nicht der wirkliche Wille des Erblassers enthalten ist.

Nun gibt es bei der Testamentserstellung schon einmal objektive Hürden für dessen Gültigkeit, entweder man schreibt dies selbst (handschriftlich!) oder aber man muss einen Notar aufsuchen, der das geschriebene als vom Erblasser beglaubigt (hier entstehen Kosten).

Ich gehe einmal davon aus, dass Sie älter als 13 Jahre sind und Ihr genetischer Vater bei der Erstellung des Testaments von Ihrer Existenz wusste.

Welchem Irrtum in seiner Entscheidungsfindung bei der Testamentserrichtung sollte Ihr Vater unterlegen gewesen sein?

…den, dass Sie ein ganz toller Mensch sind, den es sich als Kind zu lieben gelohnt hätte!
Sicher ein immenser und wichtiger Grund, aber aus rein rechtlicher Sicht wird dieser Grund wohl unberücksichtigt bleiben.

Die Regelungen der §§ 2078, 2079 BGB sind die maßgeblichen Vorschriften der Testamentsanfechtung. Hierin werden die Anfechtungsgründe, wie die Anfechtung wegen Motivirrtums und wegen Übergehen eines Pflichtteilsberechtigten aufgeführt.
Letzterer würde zwar auch auf Sie zutreffen, wie oben schon erwähnt, nehme ich an, der Erblasser hatte Kenntnis von Ihrer Existenz und seiner rechtlichen Verbindung zu ihm. Ob er diese akzeptierte, ist eine andere Frage.

Erbrechtliche Verfahren können durchaus schnell erledigt sein, dass ich jedoch in aller Regel nicht der Fall. Mein ältester Fall, der keine Anfechtung enthält, stammt aus 2013, und ist immer noch unerledigt.
Aber auch Pflichtteilsansprüche mit den vorgelagerten Auskunftsansprüchen dauern schon mal etwas länger, gerade wenn der Verpflichtete nicht seinen Pflichten nachkommt und Sie ihn dazu mittels Zwangsgeldern oder gar Erzwingungshaft zur Auskunft drängen müssen. Der reine Zahlungsanspruch soweit klar ist, kann schnell erledigt werden, soweit der Verpflichtete zu diesem Zeitpunkt noch zahlungskräftig ist.

Was würde ich Ihnen raten. Abzuwägen, wieviel Zeit und Geld Sie in eine Anfechtung und dann die anschließende Herausgabe des Nachlasses, den Sie weder kennen und auch nicht bestimmen können, stecken, oder sich hier auf die aus meiner Sicht etwas weniger risikobehaftete Pflichtteilssache beschränken.
Gerade der Pflichtteilsberechtigte hat mit seinem Auskunftsanspruch, eine grandiose Möglichkeit bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses dabei zu sein, oder aber auf Kosten des Nachlasses (und damit des Erben) ein notarielles Nachlassverzeichnis erstellen zu lassen (ABER ACHTUNG! Notare verdienen damit nicht so viel, daher sollte auf dessen ordentliche Arbeit geachtet werden.).

Gern stehe ich Ihnen hier bei einer Mandatierung zur Verfügung.


Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 03.03.2017 | 16:50

Ich bin schon 65 und mein Vater verstarb mit 90 in einem Pflegeheim, weil er dement war. Ob er aber bei der Erstellung des Testamentes schon dement war, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß nur, daß er in vorzeitige Pension wegen einer psychischen Erkrankung ging. Dies hat komischerweise die Anwältin der Gegenseite meinem Anwalt mitgeteilt. Es klingt fast, als wolle sie mich darauf stoßen, das Testament anzufechten.
Ändert diese Tatsache etwas an Ihrer Meinung?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.03.2017 | 17:12

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Nachfrage und die zusätzlichen Informationen.

Einen möglichen Anfechtungsgrund, dass Ihr Vater im Zeitpunkt der Testamentserrichtung aufgrund der demenzielen Veränderung ggf. geschäftsunfähig, und daher an der Errichtung einer letztwilligen Verfügung von Todes wegen gehindert war, hätten Sie ja damit.

Die Frage ist hier. Lässt sich das auch gerichtsfest, etwa durch Gutachten, medizinische Unterlagen etc., beweisen?
Allein, dass die Anwältin der Gegenseite den Umstand einer psychischen Erkrankung mitgeteilt hat, wird hier nicht ausreichen. Der Umstand, dass diese Krankheit zu einer vorzeitigen Pension führte ist grundsätzlich gut, da dementielle Erkrankungen, soweit die psychische Störung damit im Zusammenhang steht oder aufeinander einwirken können, fortschreitend sind und eine Verbesserung, von lichten Momenten abgesehen, nicht zu erwaten ist.
Aber wer sagt denn nicht, dass das fragliche Testament eben zu einem solchen lichten MMoment entstanden ist, zu dem Ihr Vater sich seiner Sterblichkeit gewahr wurde und seine Vermögensangelegenheiten nicht gerade in der Kenntnis Ihrer Person so für den Fall seines Todes regeln wollte.
Mit einer solchen Idee sollten Sie zumindest rechnen, wenn Sie sich auf diesen Weg begeben.

Die Chance gibt es, das Risiko ist nach wie vor vorhanden, es hat sich aber verlagert.
Bitte bedenken Sie auch, dass die Kosten für diesen Anfechtungsrechtsstreit sicherlich bereits vor der Auszahlung eines Pflichtteils zum Tragen kommen werden.
Ob sich die ganze Sache für 50.000 Euro lohnt, kann ich nicht beurteilen. Die gesetzlichen Gebühren können Sie über diesen https://anwaltverein.de/de/service/prozesskostenrechner Prozesskostenrechner grob nachvollziehen und so Ihr Kostenrisiko einschätzen.

Ich haffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und Ihnen eine Entscheidungshilfe haben geben können.
Mithin verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Bewertung des Fragestellers 03.03.2017 | 18:41

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